17.03.2020 - 16:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Mebis" gehackt: Weidener Schulen nutzen viele Wege zum Lehrstoff

Am Montag wurde das Lernportal "Mebis" von Hackern lahmgelegt. Am Dienstag lief es wieder. Trotzdem hält sich so manche Schule noch andere Wege offen

Die Lernplattform "Mebis" war am Dienstag wieder erreichbar, meldeten Weidener Schulen. Die meisten Einrichtungen nutzen jedoch mehrere Wege, um mit den Schülern in Kontakt zu bleiben.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

"Es holpert", urteilt Elly-Heuss-Schulleiter Reinhard Hauer über das Lernportal "Mebis" des Kultusministeriums. Nicht nur angesichts der jüngsten Erfahrungen wegen der Hacker-Angriffe. Das System laufe insgesamt noch nicht optimal. Nachtarbeiter in seinem Kollegium hätten ihm erzählt, dass es in diesen Stunden besser funktioniere.

Die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern sei am Montag dennoch sichergestellt gewesen. Sie hätten ihre Aufgaben per E-Mail erhalten. Die Lehrer kommunizieren über den "Schulmanager online".

Weil "Mebis" bereits am Freitag ziemlich überlastet war, ist das Kepler-Gymnasium gleich einen zweiten Weg gegangen und hat die E-Mail-Adressen der Schüler eingesammelt. "Darüber haben die Lehrer direkten Kontakt zu den Schülern aufgenommen", berichtet Oberstudiendirektorin Sigrid Bloch. Betroffen sind hier die Jahrgangsstufen 11 und 12, die kurz vor dem Abitur stehen. "Deshalb wollten wir gleich alles mit Netz und doppeltem Boden machen."

Bei den 5. bis 10. Klassen erweise sich die Lernplattform Infoportal, die sich die Schule für viel Geld geleistet hat, als wahrer Segen. "Die Firma installiert laufend Zusatztools, damit die Kommunikation noch komfortabler wird." Darüber lässt sich laut Sigrid Bloch gut Kontakt halten. "Unsere Lehrer machen davon auch heftig Gebrauch."

Dass "Mebis" unabhängig vom Hacker-Angriff an seine Kapazitätsgrenzen kommt, war allen klar. Zudem sei das System nicht besonders bedienerfreundlich, erklärt Thomas Kreuzer. Das Augustinus-Gymnasium kommuniziere mit den 5. bis 10. Klassen deshalb per "Schulmanager online". "Die mussten am Montag aber auch Server-Kapazitäten nachkaufen." In der Oberstufe seien "Mebis" und der "Schulmanager" im Einsatz. Er selbst macht mit seinen Schülern täglich Videounterricht. Denn nach den bisherigen Plänen starten die Abschlussprüfungen am 30. April. Ob das Datum gehalten werden kann, weiß keiner zu sagen.

Ab Mittwoch fährt auch die Hans-Scholl-Realschule doppelt. Mit dem Portal "Esis", das am Montag laut Schulleiter Michael Meier einwandfrei funktioniert hat. Neu hinzu kommt das Schülerportal auf "Office 365". Meier: "Dafür gibt es eine spezielle Schullizenz." Über "Esis" werden außerdem Wochenarbeitspläne verteilt, die die Schüler nach und nach abarbeiten können.

Am Montag setzte "Mebis" aus, am Dienstag ging es wieder, heißt es an den Wirtschaftsschulen in Weiden und Eschenbach. "Das Kultusministerium tut alles dafür, dass ,Mebis' stabil läuft", sagt Martina Auer-Bertelshofer, stellvertretende Schulleiterin in Weiden. , Bei hohen Zugriffszahlen am Vormittag kann es schon mal haken, räumt Mario Wenzel, Mitglied der erweiterten Schulleitung in Eschenbach, ein. "Aber es ist ja den ganzen Tag Zeit, sich das Material herunterzuladen. Außerdem stellen die Kollegen Lernvideos ins Netz."

Schuleinschreibung und Übertritt:

Persönliche Anmeldung mal Ja, mal Nein

Die am 25. März für alle Weidener Grundschulen geplante Schuleinschreibung soll nach Angaben von Schulamtsdirektorin Christine Söllner grundsätzlich stattfinden. Die Eltern können das jetzt auch telefonisch, per Post oder E-Mail erledigen. Sie können aber auch - wie gewohnt - persönlich erscheinen.

"Die Schuleinschreibung wird vom Betretungsverbot der Schulen nicht erfasst", verweist Söllner auf ein Schreiben des Kultusministeriums. Gleichzeitig entfalle die Pflicht, das Kind zur Feststellung der pädagogischen Eignung persönlich vorzustellen, so dass die Entscheidung bei den Eltern liegt. Aufgabe der Schulleiter sei es, diese Aktion gut umzusetzen, so dass auch die Hygienevorschriften eingehalten werden. "Ich vertraue ihnen da voll."

An der Staatlichen Wirtschaftsschule in Weiden bleiben die Türen für Anmeldewillige am Freitag, 27. März, dagegen geschlossen. Die Anmeldung ist nur per E-Mail, Brief oder telefonisch möglich, betont stellvertretende Schulleiterin Martina Auer-Bertelshofer. "Wir wollen alle Seiten schützen." Anmeldungen mit dem Abschlusszeugnis sind außerdem noch bis 7. August möglich. Weitere Infos finden sich auf der Homepage der Schule.

Was die für Mai geplante Anmeldung für Fünftklässler am Augustinus-Gymnasium betrifft, ist laut stellvertretendem Schulleiter noch alles offen. "Jetzt müssen wir erst einmal abwarten, ob am 20. April tatsächlich wieder Unterricht an den Schulen ist." Jetzt gehe es erst einmal um die Abschlussprüfungen, denn die Abiturtests sollen am 30. April beginnen.

Interessierte Eltern müssen Formular ausfüllen:

Notbetreuung für Schüler kaum gefragt

An den Weidener Schulen ist die Notbetreuung für Schüler, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, bisher kaum gefragt. Am Elly-Heuss-Gymnasium gab es eine Anmeldung, an der Hans-Scholl-Realschule, dem Augustinus-Gymnasiums, den Wirtschaftsschulen in Weiden und Eschenbach gab es überhaupt keine Bewerbung. Der Nachweis über die Berufe der Eltern muss über ein Formular erfolgen. Bei Bedarf ist jederzeit noch Betreuung möglich, versichern die Schulen.

Im Schulamtsbezirk Weiden-Neustadt gibt es nach Auskunft von Direktorin Christine Söllner einige wenige Grund- bzw. Mittelschulen, in denen die Notbetreuung genutzt wird.

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