22.10.2018 - 19:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Möbel Kaspar in Weiden schließt

Noch wissen es nur die Stammkunden, die per Brief informiert wurden: Möbel Kaspar schließt. Der Grund dafür ist ebenso banal wie einleuchtend.

Die Zukunft von Möbel Kaspar (zweites Haus von rechts) ist ungewiss. Nur noch bis Ende des Jahres sollen die Ladentüren offen stehen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

(phs) "Es ist uns nicht gelungen einen Nachfolger zu finden", erklärt Inhaberin Heidimarie Kaspar-Lohse. Die beiden Kinder haben andere Berufe, die Chefin möchte irgendwann auch so etwas wie einen Ruhestand genießen. Das geschieht im Einzelhandel tausendfach, für die Einkaufsstadt Weiden bedeutet es aber den Verlust eines Traditionshauses, dessen Geschichte rund 100 Jahre zurückreicht.

Die erste Frage, die sich bei dieser Nachricht aufdrängt, ist die nach der Zukunft der markanten Immobilie in der Friedrich-Ebert-Straße. Laut Heidimarie Kaspar-Lohse steht ein Verkauf zurzeit nicht zur Debatte. "Noch ist alles offen, aber schön wäre wieder ein Einzelhandel. Es hat schon mal jemand aus der Branche und aus der Region Interesse gezeigt, der ist aber dann doch abgesprungen."

Nun könnte sich die Besitzerin ein Schulungszentrum oder ein Fitnessstudio in den oberen Räumen des dreigeschossigen Gebäudes vorstellen. Auch bei der OTH, bei der Stadt und beim benachbarten Kepler-Gymnasium habe sie angefragt. Eine zündende Idee hat jedoch keiner. "Auch über Studentenwohnungen habe ich früher mal nachgedacht. Der Umbau dafür ist aber teuer, und staatliche Fördermittel dafür waren ausgeschöpft."

Dazu kommt die schwierige Parkplatzsituation. Das macht es für mögliche andere Geschäfte nicht leicht. "Heute möchte es jeder ebenerdig haben", weiß Kaspar-Lohse. Samt der eigenen Schreinerei stehen 1200 Quadratmeter zur Verfügung.

Den Grundstein dafür legte 1954 Wilhelm Kaspar, der Sohn von Georg Kaspar, der 1921 eine Schreinerei in der Schulgasse 13 gründete. 1968 stieg Wilhelms Tochter Heidimarie als gelernte Schreinerin mit ein. Ihre ältere Schwester Renate Weber kümmert sich bis heute um die Buchhaltung. 1982 einigten sich die beiden darauf, dass Heidimarie allein als Geschäftsführerin weitermacht.

Die Möbelhaus-Chefin agierte ganz im Sinne der Gründer und ihrer Mutter Elisabeth: Hochwertige, handwerkliche Qualität, die nicht überall zu finden ist, etwa klassische italienische Stilmöbel sollten das Markenzeichen sein. Das hat zwar seinen Preis, aber auch seine Kunden. Kaspar entwickelte sich schnell zu einer exklusiven Adresse, der Pressspan-Discounter und andere Giganten wenig anhaben konnten.

"Ich will auch nicht alles aufs Internet schieben, aber das Käuferverhalten hat sich schon gewandelt", sagt Kaspar-Lohse. Jüngere Leute seien preisbewusster als früher, die Mieten teurer und das Freizeitverhalten ebenfalls kostenintensiv. Da bleibt nicht mehr so viel für die Einrichtung übrig. Dennoch: Aus wirtschaftlicher Not macht das in der vierten Generation geführte Haus nicht zu.

Die Chefin will mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen, der seit Längerem im Ruhestand ist. Sprachen lernen, Reisen, das geliebte Skifahren - all das kam bisweilen etwas zu kurz. Bis Ende des Jahres soll die Ausstellung geschlossen werden. Kaspar-Lohse will aber danach noch "mindestens ein, zwei Jahre" für die Kunden da sein. Sie möchte eine Agentur gründen, bei der sie nach einem Anruf Nachbestellungen bei Firmen oder Ersatzteile vermittelt.

Kommentar:

Angemerkt: Schöner wohnen

In den Fünfziger Jahren lag Möbel Kaspar in der Friedrich-Ebert-Straße vor den Toren der Stadt. Heute ist das Haus mittendrin. Dennoch dürfte die Nachfolgenutzung schwer werden. Was dem Metzger und Bäcker der Discounter ist, ist dem inhabergeführten Möbelhaus die Konkurrenz durch Konzerne. Kaspar schlägt sich in diesem Umfeld bis heute wacker.
Nun tut sich trotzdem eine Lücke auf. Etliche Markenmöbel und Accessoires aus dem Sortiment, die man in den Ausstellungsräumen anfassen, probesitzen, hochheben konnte, gibt es künftig nur in der nächstgrößeren Stadt oder in den Weiten des Internets.
Wie das zu ändern ist. weiß keiner. Vielleicht dadurch, dass Weiden als Einzelhandelsstandort attraktiver wird, weil andere Städte unbezahlbar werden: Klammer auf bei Regensburg und Klammer zu bei München. Wer sich eine Doppelhaushälfte leisten kann, wo es andernorts dafür nur Zwei-Zimmer-Küche-Bad gibt, könnte auch bereit sein, sein Domizil nicht nur mit schwedischen Möbeln zu verschönern.

Friedrich Peterhans

Heidimarie Kaspar-Lohse will nach stolzen 50 Jahren in der Firma kürzertreten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.