22.08.2021 - 14:24 Uhr
WaidhausOberpfalz

Waidhauser (62) erfüllt sich Traum: 800-Kilometer-Radtour nach Kroatien

Die Pandemie holt einen Gedanken aus dem Hinterkopf nach vorn. Bald darauf steigt ein Waidhauser aufs Rad. Sein Ziel: das kroatische Vrsar. Eine Erkenntnis: Überall gibt es bessere Radwege als in Deutschland.

Die Trasse bei Koper in Slowenien: Die Radwege zwischen Waidhaus und Vrsar sind überall besser ausgebaut als in Deutschland, stellt Helmut Seibicke fest.
von Gabi EichlProfil

Sportlich ist der 62-jährige Helmut Seibicke, seit er denken kann. Aber das Rad war nie sein bevorzugtes Sportgerät. Fußball ist seine Leidenschaft. Vor kurzem hat er noch aktiv für die Waidhauser Alten Herren gespielt. Als ein Bekannter ihm von einer Radtour nach Venedig erzählt, setzt sich auch bei ihm der Gedanke fest, irgendwann einmal auf diese Weise Länder zu erkunden, aber auch sich selbst zu beweisen. Es bleibt lange bei dem Gedanken. Bis Corona ausbricht.

Als im ersten Lockdown nichts mehr geht, fängt Seibicke mit dem Radfahren an, denkt immer öfter an eine Radtour, wie der Bekannte sie unternommen hat. Das Ziel steht schnell fest. Vrsar kennt er von früheren Urlauben. Seine Frau Marina weiß, dass sie ihm diesen Traum nicht ausreden darf, aber sie gibt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien unumwunden zu, dass sie von Anfang an Angst hat. Ihr Mann hat sich immerhin eine 800 Kilometer lange Reise in den Kopf gesetzt – allein, auf dem Fahrrad. Er aber ist sich sicher, wenn sein Bekannter bis nach Venedig gekommen ist, „schaff´ ich das auch“.

Erste Touren entfachen Ehrgeiz

Seibicke bereitet sich vor, indem er Radtouren in die nähere Umgebung unternimmt. Die erste Fahrt mit seinem nicht mehr ganz jungen Mountainbike von Waidhaus nach Vohenstrauß bringt ihn schon ins Schwitzen, aber statt an dem Punkt zu sagen: „Das hat doch überhaupt keinen Sinn“, stachelt es seinen Ehrgeiz an. Die Touren werden länger, die Kondition besser.

Und dann ist der Tag da, an dem er sich fit genug fühlt, um aufzubrechen. Nun könnte man denken, er habe die Fahrt akribisch geplant, Etappen und Tagesziele ausgearbeitet, Gepäck und Unterkunftsmöglichkeiten recherchiert. Nichts dergleichen. Seibicke hat sich nur ein gebrauchtes Trekkingrad für nicht einmal 200 Euro gekauft, da ein solches sich leichter als ein Mountainbike auf der Straße fährt. An ein E-Bike hat er nicht einmal gedacht, wie er sagt, ein solches komme ihm nicht ins Haus, solange er noch ohne Hilfsmotor treten könne: „Ich will Fahrrad fahren, nicht Moped."

Er schnallt eine kleine Lenkertasche aufs Rad und zwei Satteltaschen hinten, dazu einen Rucksack - und fährt los. Lediglich ein paar Apps auf seinem Smartphone nimmt er zu Hilfe, um sich zu orientieren. Und er stellt schnell fest, dass diese in Deutschland mehrfach versagen, ihn ein paar Mal anstrengende Umwege kosten.

Sieben Tage für 800 Kilometer

Am 31. Juli kurz vor acht Uhr morgens verabschiedet er sich von seiner Frau. Sieben Tage später, am 7. August, ist er in Vrsar. Er sei einfach losgefahren, sagt er. Und seine Frau bestätigt das. Richtung Süden, das heißt Cham, Straubing, Bad Reichenhall. Schon in Cham lotst ihn eine bekannte Fahrrad-App falsch. Ärgerlich, denn derlei strapaziert die Kraftreserven ganz unnötig. Aber die eigentliche Herausforderung ist eine ganz andere: der Großglockner. Und der soll sich als regelrecht hinterfotzig erweisen.

Beim Hinaufradeln auf die österreichische Majestät, den schwarzen Berg, ist sich Seibicke keineswegs zu schade, hin und wieder abzusteigen und zu schieben, wenn es zu steil wird. Als er sich am höchsten Punkt wähnt, von dem aus es nur noch bergab gehen könne, stellt er fest, dass er noch weitere zwei Mal hinauf muss, ehe es endlich dauerhaft nach unten geht. Dann aber kommen lange Tourenabschnitte, auf denen er sein Rad rollen lassen kann.

Verfahren nur in Deutschland

Als er Österreich hinter sich lässt, streift er Italien über Udine und Triest und radelt über Slowenien nach Vrsar in Kroatien. Nachdem er Deutschland verlassen hat, muss Seibicke feststellen, dass seine Apps zuverlässiger werden und dass die Radwege weitaus komfortabler ausgebaut sind als zu Hause. Und auch die Beschilderung erweist sich außerhalb Deutschlands als erheblich besser. Verfahren hat er sich, wie er sagt, nur in Deutschland.

Er übernachtet auf seiner Tour überwiegend in Pensionen, die Seibicke sich vor Ort sucht, einige wenige Male im Zelt. Vor schweren Regengüssen bleibt er nicht verschont, darauf hat er sich aber vorbereitet. Gesehen und gehört hat er eigenem Bekunden nach so viel von Land und Leuten wie noch nie bei Urlaubsreisen. Spontane Gespräche mit Fremden, Staunen über die Natur, all das habe die Beschwernisse mehr als wett gemacht, sagt er.

In Vrsar ruht sich der Radler nach der langen Tour aus, genießt ein paar Tage („Länger wäre mir zu langweilig geworden“) Sonne und Meer und tritt am 12. August die Heimreise an – per Bus und Bahn. Die nächste große Tour hat sich schon wieder im Hinterkopf breit gemacht...

Eine Oberpfälzer Bäcker-Legende erinnert sich

Pressath

„Ich will Fahrrad fahren, nicht Moped."

Helmut Seibicke über E-Bikes

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.