Weiden in der Oberpfalz
04.10.2018 - 11:38 Uhr

"Nackert san mer net"

Auf Facebook und Youtube schreitet er mit seinem "Mia ned"-Protestsong gegen das Wahlprogramm der AfD durch die Landeshauptstadt. Und auf der Max-Reger-Bühne? Da zeigt Roland Hefter von "3 Männer mit Gitarre" dem Publikum die lange Nase.

Eine Mähne auf dem Kopf an der man sich verschlucken kann. Der Keller Steff im Einsatz. Bild: Kunz
Eine Mähne auf dem Kopf an der man sich verschlucken kann. Der Keller Steff im Einsatz.

Auf Facebook und Youtube schreitet er momentan mit seinem "Mia ned"-Protestsong gegen das Wahlprogramm der AfD an der Spitze einer "Künstler mit Herz"-Fraktion durch die Landeshauptstadt. Und auf der Max-Reger-Bühne? Da zeigt Roland Hefter von "3 Männer mit Gitarre" dem Publikum am Dienstagabend die lange Nase: Ätsch! "Seid's enttäuscht, weil mir nackert auf'm Plakat abgebildet sind!" Und wirklich. Geworben haben Michi Dietmayr, der Keller Steff und er, Roland Hefter, an den Litfaßsäulen schon mit recht viel Haut hinter ihren Klampfen. Und jetzt? Drei Protagonisten der bayerischen Liedermacher- und Kabarettszene in dunklen Jeans und "Oana muass ja macha"-T-Shirts. Echt nackert schaut anders aus. Aber: "Des werd scho nu. Zumindest war's früher so."

Es geht gesellschaftskritisch zu und grob-komisch, beim Weidener Konzert des Bajuwaren-Trios. Die oft gefährlich ohrgängigen Liedtexte sind mit spitzem Bleistift geschrieben. In "Schlimmer geht's nimmer" besingt der Barde Selbstmitleid. Ein Allerweltsproblem, das er bissig kommentiert: Man solle doch mal nach Afrika reisen, dort das Wasser trinken. Nach einem solchen Durchfall freue sich jeder, wenn er in Bayern sein Wasser wieder direkt aus dem Hahn trinken könne. "Nachhaltigkeit" nennt er das. Wieder was dazu gelernt.

Vor der Pause treten die Musiker als Solisten auf. Sie geben sich als kleinbürgerlich, säuerlich, schlüpfrig, aber ehrlich. Das Publikum schmunzelt, lacht, klatscht, singt mit. Hefter, der wohl einzige Musiker, der in seinen Konzerten Fußmatten verkauft, preist vor dem seinem Abgang Türvorleger an. Aufschrift ist der Song-Titel: "As Leben is eh scho schwer, und jetzt kimmst Du daher". Als zweiter tritt Michi Dietmayr auf den Plan mit seinem "nicht erotisierenden" Liebeslied in Ost-Dur über eine sächselnde Liebesnacht in "Leibsch". Es folgt der Problem-Song "Mamis beim Fußball". Dann kommt der Keller Steff und setzt gleich zu Beginn auf knisternder Erotik, mimisch und mit viel Gestik. Wo sein Platz im Leben sei, das wisse er, seit er von daheim ausgezogen sei um Musiker zu werden: "Bua, es gibt nur Deppen und Indianer - und du hast koa Zelt." Er schüttelt die Mähne und verschluckt sich beinahe am eigenen Haar. Nicht dass am nächsten Tag in der Zeitung steht, hat er sofort spontan parat: "Keller Steff verendet an der eigenen Frisur. Aber schee war's."

"Schee" war es wirklich. Ordinär manchmal, gelegentlich gemein. Nach der Pause treten die Drei gemeinsam auf. Auftakt zur großen Hit-Runde: "I hob koa Bier mehr", "Urlaub auf der Wiesn". Sie besingen die Wirklichkeit mit feinen Wortgespinsten. Ein runder und harmonischer Chorgesang, der sich, egal ob mit Gitarren, Bluesharp oder Trompete, wunderbar anhört und sich zu einem kraftvollen Ganzen verbindet.

Nicht nackt, aber vor allem mit Gitarre. Roland Heftner (Mitte) spielt auch mal Trompete. Mit seinen Bandmitgliedern Keller Steff (rechts) und Michi Dietmayr begeistert er das Publikum. Bild: Kunz
Nicht nackt, aber vor allem mit Gitarre. Roland Heftner (Mitte) spielt auch mal Trompete. Mit seinen Bandmitgliedern Keller Steff (rechts) und Michi Dietmayr begeistert er das Publikum.
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