20.11.2019 - 12:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Netzwerktreffen: Gemeinsam für Integration

Aus Fehlern der Vergangenheit haben alle längst gelernt. Einwohner mit ausländischem Pass müssen integriert werden, sonst kommt es zu Problemen. Das zeigt deutlich das Netzwerktreffen Integration.

Unter Moderation von Thomas Bärthlein diskutieren rund 60 Teilnehmer beim Netzwerktreffen Integration. Hier zum Statement des Jobcenter-Geschäftsführers Peter Witt.
von Siegfried BühnerProfil

Erstmals seit fast drei Jahren hatte die Stadt Weiden wieder zum Netzwerktreffen Integration eingeladen. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß begrüßte deutlich mehr Organisationen und Personen als in der Vergangenheit. Mit dabei auch Vertreter aus den Landkreisen Tirschenreuth und Neustadt/WN.

Gekommen waren alle, die mit dem Thema ausländische Einwohner befasst sind. In Statements und Diskussionen wurden Situationsanalysen und Integrationsvorschläge formuliert. Moderator war Thomas Bärthlein von OTV. Wo die Region insgesamt beim Thema Integration ausländischer Mitbürger steht, kommentierte sehr engagiert Jost Hess vom Arbeitskreis Asyl. „Eine Situation von Diskriminierung und Übergriffen auf Flüchtlinge wie 1985 ist heute nicht mehr möglich.“ Handlungsbedarf jedoch sieht Hess auch heute. Er erinnerte an Verständnis und die Menschenwürde und daran, „dass Flüchtlinge aus Lebensumständen kommen, die wir uns nicht vorstellen können“. Voraussetzung für Integration sei: „Die Menschen brauchen eine Perspektive.“ Gibt es die nicht, dürfe man sich nicht wundern, wenn junge Leute zu Alkohol, Drogen oder Gewalt greifen.

Die Ausgangslage bei Zuwanderung und Integration beschrieb Thomas Birner von der Ausländerbehörde der Stadt Weiden mit Zahlen. Aktuell sind in Weiden insgesamt 5400 ausländische Personen, darunter 2700 Drittstaatenangehörige und 2350 EU-Ausländer, 90 Asylbewerber und 273 „Geduldete“ mit Ausreisepflicht gemeldet. Vor fünf Jahren lag die Zuwandererzahl noch bei 3000. Syrer, Türken, Rumänen, Tschechen und Kroaten bilden die größten Nationalitätengruppen. Afrikanische Länder spielen eine völlig untergeordnete Rolle. Birner bot im Falle auftretender Probleme die Hilfe der Ausländerbehörde an und sagte: „Wir tun unser Möglichstes für ausländische Mitbürger.“

Zahlen nannte auch Peter Witt, Geschäftsführer des Jobcenters Weiden-Neustadt. Aktuell gibt es unter den 3300 erwerbsfähigen Leistungsbeziehern rund 900 Ausländer, darunter 600 Flüchtlinge. Die Integrationsquote liegt bei Ausländern mit 25 Prozent deutlich höher als im Durchschnitt aller Leistungsbezieher (21 Prozent). Zu den Integrationsmaßnahmen des Jobcenters für Ausländer gehört unter anderem ein Coaching-Programm. Beispielgründe dafür: „Manche erwachsene Frauen waren noch nie in einem Supermarkt oder sind noch nie Linienbus gefahren.“

Über den Sicherheitsbereich informierte Polizeidirektor Klaus Müller. Unter den 1530 Straftätern im laufenden Jahr sind 380 – knapp ein Viertel – Nichtdeutsche, darunter 190 Zuwanderer. Straftaten der Zuwanderer erfolgten häufig innerhalb der geschlossenen Unterkunft. Im Netzwerk mit allen Beteiligten werden regelmäßig auffällige Einzelfälle besprochen. Die Migrationswelle sei vorbei, die Behörden hätten hervorragend reagiert. Zur Sicherheitslage in der Stadt sagte Müller: „Man kann sich in Weiden jederzeit an jedem Ort sicher aufhalten.“

Für Stadtbau GmbH-Geschäftsführer Günter Kamm ist es wichtig, „Bündelung bestimmter Nationalitäten bei der Wohnungsvergabe zu vermeiden“. Das mangelnde Bewusstsein, beispielsweise für Mülltrennung Hausordnung und Nachtruhe, sei bei ausländischen Mietern Ursache für Streitigkeiten. Fehlende Deutschkenntnisse kämen hinzu. Kamm erinnerte an den Vorschlag für einen „Wohnungsführerschein“ eines seiner Kollegen. Über Bildungsangebote für Ausländer und den Neubürgertag informierte Bildungskoordinator Kevin Fischer. Regionalkoordinatorin Vera Charlotte Röhrer vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nannte als Ziel der Sprachkurse „Alltagsfähigkeit herbeizuführen“.

In der Diskussion wurden Vorschläge für Integrationsmaßnahmen formuliert, darunter waren Mieterpass, Netzwerktreffen in kleinerer Runde, zusätzliche ehrenamtliche Helfer, Kommunalwahlrecht für Nicht-EU-Bürger und Vermeidung der drohenden Verminderung der sozialpädagogischen Betreuung in den Integrationsklassen. Grußworte sprachen Veit Wagner als Sprecher des Integrationsbeirats, Integrationsbeauftragte Susanne Reinhardt und Integrationslotse Manfred Weiß.

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