Es begann mit der Deutschen Bahn. Sie startete die Aktion "Call a Bike" und verleiht seit acht Jahren in mehreren Städten Fahrräder über eine App. In Berlin hat die Bahn aber viel Konkurrenz: Zehn Unternehmen verleihen Räder. Die Firmen sitzen in Deutschland, Dänemark, China, heißen Mobike, Obike oder Deezer, bieten Leihräder mit und ohne Elektro-Motor an.
In der Region gibt es noch keinen Fahrrad- oder Rollerverleih mit ähnlichen Konzepten wie in Berlin. "Das Mobilitätsverhalten in der Großstadt ist natürlich mit unserer ländlichen Umgebung nicht zu vergleichen", sagt Claudia Prößl, Pressesprecherin des Landratsamts Neustadt/WN. "Da wir ohne Auto kaum eine Chance haben, zeitnah zur Arbeit, Arzt, Freizeitaktivitäten oder Einkaufen zu kommen, und damit in der Regel auch jede Familie mindestens einen Pkw besitzt, wird natürlich leider auch in den Fällen zum Auto gegriffen, wo vielleicht ein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung stünde. Hier gilt es noch Überzeugungsarbeit zu leisten, die natürlich nur gelingt, wenn das entsprechende Angebot vorhanden ist", erläutert sie.
Anfragen in Weiden
Es gebe immer wieder Anfragen von Unternehmen mit Ideen an die Stadt Weiden, teilt Pressesprecher Norbert Schmieglitz mit. "Wir prüfen diese auf deren Umsetzbarkeit in kleineren Städten." Vielfach seien die Angebote auf Großstädte ausgelegt, berichtet Schmieglitz. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß sei den Ideen gegenüber zwar aufgeschlossen, weil er den Individualverkehr sowieso aus der Innenstadt lenken will. Doch für die Angebote, etwa elektrische Kleinbusse oder Roller, "müssen wir den Bedarf prüfen", sagt der Pressesprecher. Verschiedene Abteilungen wie Umweltamt und Verkehrsbehörde würden die Anfragen prüfen. Eine Entscheidung habe die Stadt noch nicht gefällt. Der Kreis Amberg-Sulzbach ist da schon weiter: Ein Car-Sharing gibt es dort "noch nicht, aber da ist was in Planung", verrät Pressesprecherin Christine Hollederer.
Um mehr über das Verkehrsverhalten der Bürger und ihre Wünsche zum Öffentlichen Personennahverkehr zu erfahren, hat das Landratsamt Neustadt/WN im Frühjahr eine Umfrage gestartet. Ein Wunsch, der zum Beispiel häufiger genannt wurde: Die Anbindung des Campingplatzes Gaisweiher/Flossenbürg an das Busnetz. Auch für Amberg-Sulzbach kündigte Heimatminister Albert Füracker eine Bürgerbefragung an. Im Kreis Neustadt/WN haben allerdings nur sieben Prozent der Bürger den Fragebogen ausgefüllt.
Bereits im Juli hat das Kabinett den Ausbau von Bürgerbussen und ehrenamtlichen Fahrdiensten beschlossen. Außerdem will die Staatsregierung neue Förderrichtlinien erarbeiten, um ein bayernweites Mobilitätsangebot für alle von morgens bis abends ("SmartBus") fördern zu können. Ziel sei eine flächendeckende Versorgung mit flexiblen Modellen. Ministerpräsident Markus Söder möchte auch den öffentlichen Personennahverkehr verbessern. Neue Möglichkeiten dafür bietet die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg durch die DB Netz. Nicht nur Güterzüge, auch Personenzüge mit Elektroantrieb können dann auf der Strecke fahren, erläutert DB-Projektleiter Robert Hanft. Auch könnte die Bayerische Eisenbahngesellschaft neue Haltestellen einrichten. "Die Region kann etwas daraus machen", sagt Hanft.
Doch bis die Strecke ausgebaut ist, dauert es noch Jahre. Schon heute gibt es nach Angaben des Berliner Senats 16 000 Leihfahrräder in der Hauptstadt. Die Nutzer bezahlen die Ausleihe mit der App. Wer nicht treten will, kann sich einen Elektroroller mieten. Roller wie Räder können die Nutzer dort abstellen, wo ihre Fahrt endet. Der nächste findet sie ebenfalls über die App.
Nur im Tourismus
Solche Mobilitätsmodelle spielen im Kreis Neustadt/WN bisher nur im Tourismus eine Rolle, gesteht Prößl. "Was aber nicht heißen soll, dass manche solcher Formen zumindest ausprobiert werden sollten."
Das Problem mit den vielen Leihfahrzeugen in Berlin: Sie werden kreuz und quer geparkt und stehen anderen im Weg. Ihre Fahrer sind meist Touristen, die sich weniger auf den mitunter chaotischen Straßenverkehr konzentrieren als auf die Sehenswürdigkeiten rechts und links des Weges.
Zum Ideenwettbewerb deutscher-mobilitätspreis.de
Die Initiative "Deutschland - Land der Ideen" ruft mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen zum Ideenwettbewerb für den Nahverkehr der Zukunft auf. Unter dem Motto "Digital gedacht: Ihre Vision für den Nahverkehr" können Bürger Ideen einreichen. Am 30. September ist Abgabeschluss. (esa)













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