13.02.2020 - 17:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mauser flieht vor Haft nach Österreich

Siegfried Mauser ist ein verurteilter Straftäter. Der Musikprofessor, der regelmäßig in Weiden aufgetreten ist, hätte seine Haftstrafe längst antreten müssen. Doch ins Gefängnis begab er sich bis jetzt nicht.

Pianist und Musikwissenschaftler Siegfried Mauser saß im wissenschaftlichen Beirat der Weidener Max-Reger-Tage und ist wegen sexueller Nötigung zu einer Haftstrafe verurteilt. Diese trat er bisher noch nicht an. Stattdessen soll er nach Österreich geflohen sein.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Der wegen sexueller Nötigung in mehreren Fällen verurteilte Siegfried Mauser drückt sich vor seiner Haft. Zwei Jahre und neun Monate muss er hinter Gitter. Bis zum 13. Januar hätte sich der gebürtige Straubinger, der bis zu seinem Rauswurf 2018 im wissenschaftlichen Beirat für die Max-Reger-Tage in Weiden saß und beim Schwandorfer Klavierfrühling aufgetreten war, in die Justizvollzugsanstalt Landsberg begeben sollen.

Bis gestern war der 65-Jährige dort nicht vorstellig geworden, wie die Staatsanwaltschaft München bestätigt. "Er hat sich nicht entzogen, sondern bislang lediglich die Ladung zum Strafantritt nicht befolgt, da er sich im Ausland aufhält", erläutert Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl. Mauser, ehemals Rektor des Mozarteums in Salzburg, Präsident der Hochschule für Musik und Theater in München und Direktor der Abteilung Musik der bayerischen Akademie der Schönen Künste, besitzt neben der deutschen auch die österreichische Staatsbürgerschaft, wie die Oberstaatsanwältin mitteilt.

Hauptwohnsitz in Salzburg

Mauser hat München wohl verlassen und halte sich gerade in Österreich auf, schreibt seine Vertraute Marie-Berthe Brouhon auf Facebook: "Siegfried lebt seit 1985 mit Hauptwohnsitz in Salzburg und hat die österreichische Staatsbürgerschaft - es ist sein gutes Recht, hier zu sein. Dass er von Deutschland, vor allem von Bayern genug hat, ist auch nachvollziehbar, so, wie man ihn dort behandelt hat."

"Es ist furchtbar peinlich und unangenehm", findet Rechtsanwältin Antje Brandes. Sie bezeichnet dieses Verhalten als Flucht. "Wobei Flucht per se nicht strafbar ist", schiebt die Verteidigerin von allen fünf Frauen, die gegen Mauser geklagt hatten, nach. Der 65-Jährige "müsste sich der Realität stellen". Es handele sich schließlich nicht um den Vorwurf einer Frau, sondern um fünf Opfer, die klagten. In zwei Fällen wurde der Professor verurteilt, zwei weitere waren zu lange her. "Nach heutigem Recht wären die Taten auch verurteilt worden", zitiert Brandes aus dem Urteil.

Mauser und seine Unterstützer sehen das anders. Der Verurteilte hat eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht, wie Pressesprecher Dr. Max Schoenthal bestätigt. Mauser will gegen das Urteil des Bundesgerichtshofs zu zwei Jahren und neun Monaten Haft vorgehen. Wann das Verfassungsgericht entscheidet, ist nicht bekannt. Auch die Staatsanwaltschaft hat Mauser um Aufschub gebeten. Ob die Staatsanwaltschaft einen deutschen oder europäischen Haftbefehl gegen ihn erlassen hat, möchte Bäumler-Hösl nicht verraten. "Zu eventuellen Fahndungsmaßnahmen können wir uns nicht äußern", heißt es. Unbeantwortet bleibt auch die Frage, ob ihre Behörde Österreich um Rechtshilfe gebeten hat.

"Alle Mittel ausschöpfen"

Für Mausers Freunde ist die Sache klar: "Unschuldig mag niemand eine Haftstrafe antreten, und es ist wohl verständlich, alle juristischen Mittel auszuschöpfen", schreibt Brouhon. Dazu zähle "das Recht, den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anzurufen - es wurden Menschenrechte verletzt, da man ihn ohne Beweise verurteilt hat, und immer nur Aussage gegen Aussage stand. Siegfried, wir stehen alle hinter dir." Brouhon schließt ihre "Richtigstellung" mit "Nous sommes Siegfried" - in Anlehnung an den französischen Spruch "Nous sommes Charlie" (wir sind Charlie) der Pariser Bevölkerung nach dem islamistisch motivierten Anschlag auf die Redaktion der Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" 2015. Damals starben zwölf Menschen.

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