29.08.2021 - 10:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Auf dem Mofa durch die Fränkische Schweiz

Einmal die große Freiheit spüren: Der Weidener Peter Braunreiter und sein Bruder Thomas fahren mit ihren Mofas 300 Kilometer querfeldein durch Bayern und machen dabei auch erstaunliche Bekanntschaften.

Vespa-Lederjacke und Shorts. Die beiden Mofa-Rocker Peter (rechts) und Thomas Braunreiter auf ihrer Fahrt durch die Fränkische Schweiz.
von Helmut KunzProfil

Die Kerzen auf der Torte ausgepustet, die Zündapp durchgestartet und Vollgas gegeben. Jetzt oder nie, dachte sich Peter Braunreiter an seinem 55. Geburtstag. "Born to be Wild". Ein Hauch von "Easy Rider". Peter, Einkaufsleiter bei der Firma Witt, wollte die große Freiheit erleben. So wie Peter Fonda und Dennis Hopper weiland im berühmten Road-Movie. In abgespeckter Form natürlich: Nicht mit der Harley, sondern mit dem Mofa. 1,5 PS sollten fürs Erste genügen. Monatelang hat Peter seiner Ehefrau Petra mit seiner Idee in den Ohren gelegen.

300 Kilometer in zwei Tagen

Inspiriert hat Peter dazu der Kinofilm „25 km/h“ von Markus Goller. Zwei Brüder trafen sich in dem Streifen nach 30 Jahren wieder und machten sich mit zwei Uralt-Mofas auf zu einer gemeinsamen Tour durch Deutschland. Bei Peter Braunreiter und seinem Bruder Thomas, der inzwischen in Bad Kötzting wohnt, sollte es "nur" die Fränkische Schweiz sein. Zwei Tage und 300 Kilometer lang auf der Suche nach dem großen Abenteuer. Ohne Landkarte, ohne Navi. Aber mit Handy. „Meine 40-Jahre-Zweitakt-Jubiläumstour", sagt er.

Als 15-Jähriger hatte Peter sein erstes Mofa bekommen: eine Zündapp, goldmetallic, aus zweiter Hand von der Schwester. Mit der sei er dann täglich vom Hammerweg zum Augustinus-Gymnasium "motort". Natürlich hatte das Gefährt auch auf die Mädels Eindruck gemacht. Mofas hätten damals rund 700 Mark gekostet, erinnert sich Peter. Gebrauchte habe man schon für 150 Mark bekommen. Das Original ist längst verschrottet. "Aber ich habe mir das gleiche Modell noch einmal gekauft." Freiverkäuflich gebe es Mofas heute ja gar nicht mehr. Der Bruder habe sich dasselbe Modell, nur in einer anderen Farbe, zugelegt. Sein erstes Mofa fuhr er nur zwei Jahre lang. Dann stieg er um auf einen Roller, später aufs Motorrad. "Eine Vespa fahr ich heute noch."

Natürlich mit Fuchsschwanz

Gestartet wurde am 6. August in Weiden mit kurzem Zwischenstopp in Weiherhammer. Erstes Ziel war der Biker-Treff "Kathi Bräu" in Heckenhof-Aufseß. In unmittelbarer Nähe wurde auch übernachtet. Am nächsten Tag ging es schwer beladen kreuz und quer durch die Gegend. Bergauf, bergab mit Steigungen von bis zu 25 Prozent. Immer den Fuchsschwanz am Lenker. "Wir mussten auch schieben und hatten einen Motordefekt aufgrund von Überhitzung", erzählt der 55-Jährige.

Nur gut, dass Auto- und Quadverkäufer Thomas ein Mann vom Fach ist, und dass er immer ein Ass im Ärmel hat. "Die Zündung war kaputt. Mein Bruder hat den Schaden mit Nagelfeile und Spielkarte behoben. Mit Hilfe der Dicke der Karte konnte man die Zündung wieder genau justieren." Reparaturtricks noch aus der Schülerzeit.

Das Tolle an der Tour: "Man wurde immer wieder in Gespräche verwickelt. Jeder, der so in unserem Alter war, hat von seinen eigenen Mofa-Erlebnissen erzählt." Das Brüderpaar sei trotz oder gerade wegen ihrer Mofas auch von echten Bikern akzeptiert worden.

Daumen hoch

"Vor der Basilika in Gößweinstein kam ein Diakon auf uns zu und hat uns von seinem Mofa erzählt, das er früher besaß. Der hat uns gleich das Du angeboten und wir haben uns stundenlang über alte Mofa-Geschichten unterhalten." Solche Zufälligkeiten seien den beiden öfter untergekommen. "Vor allem immer dann, wenn Leute zwischen 50 und 60 auftauchten." Auch die Reaktion von Passanten am Straßenrand habe die beiden tief beeindruckt. "Oft hielten sie zustimmend den Daumen hoch. Einmal wollten uns Motorradfahrer überholen, haben dann spontan abgebremst und sind eine Zeitlang hinter uns hergefahren."

Auch wenn der Road-Trip nur zwei Tage dauerte: "Für uns war das eine ganz große Geschichte." Die Tour habe beide nachhaltig geprägt. Peter und sein Bruder Thomas wollen die Rundfahrt jetzt sogar noch etwas ausbauen. "Wir wollen versuchen, das Ganze zu wiederholen." Vielleicht in Form eines jährlich stattfindenden Mofa-Ausflugs. An dieser Challenge dürften sich dann gerne auch Gleichgesinnte beteiligen.

Immer ein Ass im Ärmel. Der Schaden an der Zündung wurde mit Nagelfeile und Spielkarte behoben.

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