22.03.2019 - 12:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Michael Richthammer legt Bienenwiese hinter Büro an

Eigentlich ist Michael Richthammer Versicherungsmakler. Doch schon ein Blick in sein Büro verrät: Er liebt die Natur. Deshalb hat er hinter seiner Firma eine rund einen Hektar große Bienen-Wiese angelegt.

Die ersten grünen Stengel sind schon wieder zu sehen. Bis die Wiese hinter dem Büro von Michael Richthammer wieder so üppig blüht und brummt wie im vergangenen Jahr, dauert es noch etwas. Allein wegen der Sonnenblumenkerne hielten sich rund 300 Vögel im Feld auf.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Michael Richthammer ist Jäger, hat einen Angelschein, fährt Kanu und reist gerne nach Kanada oder Alaska. Weil auch sein Vater Jäger war, hat er schon als Kind viel Zeit im Wald verbracht. Die Schreibtische im Büro des Versicherungsmaklers bestehen aus längs geschnittenen Baumstämmen, an der Wand hängt ein riesiges Geweih. Seine Naturverbundenheit lebt der Weidener auch hinter seiner Firma aus. Aus „reiner Eigeninitiative“ legte er im Frühjahr 2018 direkt hinter dem Gebäude in der Straße Zum Burgstall in Ullersricht eine große Bienen-Wiese an. Die Fläche gehört einem Landwirt, der sie wegen der schlechten Bodenqualität nicht nutzen kann. Nach etwas Überzeugungsarbeit überließ er die Wiese dem Naturfreund zur kostenlosen und insektenfreundlichen Nutzung.

Richthammer entdeckte sogar im ungewöhnlich trockenen und heißen Sommer 2018 „etliche Bienenarten, die ich gar nicht kenne“, dazu Raupen, Käfer, Schmetterlinge. Samen von rund 50 Pflanzenarten hatte er ausgesät. Stolz zeigt er ein Foto einer Raupe, aus der später ein Schwalbenschwanz wurde. „Die geht nur auf wenige bestimmte Arten“, so Richthammer. „Man braucht schon mehr als ein Kilo Samen“, sagt er grinsend auf die Kostenfrage. „Aber wir reden hier von ein paar Hundert Euro für Samen und die Bearbeitung der gesamten Fläche.“

Die Raupe des Schwalbenschwanzes hat sich auf bestimmte Futterpflanzen spezialisiert. Die fand dieses Exemplar in der Wiese von Michael Richthammer in Weiden.

Frühe und häufige Mahd schadet Insekten

Neustadt an der Waldnaab

Das Tierleben in Richthammers Bienenwiese geht allerdings weit über Bienen oder generell Insekten hinaus: „Als die Sonnenblumen verblüht waren und die Kerne zum Vorschein kamen, hatten wir circa 300 Vögel im Feld, dazu Hasen und Rehe. Die komplette Bandbreite.“

Nicht jeder kann allerdings eine so große Fläche insektenfreundlich gestalten wie der Versicherungsmakler. Er sieht das gelassen: „Bei wenig Platz sind fünf bis zehn Sämereien schon okay. Ob ich eine Wiese nehme oder einen Topf, ist doch ganz egal.“ Frei nach dem Motto: Besser wenig, als nichts tun.

„Es reichen kleinste Flächen im Garten, die man nur zwei Mal im Jahr mäht. Dann merkt man sofort, dass da mehr los ist. Mit diesen Flächen braucht man eigentlich gar nichts mehr machen, auch nicht düngen, sondern einfach das bissl Natur sich selber überlassen. Wenn ich nicht dünge und nicht viel mähe, kann ich kaum etwas falsch machen. Und wenn ich gerne einen Golf-Rasen haben möchte, kann ich den ja vor dem Haus haben, und hinten halte ich es etwas naturbelassener.“

Betonung auf „heimisch“

Sein Tipp für die Auswahl der Pflanzen: „Die Betonung liegt auf ,heimisch’.“ Jetzt im Frühjahr zum Beispiel ernähren sich die ersten Bienen von Krokussen, Schneeglöckchen, Hasel- und Zaubernuss. „Bienen sind dankbar für jede Pflanze und jeden Strauch. Sie brauchen jetzt Wärme. Mit der Trockenheit im letzten Jahr hatten sie ziemlich zu kämpfen. Dann brauchen sie auch Wasser.“

Richthammer betont, dass es nicht nur um Bienen gehe, sondern um alle Insekten und somit auch um die diversen Hummelarten, Schmetterlinge, Käfer. „Wenn man den Boden zum Beispiel alle paar Monate umgräbt, zerstört man den Lebensraum der Erdhummel.“ Der Weidener wird im Juli Präsident des Lions-Club Weiden. Man darf erwarten, dass er sich auch in dieser Funktion für Bienen und Insekten einsetzen wird.

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Bienenfreundliche Pflanzen für Balkon und Garten

Info:

Bienenfreundliche Pflanzen für Balkon und Garten

Folgende heimische Arten empfiehlt Richthammer als bienen- und insektenfreundlich:

Akelei („Mögen die Hummeln.“)

Becherpflanze

Borretsch

Brombeere, Himbeere

Echter Salbei

Eisen- und Fingerhut

Gänseblümchen

Garten-Ringelblume

Glockenblume

(Horn-)Klee („Eine total dankbare, mehrjährige Pflanze.“)

Huflattich

Kamille

Kornblume Dill

Kugeldistel

Lavendel

Löwenzahn

Margerite

Oregano (auch: Dost)

Phacelia (auch: Bienenfreund)

Purpurner Sonnenhut

Ysop

Für größere Flächen empfiehlt er die Samenmischung „Veichtshöchheimer Bienenwiese“. Sie enthält rund 50 Arten.

 

 

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