05.02.2020 - 13:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Musterbeispiel für den Girls' Day

Frauen in gewerblich-technischen Berufen sind nach wie vor eine kleine Minderheit. Der jährliche Girls' Day versucht dies seit Jahren zu ändern.

Am Schaltschrank fühlt sich die angehende Elektronikerin Lucy Schwindl (Dritte von links) besonders wohl. Mit dabei (von links) EEAtec-Ausbildungsleiter Johannes Plößl, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Weiden Monika Langner und die Beauftragte für Chancengleichheit der Arbeitsagentur Weiden Karin Hartung.
von Siegfried BühnerProfil

Am Donnerstag, 26. März, findet in diesem Jahr der Girls' Day statt. Hunderte von Schülerinnen verbringen diesen Tag in Betrieben der Region und lernen dort gewerblich-technische Berufe genau kennen. „Es lohnt sich für Mädchen immer mehr, einen anderen als einen traditionellen Frauenberufe zu wählen“, sagt Karin Hartung, Beauftragte für Chancengleichheit bei der Agentur für Arbeit Weiden. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen vom Bündnis für Familie, Monika Langner von der Stadt Weiden und Tamara Prause vom Landkreis Neustadt sowie Christina Schönberger vom Jobcenter Weiden-Neustadt, organisiert Hartung den diesjährigen Girls' Day. Und sie kündigt an: „Wir wollen in diesem Jahr im Vorfeld des 26. März mit einem ganz besonderen Beispiel zeigen, wie attraktiv die Ausbildung in einem gewerblich-technischen Beruf für Mädchen ist.“

Beim Weidener Handwerksbetrieb "EEAtec" sind die Organisatorinnen des diesjährigen Girls' Day fündig geworden. Lucy Schwindl lernt dort im zweiten Ausbildungsjahr den Beruf einer Elektronikerin für Energie- und Gebäudetechnik. Derzeit lernt die Auszubildende auf einer Großbaustelle innerhalb des Truppenübungsplatzes in Grafenwöhr. Die Waschräume der gesamten Wohnunterkunftsanlage für Tausende von Soldaten erhalten eine neue Sicherheitselektronik. Zwei der Organisatorinnen des Girls´Day, Hartung und Langner, besuchten die Auszubildende auf ihrer Einsatz-Baustelle. Mit dabei auch EEAtec-Ausbildungsleiter Johannes Plößl. „Wir sind mit Lucy sehr zufrieden. Sie hat gute Schulnoten, ist fleißig in der Arbeit und zeigt Verständnis für Technik“, lobt der Ausbildungsleiter. Und er hebt auch ihre „innere Verbundenheit mit der Ausbildung“ besonders hervor. Am Anfang habe er sich schon gefragt: „Wie gehen die Männer mit dem Moidl um?“ Doch alles sei bestens verlaufen.

Hervorragend seien auch die Übernahmeaussichten in diesem Mangelberuf. „Meine Freundinnen finden es cool, dass ich dies mache“, sagt Lucy. Die meisten von ihnen würden einen Verkaufsberuf lernen. Und sie fühle sich auch sehr wohl unter den vielen männlichen Kollegen. Wichtig sei für sie auch das sehr angenehme Arbeitsklima im Betrieb. Es sei jedoch ein langer Weg gewesen, der zu ihrer heutigen Ausbildung geführt habe. Berufsvorbereitungsjahr, Praktika in Verkauf, Pflege, Kindergarten zählen dazu. Mehr als ein Jahr hat das alles gedauert. Doch zufrieden war die junge Frau mit Mittelschulabschluss dabei nie. „Ich wollte etwas mit den Händen machen“, erzählt sie. Aus eigenem Antrieb habe sie sich bei vier Elektrotechnik-Betrieben beworben und „da kam der Anruf von EEAtec“.

Wohnortnah kann die Pressatherin die Berufsschule in Grafenwöhr besuchen. Dort ist Lucy die einzige Frau in ihrer Klasse. „Ein wenig körperliche Arbeit gibt es schon, aber über das Tragen einer vollen Kabeltrommel oder eines leeren Schaltschranks geht das nicht hinaus.“ Und die Hände mache man sich kaum schmutzig, stellt Lucy fest und zeigt ihre sauberen Hände. Noch können sich Schülerinnen für den Girls' Day anmelden, wenn sie sich einen Eindruck verschaffen wollen, wie für Lucy der Arbeitsalltag aussieht oder auch einen anderen gewerbliche-technischen Beruf erleben wollen. Auch für Betriebe ist die Meldeliste für die Teilnahme am Girls' Day noch nicht geschlossen.

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