07.11.2021 - 12:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Natur Pur": Das sind die Finalisten bei der Wahl zum "Vogel des Jahres"

Fünf Vögel haben es in die Finalrunde bei der Wahl zum "Vogel des Jahres" geschafft. Doch was zeichnet die Arten aus? Und Welcher Vogel ist der Favorit von Experte Wolfgang Winter?

Einer der fünf Anwärter für den Titel "Vogel des Jahres": der Wiedehopf.
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Von Wolfgang Winter

Gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ruft der Landebund für Vogelschutz in Bayern zur zweiten öffentlichen Wahl des Jahresvogels für das kommende Jahr 2022 auf.

Noch etwa zwei Wochen, bis zum 18. November, sind fünf Kandidaten im Rennen. Neben Wiedehopf und Steinschmätzer, kann für Mehlschwalbe, Blut-Hänfling und Feldsperling abgestimmt werden. Bayernweit haben bisher rund 14.000 Naturfreunde ihre Stimme für einen der bunten Vertreter der heimischen Vogelwelt abgegeben. Der virtuelle Wahlzettel ist auf www.vogeldesjahres.de zu finden. Jede Art steht für ein spezielles Naturschutz-Thema.

Der Steinschmätzer

Mit dem Slogan "Mut zur Brache" geht der Steinschmätzer auf Stimmenfang. Der spatzengroße Vogel kommt in den Gebirgen Europas und Asiens vor, wo die Landschaft offen und „steinreich“ ist, Brachflächen mit wenig Gehölz und offenen Bodenstrukturen sind für ihn das ideale Zuhause. Damit kommen für ihn sowohl alpine Matten als auch Dünen an den Küsten, Tagebaugebiete und Truppenübungsplätze als Lebensraum in Frage. In der Oberpfalz wird man die Art kaum als Brutvogel antreffen, in den Zugzeiten, also früh im Jahr und ab August, sind gelegentlich ziehende Steinschmätzer einzeln oder in kleinen Trupps zu sehen.

Der Wiedehopf

Der sagenhafte Wiedehopf, der vor Jahrtausenden dem König Salomon Botschaften von der Königin von Saba überbracht haben soll, wirbt heute mit der Forderung "Gift ist keine Lösung" um die Wahl zum Vogel des Jahres. Der drossel-große Vogel ist mit seiner Federhaube und dem kontrastreichen Gefieder kaum zu verwechseln. Sein Lebensraum sind ausgedehnte Obstgärten, sandige Offenlandschaften, extensiv bewirtschaftete Weinberge und Heiden. Wichtig, ist dabei reichhaltiges Vorkommen von großen Insekten. Gifteinsatz und Intensivierung der Landnutzung setzen der Art schwer zu. In Bayern wird der Bestand auf kaum zehn Brutpaare geschätzt.

Der Bluthänfling

"Mehr Hecken zum Verstecken" steht auf den Plakaten des Bluthänflings. Das kleine Vögelchen mit dem markanten Gesang ist in Siedlungen mit strukturreichen Gärten und in Feldfluren nicht häufig aber doch verbreitet, sowohl Siedlungs- wie auch Waldränder bis in die Latschenzone der Gebirge bieten ihm Brutplätze. In der Oberpfalz kann man ihn vielerorts als regelmäßigen Brutvogel beobachten. Der Name rührt von der roten Farbe auf Brust und Kopf des Männchens und dem Hanf, dessen Samenkörner gerne als Nahrung angenommen werden. Die Hauptnahrung der Arten sind Pflanzensamen verschiedener Wildkräuter, weshalb ihr die Intensivierung der Landnutzung und vor allem das restlose Mähen und Mulchen von Säumen, Graben- und Wegrändern schwer zu schaffen macht.

Die Mehlschwalbe

Das Wahlkampf-Motto für die Mehlschwalbe ist "Mieterschutz für Vögel". Insektenreiche Landschaften, gerne auch der Luftraum über großen Gewässern, werden zur Jagd auf Flug-Insekten aufgesucht. Gebrütet wird ausschließlich in Siedlungen: ein geschlossenes Hablkugel-Nest aus Lehm-Speichel-Gemisch wird an die Außenwände von Gebäuden geklebt. Demnach sind der dramatische Rückgang von Insekten und das Fehlen von Pfützen auf Feldwegen und in Gärten die größten Probleme dieser Schwalben-Art. Mehlschwalben nehmen gerne künstliche Nester an, die im Fachhandel zu erwerben sind. Häufig wäre aber die beste Unterstützung, vorhandene Nester nicht herunterzuschlagen und weitere zuzulassen. Ein einfaches Brettchen unter einer Nest-Reihe am Dachvorsprung verhindert die Verschmutzung der Hauswand.

Der Feld-Sperling

Der Feld-Sperling als fünfter Kandidat weist mit "ohne Gehölz – ohne mich" auf eines seiner drängendsten Probleme hin. Brutstätte sind alte Bäume mit vielen Höhlen. Nistkästen werden gerne angenommen und auch Spalten und Nischen unter Dächern und Fassaden-Verkleidungen. Neben geeigneten Brutplätzen braucht dieser nahe Verwandte des Spatzes ein reiches Angebot an Insekten für die Aufzucht der Brut und verschiedene Sämereien von Kräutern und Stauden als Ganzjahres-Nahrung. Dieses abwechslungsreiche Nahrungsangebot ist unerlässlich und leider durch Gift-Einsatz und „Sauberhalten“ von Gärten und Landschaft selten geworden.

Mehr Informationen zu den fünf „gefiederten Kandidaten“, ihren Lebensräumen, Erkennungsmerkmalen und Aufnahmen der Rufe und Gesänge sind auf den Ratgeber-Seiten des LBV (www.lbv.de/ratgeber/naturwissen) zu finden.

Der Experten-Favorit

Favorit von Experte Wolfgang Winter ist der Feldsperling. "Gar nicht so selten und doch oft verkannt, weil die Verwechslung mit dem Haussperling nahe liegt, ist er ein guter Einstieg, in die Vogelbeobachtung." Häufig könne man ihn einfach aus dem Fenster am Futterhäuschen oder in Staudenbeeten im Garten beobachten. Anders als beim Haussperling (Spatz) sehen beim Feldsperling Männchen und Weibchen gleich aus: Beide haben eine schoko-braune Kappe auf dem Kopf und einen dunklen Fleck an der Backe. Dadurch sind sie deutlich von Spatzen zu unterscheiden.

Im vergangenen Jahr war die Wahl auf das Rotkehlchen gefallen, mit dem in 2021 als vorderstem Vertreter von Deutschlands Vögeln Naturschutz-Themen in die Öffentlichkeit getragen wurden.

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Einer der fünf Anwärter für den Titel "Vogel des Jahres 2022": die Mehlschwalbe.
Hintergrund:

"Vogel des Jahres"

  • Seit 1971 küren der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) den Vogel des Jahres.
  • 2021: Rotkehlchen
  • 2020: Turteltaube
  • 2019: Feldlerche
  • 2018: Star
  • 2010: Kormoran
  • 2005: Uhu
  • 2000: Rotmilan
  • 1971: Wanderfalke

 

 

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