Weiden in der Oberpfalz
22.09.2022 - 16:36 Uhr
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Mehr Bahnhöfe und der Fischerberg-Radweg: Das Mobilitätskonzept der Stadt Weiden ist da

Weniger Autos, mehr Radwege und öffentlicher Nahverkehr – das spart Schadstoffe und soll das Verkehrssystem Weidens modernisieren. So lautet die Formel des Mobilitätskonzeptes der Stadt. Kommende Woche entscheidet der Stadtrat.

Am Knotenpunkt von Bahnhof-, Weigel- und Frauenrichter Straße legt das Mobilitätskonzept eine Überprüfung der Lage nahe. Bild: Meier, Marco
Am Knotenpunkt von Bahnhof-, Weigel- und Frauenrichter Straße legt das Mobilitätskonzept eine Überprüfung der Lage nahe.

Was lange währt, wird endlich Beschlussvorlage: Ralf Huber-Erler vom Verkehrsplanungsbüro R + T hat das Mobilitätskonzept der Stadt Weiden am Mittwoch, zehn Jahre nachdem es im Jahr 2012 unter dem Titel "Gesamtstädtisches Verkehrskonzept" geboren wurde, vor dem Bauausschuss, dem Umweltausschuss und dem Klimaschutzbeirat des Weidener Stadtrates vorgestellt. Was klar ist und bleibt: Weniger Verkehr wird es in Zukunft nicht geben – eher mehr. Die Aufgabe, vor dem die Planer standen: Wie kanalisiert man den durch eine Stadt wie Weiden, die, so Eher, floriert und wächst.

Wo haben Huber-Erler und seine Kollegin Stephanie Feuerbach, die seit 2019 mit der Erarbeitung des Konzepts beauftragt sind, ihre Schwerpunkte gesetzt? Aufschluss darüber gibt die Prioritäten-Liste, die er den Stadträten am Mittwoch vorträgt. Wichtig seien unter anderem Geschwindigkeitsbeschränkungen innerhalb der rechtlichen Möglichkeiten im Stadtgebiet, ebenso eine Prüfung der Umgestaltung der Straßenräume, insbesondere der Bahnhofstraße.

"Dickere Bretter" mit der Bahn

Die kommt auch ein weiteres Mal vor, erneut schlagen Huber-Erler und Feuerbach eine Prüfung vor – nämlich die des Knotenpunktes zwischen der Frauenrichter Straße, der Bahnhofstraße und der Weigelstraße. An der Dr.-Pfleger- und der Sedanstraße empfiehlt das Konzept die weitere Arbeit hin zu einer Umweltspur. Gute Nachrichten für Radfahrer: In der Innenstadt sollen mehr Fahrradstellplätze entstehen, die Hauptverkehrsachsen besser ausgebaute Radwege bekommen – dazu gehört unter anderem der Weg nach und von Theisseil am Fischerberg. Bushaltestellen bräuchten darüber hinaus einen barrierefreien Ausbau und generell bessere Ausstattung.

Eine Maßnahme, die die Verkehrs-Landschaft der Stadt Weiden – aber auch die der Umgebung – nachhaltig verändern kann, ist der von Ralf Huber-Erler eingebrachte Vorschlag zu Bahn-Haltestellen: Er wünscht sich mehr für Weiden. Wie realistisch das ist? "Es ist klar, dass man da gemeinsam mit der Bahn die Bretter bohren muss – und das sind oft dickere, das ist klar." Was das bringen würde? Schnellere, bequemere Beförderung in, durch, von und nach Weiden, meint Huber-Erler. Und es würde eines der Ziele des Konzeptes greifbarer machen: Die Weidener Straßen wären mutmaßlich spürbar weniger befahren.

"Unser Konzept ist keines, das sich gegen das Verkehrsmittel Auto wendet", betont der Verkehrs-Experte, auch in Reaktion auf die Bedenken einiger Ausschuss-Mitglieder am Mittwoch. "Es ist völlig klar, dass das Auto in Weiden wichtig ist und bleibt." Und doch sei die Stadt auch gesetzlich verpflichtet, den Schadstoff-Ausstoß und damit den Verbrenner-Verkehr zu reduzieren.

Der Rucksack A93

Ein Problem dabei: 41 Prozent der Kraftfahrzeuge im Stadtgebiet fahren nicht nach, sondern durch Weiden. Der überwiegende Teil davon findet auf der A93 statt – rechnet man die Autobahn heraus, stehen noch rund 20 Prozent Durchgangsverkehr. "Verkehrsaufkommen errechnet sich nach dem Territorial-Prinzip", erklärt Huber-Erler. Bedeutet: Weiden trägt den Rucksack A93 mit in seine Verkehrsstatistik – obwohl es für das Verkehrsaufkommen dort recht wenig kann.

"Unsere Aufgabe war, verschiedene Aspekte unter einen Hut zu bringen: Wir müssen das Verkehrssystem in Weiden zukunftsfähig machen, Umweltbelange berücksichtigen und Gleichberechtigung sichern – auch und gerade für ältere Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind", beschreibt Ralf Huber-Erler. Ist das gelungen? Das Abstimmungsverhalten der drei Ausschüsse legt das nahe. Einstimmig fällt die Zustimmung letztendlich aus – nach einer Debatte von über zwei Stunden. Generelle Kritik kommt kaum auf, punktuell gibt es Absichtsbekundungen und Verbesserungsvorschläge an der 40-minütigen Präsentation, basierend auf einem Skript von rund 120 Seiten. Aus der CSU kommen Zweifel an der angestrebten Reduzierung des Auto-Verkehrs in der Stadt an. "Die Fachwelt ist sich einig, dass es nicht sinnvoll ist, mit dem Auto bis vor die Ladentheke zu fahren", entgegnet der Experte. Stadträte aus SPD und Grünen sind sich dagegen in einem recht einig: Der Ausbau des Radwegenetzes und der öffentlichen Verkehrsmittel ist nötig – und soll, wie in dem Mobilitätskonzept nahegelegt, Beachtung finden. Final muss noch der Stadtrat am kommenden Montag seinen Daumen über dem Konzept heben oder senken.

Hintergrund:

So entstand das Mobilitätskonzept

  • Ziel: moderne und leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur und Optimalisierung der Verkehrsabläufe
  • 2012: Entstehung als "Gesamtstädtisches Verkehrskonzept"
  • 2019: Beauftragung der R+T Verkehrsplanung
  • Bürgerbeteiligung: Feedback aus der Öffentlichkeit in zwei Runden, zuletzt am 19. Mai
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