Wie Honig läuft die Winnetou-Melodie aus dem Off. „Friede, Brüder und Schwestern! Herzlich willkommen zu ‚Zapped‘, das 25-Jahre-Jubiläumsspecial!“ Ein echt großer Auftritt, Riesenapplaus. Zugegeben, der edle Apachenhäuptling steht heute trotz des Soundtracks nicht im Mittelpunkt. Aber die Visitenkarte, die Michael Mittermeier mit seiner musikalischen Einspielung im Publikum verteilt, macht ihn gleich von Beginn an sympathisch.
Die Frisur schimmert silbern. Auch rein klamottentechnisch müssen die Fans Abstriche hinnehmen. So „steht“ die schwarze Vampir-Lederhose, die er früher immer anhatte, daheim im Schrank. Stattdessen trägt er bei seinem Auftritt in der Max-Reger-Stadt einen weniger aufreizenden, schwarzen Stretch-Stoff. Begründung: „Den verhinderten SM-Versuch kann ich hier in Weiden nicht bringen.“
Brennglas auf Streaming-Kultur
Der Komiker aus Pullach schafft es am Dienstagabend in der Max-Reger-Halle, sogar Corona etwas Positives abzugewinnen. Man stelle sich vor, die Pandemie wäre schon in den Achtzigern ausgebrochen, bei den damals nur zwei Fernsehprogrammen: „Wir hätten uns alle gegenseitig umgebracht.“
Als Mittermeiers „Zapped!“ 1996 erschien, war das etwas völlig Neues auf der Comedy-Bildfläche. Die Grundidee: Ein Generalangriff auf das damalige Fernsehen. Jetzt, ein Vierteljahrhundert später, feiert der Künstler einen nostalgischen Rückblick auf die TV-Geschichte und hält das Brennglas auf die Streaming-Kultur der Gegenwart. Dabei lässt er keine Pointe aus, um Lacher heraus zu kitzeln.
Denn es ist einiges passiert zwischen Lassie und dem Bachelor. Zwischen dem einzigen Hund, der mit Menschen reden konnte und dem Junggesellen, der es bei der Brautschau mittlerweile bis zum Ausbildungsberuf gebracht hat. „Ich hatte meinen ersten Vollrausch mit Zwölf", sagt Mittermeier. Und weil das Publikum nicht spontan auf sein Outing reagiert, findet er, dass es einfach toll sei, in der Heimat vor Gleichgesinnten zu spielen. Schallendes Gelächter. Der Meister der flotten Sprüche kommt in Hochform.
Blick auf Fernsehwerbung
Die 500-Mann/Frau-starke Fangemeinde verfolgt im Gustl-Lang-Saal mit Spannung Mittermeiers Parcours-Ritt durch die Fernsehwerbung. Beispiel: Die AOK Auslandskrankenschutzversicherung, die nach einem kurzen Ferngespräch, noch unmittelbar vor dem Abflug am Flughafen abgeschlossen wird. Dabei wisse doch jeder, der schon mal in der AOK-Warteschleife festhing, wie total unrealistisch dieser Spot sei. Oder die völlig unverständliche o.b.-Tampons-Werbung: "Blaue Flüssigkeit - pure Männerfantasie." Nur gut, dass es wenigstens noch seriöse Fernsehunterhaltung gibt, wie etwa das TV-Format Frauentausch. Da ist immer eine dabei, die ich nicht für zwei Flaschen Bier eintauschen würde.“ Allein wenn schon das Gebiss der Kandidatin deutlich mache, dass sie es gewohnt sei, die Flasche mit den Zähnen zu öffnen.
Nicht zu kurz kommen dürfen Mittermeiers Kindheitserlebnisse vorm Bildschirm. „Von ‚Tutti Frutti‘ sind wir damals aufgeklärt worden.“ Und: „Die erste Frau, die ich in Strapsen gesehen habe, war Pippi Langstrumpf. Das war die Greta meiner Kindheit. Die ist freitags auch nicht zur Schule gegangen.“ Ein weiteres Idol seines frühen TV-Konsums war die Biene Maja. "Das war das erste Mal, dass schwarz-gelb unter weiblicher Führung funktioniert hat."














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