18.07.2018 - 15:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mobilität im Kopf entwickeln

Für CSU-Stadtrat Hans Blum ist ein kostenfreier ÖPNV die Lösung aller Probleme. Der Verkehr müsse raus aus der Innenstadt, forderte er beim Dämmerschoppen der Senioren-Union im Ratskeller.

Für CSU-Stadtrat Hans Blum ist ein kostenfreier ÖPNV die Lösung aller Probleme. Der Verkehr müsse raus aus der Innenstadt, forderte er beim Dämmerschoppen der Senioren-Union im Ratskeller.
von Helmut KunzProfil

(uz) Gisela Helgath von den Grünen sagte: "Wir müssen Mobilität im Kopf entwickeln." Ihrer Einschätzung nach sei der Besitz des eigenen Autos ein Auslaufmodell. Vor allem junge Menschen verzichteten darauf. Die regelten die Erledigung ihrer Bedürfnisse heute schon verstärkt über Handy-Apps, die ihnen die jeweils günstigsten Verkehrsmittel anzeigten. Der Stadt- und Überlandverkehr decke alle Anforderungen ab, sagte Linienbus-Betreiber Wolfgang Wies. Die Weidener Busse verkehrten zwischen 5.35 Uhr und 20.20 Uhr. Sollte dieses Angebot nach hinten erweitert werden, wie Peter Klein - "tagsüber sitzen nur zwei Leute im Bus" - dies im Sinne der Arbeitnehmer im Einzelhandel anregte, dann müsse die Stadt eben tiefer in die Tasche greifen. Wie Wies betonte, bestehe sein Fuhrpark seit 1991. Alle Busse hätten Rampen für Rollstuhlfahrer. "Auch für Senioren haben wir schon eine ganze Menge getan."

Woran es hapere? "An den Haltestellen ohne Bürgersteige." Die Infrastruktur müsse bei der Barrierefreiheit nachziehen. Allerdings koste das die Stadt einen Batzen Geld. Rund 70 000 Euro pro Haltestelle, rechnete Wies vor. Hartmut Brönner monierte, dass etwa die oberen Bereiche an Fahrkartenautomaten im Bahnhofsbereich von Rollstuhlfahrern nicht bedient werden könnten. Aus den Reihen der Zuhörer kam der Vorschlag, die Zu- und Abgänge an den Haltestellen abends optimaler auszuleuchten. Vor allem Frauen fürchteten sich. Das subjektive Sicherheitsempfinden habe sich verändert, sagte eine Besucherin: "Man hat inzwischen Pfefferspray in der Handtasche." Eine Umfrage unter 5000 über 60-Jährigen in Weiden habe ergeben, dass für 60 Prozent dieses Personenkreises das eigene Auto das beliebteste Beförderungsmittel sei. Jeder Zweite laufe zu Fuß, 32 Prozent nutzten das Fahrrad, nur 25 Prozent den Bus. Bahn, Taxis und Fahrdienste spielten eine untergeordnete Rolle, sagte Brönner. Die zugkräftigsten Busverbindungen seien die von der Mooslohe und vom Hammerweg zum ZOB. Neunkirchner und Leute aus dem Weidener Osten nutzten zu 86 Prozent das eigene Auto, was eine Zuhörerin auf die finanzielle Besserstellung der Bewohner dieser Sprengel zurückführte. "Diese Haushalte besitzen in der Regel zwei Autos."

Von der Forderung nach einem autonomen Fahrdienst in der Innenstadt hielt Wies nichts. "In jedem diese autonomen Fahrzeuge sitzt zur Sicherheit ein autonomer Beifahrer." Es kam der Vorschlag, einen Monat lang mal den ÖPNV kostenlos zu machen, um die Bürger von den Vorteilen dieser Möglichkeit zu überzeugen. Und: Es sei ein Riesenproblem für Nicht-Weidener, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt zu kommen. Man solle über einen Schnellbus nachdenken. Die Parkplatzsituation in Weiden mit 4500 Stellplätzen, sei reichlich. Hans Forster gab bekannt, dass für das neue NOC keine eigene Bushaltestelle geplant sei. "Wir brauchen keine, weil ZOB und Josefskirche nur 180 und 250 Meter entfernt sind."

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Kommentare

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Stefan Kreuzeck

Ich glaube verkehrspolitisch ist Weiden noch in der autogerechten Vergangenheit verhaftet. Aufregen muss man sich da nicht mehr, es wird sich nichts ändern und an der Diskussion sieht man ja, dass man sich an Träumereien festhält.

Da würde man vom Freistaat Bayern neue Haltepunkte geschenkt bekommen und man hat nichts besseres zu tun als auf Nimbys (Not in my backyard-Leute) zu hören, weil das so schön populistisch ist.
Dabei hätte das viel bewegen können, da z. B. ein Halt auf Höhe Eisstadion/Thermenwelt für viele attraktiv sein hätte können, das beweisen viele andere Städte in dieser Größenordnung wo es mehrere Halte gibt.
Es fährt doch aus Wiesau z. B. keiner vom Bahnhof mit dem Bus zurück zur Thermenwelt, das ist doch total unattraktiv und dauert ewig.

Also weiter zuschauen wie es andere besser machen, da könnte man viel lernen und dazu muss man nicht in die Schweiz.

10.08.2018