Weiden in der Oberpfalz
17.05.2019 - 12:11 Uhr

Neue Arbeitsplätze durch Digitalisierung

In Industrieländern laufen 66 Millionen Arbeitnehmer Gefahr, ihre Jobs irgendwann an Maschinen zu verlieren. Dies bedeute aber nicht zwangsläufig Arbeitslosigkeit, erklärt ein Experte. Und nennt Gründe.

Fred Schell von der Bundesfachgruppe für Erwachsenenbildung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft spricht über Chancen und Risiken. Bild: Kunz
Fred Schell von der Bundesfachgruppe für Erwachsenenbildung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft spricht über Chancen und Risiken.

„Es wird auch viele neue Arbeitsplätze geben", sagte Fred Schell von der Bundesfachgruppe für Erwachsenenbildung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in der Dotscheria im Schützenheim. Die Situation erfordere allerdings höhere Qualifizierungsansprüche. Leider investiere der Staat nicht in die Weiterbildung, sondern er überlasse diese Aufgabe den Unternehmen. Bisher hätten Innovationsphasen überwiegend minderqualifizierte Bereiche negativ beeinflusst. „Diese Entwicklung wird aber hinaufgehen bis zu den Ärzten.“

Schell sprach über Chancen und Risiken der Digitalisierung. Das Datenwissen habe mittlerweile eine rasante Geschwindigkeit aufgenommen, verdopple sich alle zwei Jahre. Die Entwicklung zum Datenkapitalismus, sollte er nicht geregelt werden, unterscheide sich in keiner Weise vom Industriekapitalismus. Wie sich zeige, hätten sich inzwischen Firmen wie Google, Microsoft, Amazon oder Apple zu den größten Unternehmen der Welt entfaltet.

Auch mit negativen Auswirkungen. Amazon zum Beispiel vernichte nicht nur den Einzelhandel. Durch Massen an Lieferfahrzeugen und Verpackungsmaterialien belaste dieses Unternehmen auch die Umwelt. Schell benutzte häufig auch Fachbegriffe, wie Blockchain-Prinzip, Big Data oder Augmented- und Virtual-Reality-Brillen, die neue Welten erschließen würden. „Wegen der Größe noch nicht sehr ausgereift. Später aber sicherlich im Bildungsbereich einsetzbar.“

Inzwischen würden schon Hochhäuser – Schell zeigte ein Beispiel aus Beirut – über 3-D-Drucker gebaut. „Das verringert den Preis um das acht- bis zwölffache.“ Schon heute sei ein Einfamilienhaus in 3-D-Technik unter 100.000 Euro herstellbar. „Wegen der hohen Auflagen hier in Deutschland natürlich nicht möglich.“ 3-D-Drucker „druckten“ Torten, Brot und alles Mögliche. „Man braucht nur die Zutaten.“ Das Entwicklungspotenzial sei riesig in diesem Segment. „Jetzt wurde der erste Bergstiefel gedruckt. Das sind keine Fantasien mehr.“

Rund zehn Jahre werde es noch dauern, bis Quantencomputer ans Netz gingen. Die würden dann nicht mehr nur linear, sondern quer rechnen. Die USA und China forschten intensiv daran. „Unsere Experten aus Deutschland sind alle in die USA abgewandert." Für das autonome Fahren sei man wegen der Echtzeit-Datenübertragung unbedingt auf das 5-G-Netz angewiesen. Auch hier erwarte er massive Verbesserungen. Genauso in der Robotik.

Fortschritt sollte nicht verteufelt werden. Der Referent zitierte den Leiter des Berliner Büros des Zukunftsinstituts, Daniel Dettling: „Intelligent vernetzt ermöglichen datenbasierte Ökosysteme mehr Austausch und Synergien, Beschäftigung, Teilhabe und Engagement. Aus technischen können soziale Innovationen werden. Digitalisierung passt zur Vision einer Gesellschaft des Zugangs und der Chancen als Gegenentwurf einer autoritären und sozial normierten Gesellschaft.“

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