05.09.2019 - 17:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Moderne Ansichten zum Tag des offenen Denkmals in Weiden und Umgebung

Das Kaufhaus von Witt Weiden ist ein Baudenkmal. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, gibt es erstmals eine öffentliche Führung. Auch 19 andere Bauwerke in der Stadt und im Landkreis Neustadt/WN sind zu besichtigen.

Ein gutes Beispiel für das Motto des diesjährigen Tag des offenen Denkmals "Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur" ist der Altbau der Firma Witt Weiden in der Schillerstraße 7 und 9. Der Bau entstand in den Jahren 1925-29 im Stil der neuen Sachlichkeit.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

"Das diesjährige Motto des Denkmaltag hat einfach gepasst", freut sich Jürgen Enderer von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Weiden. Dieses lautet "Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur" und lasse endlich einmal Spielraum für die Gebäude der Firma Witt. In der Schillerstraße 7, 9 und 12 entstanden zwischen 1925 und 1931 der mehrgeschossige Verwaltungsbau und das Kaufhaus in einem unverwechselbaren Baustil seiner Zeit. "Interessant ist vor allem, dass die Gebäude zunächst expressionistisch geplant waren, die späteren Architekten sich jedoch an den Elementen der neuen Sachlichkeit orientierten", sagt Enderer auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Der Bauhausstil sei unverkennbar. Klare, reduzierte Linien.

"Für Weiden waren die Bauten damals ein Paukenschlag. Das kannte man nur aus Großstädten", äußert sich der Bauexperte. Bewunderung schwingt mit, und Freude, dass die Witt-Gruppe eine Führung zum Denkmaltag möglich macht. Am Sonntag besteht auch die Möglichkeit eine kleine Ausstellung zu besichtigen. Sie zeigt unter anderem Pläne von den Entwürfen der Nürnberger Architekten Hans Lehr und Karl Leubert.

"Zum Tag des Denkmals müssen wir oftmals kreativ sein und auch mal querdenken", sagt Enderer. Nicht immer passe das Motto zu den bestehenden Objekten. Die Auswahl trifft die Denkmalbehörde selbst. Mancher Hausbesitzer mag aber nicht unbedingt fremde Menschen durch sein Anwesen führen. Enderer versteht das, findet es aber gleichzeitig schade. Denn am Denkmaltag sollten Bürger die Chance erhalten, hinter sonst verschlossene Türen zu blicken.

Das sei der Sinn dieses Tages, der heuer deutschlandweit zum 26. Mal stattfindet, sagt auch Johann Sax aus Pleystein. Er kümmert sich als Kreisheimatpfleger im östlichen Landkreis Neustadt vor allem um Bau- und Bodendenkmäler. Fachwissen bringt er als selbstständiger Architekt mit. Auch er würde sich zum Tag des offenen Denkmal manch spannenderes Objekt wünschen. nicht kur Kirchendenkmäler.

"Allein Pleystein zählt 56 Baudenkmäler und 23 Bodendenkmäler", sagt Sax. "Viele Einheimische wissen das gar nicht, welche Schätze vor der eigenen Haustür liegen." So sei zum Beispiel das Kreuzbergkloster ein Kleinod. Schön wäre es, wenn die Stadt als Eigentümer zumindest einen Teil der Anlage öffnen würde. "Das Interesse der Bürger ist da", weiß Sax, der auch im Stadtrat sitzt.

Doch die Bereitschaft, die eigenen Türen zu öffnen, habe leider abgenommen. Sax nimmt sich selbst da nicht aus, wohnt er doch in einem Baudenkmal am Marktplatz von Pleystein. Das Kellergewölbe ist 300 Jahre alt. Der Architekt mag alte Häuser. "Für andere ist es vielleicht a alt's Glump, für mich lebendige Geschichte."

Zoiglkultur live erleben

Windischeschenbach
Der denkmalgeschützte "Kopfbau" des Verwaltungsgebäudes von Witt Weiden in der Schillerstraße.
Im ehemaligen Gebäude der Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH (DEST) ist die Ausstellung „Strukturen der Vernichtung“ des Münchener Fotografen Rainer Viertlböck zu sehen. Von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Tag des offenen Denkmals 2019 (Stadt Weiden und Landkreis Neustadt/WN)

  • Altenstadt/Voh: Simultankirche St. Johannes Baptist: 1124 durch den Bischof Otto von Bamberg geweiht. Der Großteil der Bausubstanz ist romanischen Ursprungs. Am 15. März 1654 wurde das Simultaneum eingeführt. Programm: Führung um 14 Uhr (Heinrich Frischholz).
  • Etzenricht: Evangelische Nikolauskirche: Aus den Resten einer Burganlage erbaut, 14 Jh. Wehrkirche, mit Ringmauer und Burggraben. Simultankirche von 1663 bis 1932. Programm: 11 bis 18 Uhr geöffnet, Führungen: 14 Uhr (Kinder) und 15 Uhr mit Gertraud Klinger.
  • Flossenbürg: DEST-Gebäude, Wurmsteinweg 7: Das Gebäude wurde durch die Deutschen Erd- und Steinwerke GmbH (DEST) genutzt. Von hier aus steuerte man die Aufträge des Abbaus von Baumaterial im Steinbruch und beauftragte die zivilen Arbeiter sowie die Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager. Programm: 10 bis 17 Uhr geöffnet; Ausstellung „Strukturen der Vernichtung“ des Münchener Fotografen Rainer Viertlböck.
  • Flossenbürg: Gedenkstätte ehemaliges Konzentrationslager von 1938-45: 9 bis 17 Uhr geöffnet.
  • Freihung: Simultankirche Hl. Dreifaltigkeit mit sehenswerten Mariendarstellungen, 2018 renoviert. Programm: 11 bis 17 Uhr geöffnet, Führung um 14 Uhr, bei Bedarf um 16.30 Uhr (Pfarrer Bernhard Huber).
  • Georgenberg: Katholische Pfarrkirche Neukirchen St. Christoph: erbaut 1702-09, einfacher Hallenbau, doppelseitige Rosenmadonna aus der Spätgotik, Renaissance-, Spätbarock- und Rokoko-Elemente. Programm: 6.30 bis 19.30 Uhr geöffnet; Vortrag und Führungen (Albert Kick) um 10, 14.30 und 16 Uhr.
  • Grafenwöhr: Alte Amberger Straße: Der Feldweg verwandelte sich durch den Truppenübungsplatz ab 1910 zur Vergnügungs- und Geschäftsmeile. Programm: Führung 14 Uhr (Heimatverein), Thema: Amerikaner und internationales Flair (Treffpunkt am Brunnen beim Rathaus).
Die Alte Amberger Straße in Grafenwöhr hat sich seit dem Zuzug der Amerikaner verändert. Treffpunkt zu einer Führung um 14 Uhr am Rathaus.
    • Kohlberg: Nikolauskirche: Im 12. Jh. erbaut, im 30-jährigen Krieg zerstört und 1642 wieder aufgebaut. Zwischen 1652 und 1916 Simultaneum. Die Kirche ist eine Wehrkirche. Programm: 15 bis 17 Uhr geöffnet, Führung mit Pfarrer Martin Valeske.
    • Luhe: Historische Bierkeller auf dem Koppelberg. Programm: 16 bis 17.30 Uhr Besichtigung möglich. (Zugang über den Weg oberhalb des Luher Friedhofes.)
    • Mantel: St.-Moritz-Kirche: Erstmals 1508 urkundlich erwähnt. 1614 Verfall zur Ruine, 1737 als Wallfahrtskirche wieder aufgebaut. Aufwendige Rokoko-Ausstattung. Programm: 12 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen: 14 und 15.30 Uhr (Bernhard Weigl) zur Baugeschichte und der Restaurierung im Jahr 2000.
    • Moosbach: Schloss Burgtreswitz: Anlage aus dem 13. Jh., Sitz der Richter bzw. Pfleger seit Anfang des 14. Jh. 1634 Zerstörung, danach Wiederaufbau als Schloss. Programm: 14 Uhr Führung (Förderverein Schloss Burgtreswitz), Kaffee- und Kuchenecke.
    • Neustadt am Kulm: Evangelische Dreieinigkeitskirche: Ursprung war eine Klosterkirche aus dem 15. Jh; der Chorraum ist erhalten. Anfang 18. Jh. als barocke Markgrafenkirche neu errichtet. Programm: von 10 bis 17 Uhr geöffnet; Führungen: 11, 14 und 16 Uhr (Käthe Pühl).
    Die Dampflokomotive der Baureihe 50 steht Zur Centralwerkstätte 8a in Weiden und kann zwischen 10 und 15 Uhr besichtigt werden.
    • Parkstein: Landrichterschloss, Schlossgasse 5: 1762 erbaut, bis 1808 Sitz eines Landrichters. Später wurde es umgebaut zu einer Schule und Fleischerei. Heute ist es ein Vulkanmuseum. Programm: 10 bis 17 geöffnet. Führung: 14.30 Uhr (Heimatverein).
    • Speinshart: Haus der Dorfkultur, Klosterhof 23: Bindeglied zwischen Wieskapelle und dem historischen Osttor des Klosterdorfes. Programm: 14 bis 18 Uhr geöffnet; Führungen: 14, 15 und 16 Uhr (Architekt Georg Zunner und Bürgermeister Albert Nickl).
    • Thansüß: Simultankirche St. Katharina mit sehenswertem Altar. Programm: 11 bis 17 Uhr geöffnet; Führungen um 15 Uhr (Heinrich Müller).
    • Vohenstrauß: Evangelische Stadtpfarrkirche, Friedrichstr. 10: Urkundlich erwähnt seit 1417. Bis 1928 Simultankirche. Die Innenausstattung wurde nach dem Brand von 1839 im neuromanischen Stil umgestaltet. Programm: Führung zur Baugeschichte: 15 Uhr (Rudolf Großmann).
    • Vohenstrauß: Stadtpfarrkirche Mariä Unbefleckte Empfängnis, Marienplatz 1: Die neubarocke Kirche wurde 1927 vorwiegend aus Granitbruchsteinen erbaut. Programm: Führung 16 Uhr (Michaela Wolfinger).
    • Windischeschenbach/Neuhaus, Schafferhof: Erbaut um 1300 mit der Burg Neuhaus und bis 1515 im Besitz des Landgrafen Leuchtenberg. Seit 1799 in Privatbesitz. Programm: 10 bis 19 Uhr; Vortrag, Schmankerl und Zoigltradition; Führungen: 11, 14 und 16 Uhr (Reinhard Fütterer).
    • Weiden: Büro- und Fabrikgebäude der Firma Josef Witt, Schillerstraße 12: Fünfgeschossiger Kernbau mit Flachdach und Turmaufsatz mit Firmenemblem, im Stil der neuen Sachlichkeit, von Hans Lehr und Karl Leubert, 1930/31.
    • Weiden: Sogenannter Altbau der Firma Josef Witt, Schillerstraße 7 und 9: verputzter Massivbau mit zwei Ecktürmen, Lisenengliederung und figuraler Bauplastik in spätexpressionistischen Formen, von Hans Lehr und Karl Leubert, 1925-29. Programm: 10 Uhr Führung durch beide Gebäude (Kerstin Harms-Sudarma, Firma Witt; Jürgen Enderer, Untere Denkmalschutzbehörde); Treffpunkt: Eingang des Glasbaus (gegenüber Ring-Kino).
    • Weiden: Evangelische Stadtpfarrkirche St. Michael: 1415-48 als gotische Hallenkirche über den Fundamenten der 1396 abgebrannten frühgotischen Vorgängerkirche erbaut. Nach Einsturz des Turms 1759 erhielt sie ihre heutige spätbarocke Gestalt. 1653 bis 1900 Simultaneum. Programm: 12 bis 18 Uhr geöffnet; Führungen: 14 und 16 Uhr (Kirche/Turm, Christian Stahl, Anmeldung unter Telefon: 0170/2 31 69 56) sowie 15 Uhr (Familienführung, Evelyn Krähe, Anmeldung unter Telefon 0961/ 4 70 15 77).
    • Weiden: Dampflokomotive der Baureihe 50, Zur Centralwerkstätte 8 a; Programm: 10 bis 15 Uhr Besichtigung der Dampflok (Führerstand ist offen), Führungen nach Bedarf durch Helmut Ruhland, Wilhelm Moser und Christian Stahl.
    • Weiden: Internationales Keramik-Museum: Sonderausstellung „Hedwig Bollhagen und die HB-Werkstätten Marwitz“. Führung 15 Uhr mit Kurator Dr. Josef Straßer, München.

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