12.02.2020 - 11:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Naturgräber auf dem Waldfriedhof: Stadtverwaltung arbeitet an Konzept

Schwarz auf weiß gibt es den Naturfriedhof schon: in der neuen Satzung der Stadt. Und auch der Standort im Grünen ist bereits ausgespäht. Trotzdem bleibt unklar, wann in Weiden erstmals eine Urne an Baumwurzeln bestattet wird.

Im nördlichen Bereich des Waldfriedhofs will die Stadt einen Naturfriedhof schaffen. Dort können Urnen dann an den Wurzeln eines Baumes bestattet werden.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Offenbar pressierte nichts. Gerade mal zwei Bürger hätten wegen des Projekts im Rathaus nachgefragt, informiert Stadtsprecherin Roswitha Ruidisch. Und so war der Fortgang der Arbeiten am "Naturfriedhof" vor allem von einem geprägt: viel Ruhe. Jetzt, nach zweijähriger Vorbereitung, kommt langsam Bewegung in die Sache. Die Bestattungsform ist in der neuen Friedhofssatzung verankert, die ab März durch die Stadtratsgremien geht. Derzeit laufen konkrete Planungen, einen Bereich des Waldfriedhofs als Naturfriedhof zu gestalten (Paragraf 1 Absatz 2: „Ein Teilbereich des Waldfriedhofs ist ein Naturfriedhof…“).

Immer mehr Kommunen in Bayern bieten ihren Bürgern die alternative Form der Bestattung an: An den Wurzeln eines Baumes wird eine biologisch abbaubare Urne beigesetzt, welche die Asche des Verstorbenen enthält. Eine Reihe von privaten Anbietern betreibt "Fried-" oder "Ruhewälder" – beides sind denn auch geschützte Markennamen. Bei Kommunen hat sich der Begriff "Naturfriedhof" durchgesetzt. Nach einer Übersicht des bayerischen Innenministeriums, die allerdings zwei Jahre alt ist, haben rund 170 Städte und Gemeinden Bereiche für Baumbestattungen auf bestehenden Gottesäckern eingerichtet.

Zu Amberg und Regensburg, den bisherigen zwei kommunalen Naturfriedhöfen in der Oberpfalz, gesellen sich bald zumindest zwei weitere: Eschenbach – und eben Weiden. Wegen der Gestaltungsplanungen stimme sich die Bauverwaltung derzeit mit Stadtgärtnerei, Förster und Friedhofsverwaltung ab, teilt Weidens Stadtsprecher Norbert Schmieglitz mit. "Im Rahmen dieser Planungen wird entschieden, wie viele Urnenerdgräber dort möglich sein werden und wie hoch die Kosten für eine solche Grabstelle sowie die Beisetzung sein werden." In einer früheren Auskunft verortete Sprecherin Ruidisch die Kosten "etwa in Höhe einer Urnenbeisetzung" (rund 130 Euro Bestattungskosten, etwa 470 Euro für 15-jähriges Nutzungsrecht).

Für den Naturfriedhof ist laut Schmieglitz ein etwa ein Hektar großer Bereich im Nordwesten des Waldfriedhofs vorgesehen, der dicht bewaldet und bisher ungenutzt ist. In unmittelbarer Nähe zu den Urnenwänden ist laut Schmieglitz – "bereits demnächst" – eine Reihe weiterer Bestattungsarten möglich. So können sich Bürger nicht nur anonym, sondern auch "teilanonym" beisetzen lassen. Dabei "wird nicht die Grabstelle selbst mit dem Namen des Verstorbenen gekennzeichnet, sondern der Name wird auf einem Täfelchen an einer Art Erinnerungswand angebracht", erklärt der Stadtsprecher. Ferner soll es Urnenerdbestattung ohne Grabstein, sondern nur mit Bodenplatte (mit den Daten des Verstorbenen) geben. Bei diesen Grabstellen ist eine Bepflanzung oder Gestaltung durch Steine, Kerzen oder Blumen nicht möglich.

Die Gebühren für diese Bestattungsarten arbeitet die Verwaltung in die Satzung ein. Diese Änderungssatzung ist derzeit in Bearbeitung und wird im März dem Finanzausschuss vorgelegt. Danach entscheidet der Stadtrat. Wann genau Beisetzungen im Naturfriedhof möglich sind, steht jedoch weiter in den Sternen. Das Projekt, so teilt Schmieglitz auf Nachfrage mit, befinde sich "noch in der Konzeption inklusive Zeitplan". Etwas weiter scheint hier die Stadt Eschenbach zu sein – allerdings plant sie ihren Naturfriedhof mit zentralem Versammlungsplatz auch schon fünf Jahre länger. Wie Bürgermeister Peter Lehr vor einigen Tagen informierte, liegt inzwischen ein rechtskräftiger Bebauungsplan für das Areal beim Waldfriedhof vor. Erste Bäume seien bereits gefällt. Nutzungsordnung sowie Gebühren- und Nutzungssatzung müssen noch erstellt werden.

Die Stadt Eschenbach plant im ersten von drei Bauabschnitten 200 Beisetzungsstellen unter den bis zu 100 Jahre alten Eichen. Auf dem Friedhof sind keine Gebäude vorgesehen, jedoch ein 1,20 Meter hohen Holzzaun mit Zugang und einer Pflegezufahrt. Auf der Versammlungsfläche stehen laut Plan des Architekten Kreuz, Ambo und Holzbänke. Anstelle von Grabsteinen sollen Stahlstäbe mit Namensschild an die Verstorbenen erinnern.

Konzept "Naturfriedhof":

Letzte Ruhestätte an Wurzeln

Das Konzept "Naturfriedhof" ist im Grunde bei jedem Anbieter gleich: Bereits zu Lebzeiten suchen sich Bürger auf dem Areal einen Baum aus, an dessen Wurzeln sie ihre letzte Ruhestätte finden wollen. Dort wird eine biologisch abbaubare Urne mit ihrer Asche beigesetzt.

Im „Naturfriedhof Schlosswald“ bei Nittenau zum Beispiel stehen Einzel-, Paar-, Familien oder Gemeinschaftsgrabstätten zur Auswahl. Für eine Nutzungsdauer von 30 Jahren kostet die günstigste Einzelgrabstelle 1170 Euro. Einen „Familien- und Freundschaftsbaum“ gibt es ab 4170 Euro. Hinzu kommen in jedem Fall Beisetzungskosten ab 535 Euro. Zum Vergleich: Ein Grab erster Ordnung auf dem Weidener Stadtfriedhof kostet im selben Zeitraum 2084 Euro (plus Beerdigungskosten von 664 Euro).

Laut Übersicht des bayerischen Innenministeriums (Stand: Januar 2017) gibt es im Freistaat bisher 20 eigene Naturfriedhöfe, darunter 2 in der Oberpfalz – in Nittenau, wo auch Bestattungen an Felsen möglich sind, und Hohenburg. Darüber hinaus bieten jedoch nicht weniger als 170 Kommunen die Möglichkeit von Baumbestattungen in Abteilungen von bestehenden Friedhöfen. In der Oberpfalz sind es jedoch erneut nur 2: Amberg und Regensburg.

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