07.12.2018 - 15:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Missbrauchsverdacht: Prozess ausgesetzt

Es ist der fünfte Verhandlungstag vor der 3. Jugendkammer am Landgericht Weiden: Der Verteidiger des 45-jährigen Angeklagten stellt einen Befangenheitsantrag gegen die Richter. Der Prozess wird vorerst ausgesetzt.

Der Missbrauchsprozess gegen einen 45-Jährigen aus dem Landkreis Tirschenreuth wird wegen Befangenheit vorübergehend ausgesetzt.
von Autor hczProfil

Die Verteidiger kämpften auch am fünften Prozesstag mit scharfen Waffen. Die Verhandlung vor der. 3. Jugendkammer des Landgerichts Weiden gegen einen 45-Jährigen, der sich an zwei Jungen seiner Lebensgefährtin vergangen haben soll, gipfelte am Freitag mit einem Antrag auf Ablehnung der gesamten Kammer des Gerichts. Rechtsanwalt Philip Müller (München) begründete dies mit der "Besorgnis der Befangenheit" gegen seinen Mandanten.

Zusammen mit seinen Kollegen Rouven Colbatz (Weiden) und Florian Zenger (München) verteidigt Müller den Mann aus dem Landkreis Tirschenreuth, der von einem 23-Jährigen und einem 15-Jährigen beschuldigt wird, sie als Zwölf- und Acht-Jährige sexuell missbraucht zu haben. Da sich bei den Aussagen des Arbeitslosen und des Schülers Unstimmigkeiten aufgetan hatten und zudem die Großmutter des Jüngeren von einem verhängnisvollen Satz berichtet hatte, hatten die Verteidiger ein psychologisches Fachgutachten bezüglich der Glaubwürdigkeit der Männer beantragt. Die 72-Jährige hatte als Zeugin ausgesagt, der Ältere habe in ihrem Beisein gesagt: "Jetzt haben wir ihn, wo er hingehört und können richtig absahnen".

Die Richter Reinhold Ströhle und Peter Werner lehnten den Antrag am Freitag ab, da "Richter selbst über die erforderliche Sachkenntnis bezüglich der Glaubwürdigkeit eines Zeugen verfügen". Allerdings hatten sich bei der Vernehmung der Großmutter ebenfalls Widersprüche ergeben. Ihr Lebensgefährte, ein 60-jähriger Zimmerer, wurde am Freitag als Zeuge gehört und geriet in heftigen Streit mit Beisitzer Werner und Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf. Seine, in weiten Teilen nicht plausiblen, Aussagen bestätigten die Berichte der 72-Jährigen und entlasteten damit den Angeklagten erheblich. Der Mann wurde trotz des Antrags von Rechtsanwalt Müller nicht vereidigt.

Über den Befangenheitsantrag muss nun eine andere Kammer des Landgerichts entscheiden. Sollte diese dem Antrag stattgeben, muss der ganze Prozess von vorne beginnen. Ansonsten wird er am Freitag, 28. Dezember, um 10 Uhr fortgesetzt.

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