07.09.2018 - 15:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neue Energie für die Wende

Die Stadt braucht mehr Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen. Das fordern CSU, Bürgerliste und Grüne. Denn die Pläne der Stadt seien"uralt".

CSU, Grüne und Bürgerliste wollen mehr Photovoltaik-Anlagen wie diese auf Freiflächen in der Stadt.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

(blu) So jedenfalls nennt Fraktionssprecher Christian Deglmann (Bürgerliste) den Flächennutzungsplan, der Photovoltaik im Stadtgebiet ermöglicht. Er erinnert sich an eine letzte große Initiative zu erneuerbaren Energien um das Jahr 2010. "Das war ein riesengroßes Pamphlet. Doch die meisten Ideen sind wieder in der Schublade verschwunden."

Deglmann meint das "Energiekonzept Weiden", eine Studie der Stadt von 2009. Ideen wie der Bau von Windrädern in Muglhof oder die Überdachung der Autobahn mit Photovoltaik-Anlagen resultierten daraus. Verwirklicht wurde davon: nicht viel. In Muglhof brütete der Schwarzstorch. Zur Überdachung der Autobahn sagt Deglmann nur: "Das wird nie kommen. Da war die Idee eine andere als die Realität."

Auch Karl Bärnklau, Fraktionssprecher der Grünen, erinnert sich an das Gesamtenergiekonzept. Es fällt für ihn genau in die "Phase der großen Euphorie" im Zuge des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). In der Zwischenzeit wurde es nach Meinung des grünen Stadtrats "extrem stranguliert" und bürokratisiert:. "Für Otto-Normal-Verbraucher ist das nicht mehr zu verstehen und deshalb auch weniger lukrativ." Er verspricht sich von dem Antrag im Stadtrat, die Photovoltaik noch einmal "lokal anzuschieben" und die Fehler der Bundespolitik auszugleichen.

Die drei Fraktionen wollen nun, dass der alte Flächennutzungsplan der Stadt an das neue Gesetz und die aktuelle Flächenlage in Weiden angepasst wird. Der Antrag wird in der Stadtratssitzung am 8. Oktober behandelt. Vor allem von Acker- und Grünlandflächen entlang von Autobahnen und Schienenwegen versprechen sich die Fraktionssprecher viel. "An der A 9 Richtung München werden Anlagen gebaut, hoch Richtung Hof. Nur bei uns passiert da weniger", sagt Degelmann. Auch CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch sagt: "Es gibt zum Beispiel tolle Ackerflächen bei Meierhof. Da ist aber bester Boden, die Bonität sehr hoch. Hier Photovoltaik-Anlagen zu bauen, wäre falsch. Aber wir haben die Autobahn und die Schienen." Bis jetzt seien vor allem Gebäude mit Photovoltaik ausgestattet worden. Und noch eins erhofft sich Pausch mit von dem Vorstoß: "Wenn die Diskussion mehr ins öffentliche Bewusstsein rückt, vielleicht gehen dann manche Grundstücksbesitzer auch proaktiv heran und sagen: ,Ich hätte da etwas.'"

Auch die regionale Energiegenossenschaft Beon (Bürgerenergie Oberpfalz Nord) wie auch andere Investoren seien auf der Suche nach möglichen Standorten.

Hintergrund:

Pragmatische Koalition

CSU, Grüne und Bürgerliste wollen dasselbe: Nicht gerade ein übliches Bild, vor allem nicht in Zeiten des Wahlkampfs. Doch bundes- und landespolitischer Zwist hält die kommunalen Stadträte in Weiden nicht von der Arbeit ab. "Wenn in Berlin nicht die optimale Politik gemacht wird - um das mal freundlich auszudrücken - können wir nichts dafür", formuliert es Bärnklau (Grüne). "Wir reden erst über Themen." Pausch (CSU) und Deglmann (Bürgerliste) stimmen zu. "Ich erinnere an den letzten Stadtrat, da haben SPD und CSU gemeinsam einen Antrag gestellt, das machen wir auch immer wieder. Man muss doch auch überparteilich zusammenarbeiten", erklärt Deglmann. Pausch weist noch auf andere Vorteile der Koalitionen hin: "So haben wir drei Parteien gleich eine Mehrheit im Stadtrat." (blu)

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