03.01.2019 - 16:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Neue Palliativstation in Weiden

Größer, moderner und näher beim Klinikum: In nur zwei Tagen zog die Palliativstation von Neustadt nach Weiden um. Noch steht nicht alles an seinem Platz. Die ersten Patienten ziehen am 7. Januar ein.

Beate Spickenreuther, Pflege-Stationsleiterin, und Ärztliche Leiterin Dr. Stephanie Kuchlbauer freuen sich die neue großzügig gestaltete und helle Station.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

In der Anfangsphase werden zunächst 10 der insgesamt 14 Plätze belegt, sagt Ärztliche Leiterin Stephanie Kuchlbauer. Sie freut sich, dass der Umzug problemlos verlief und die Arbeit am neuen Standort nahtlos aufgenommen werden kann. Über die Weihnachtstage seien nur zwei Patienten zu betreuen gewesen. "Ab nächster Woche wird hier wieder mehr los sein." Dann kümmern sich Kuchlbauer und ihr über 30-köpfiges Team an Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften liebevoll um die Schwerkranken. Die Palliativstation liegt ebenerdig in einem neuen Winkelbau zwischen Augustiner-Gebäude und dem Ärztehaus eines privaten Bauherrn an der Gabelsbergerstraße.

Mehr als 3300 Patienten wurden in den zehn Jahren seit Bestehen der Einrichtung versorgt. Ziel der Palliativstation der Kliniken Nordoberpfalz AG - eine von 47 Stationen in Bayern - ist es, die Beschwerden unheilbar Erkrankter zu lindern. Neben palliativärztlicher und pflegerischer Betreuung gehören dazu auch Physiotherapie, Musik- und Atemtherapie, Seelsorge und vieles mehr. Der neue Standort bietet noch mehr Möglichkeiten. "Wir haben jetzt mehr Platz und können auch unser therapeutisches Spektrum erweitern, unter anderem um Akupunktur, Aromatherapie und Klangschalenmassagen", sagt die Ärztin.

Verändert hat sich im Neubau die Raumaufteilung. "Alles ist etwas kompakter beieinander." Es gibt den "Raum der Stille", ein Zimmer für Angehörige, ein großzügiges Bad mit Musikanlage und "Lichtspielen" zum Entspannen, eine offene Sitzgruppe im großzügigen Eingangsbereich und den Abschiedsraum.

Kinder willkommen

Eine zentrale Rolle nimmt die Kinderecke ein. Gut einsehbar und mittendrin. "Wir haben uns bewusst dafür entschieden. Die Angehörigen, und dazu gehören auch die Kinder oder Enkel, sollen in die Therapie mit einbezogen werden", betont die Ärztin. "Wo Kinder sind, ist Leben. Und wir wollen ja unseren schwerstkranken Patienten die verbleibende Zeit lebenswert gestalten. Da tut ein Kinderlachen gut."

Für Wohlbefinden will auch die neue biodynamische Beleuchtung mit Tages- und Nacht-Rhythmus auf der Station sorgen. Blautöne am Vormittag und rötliches Licht am Nachmittag wirkten sich positiv auf die Stimmungen der Kranken aus. "Vor allem demente Patienten brauchen einen Tagesrhythmus. Das wechselnde Licht kann zum Beispiel helfen, dass sie ruhiger werden."

Ausgleichend und zugleich erfrischend wirkt der zarte Grünton an manchen Wänden. Er findet sich auch im Büro der Chefin wieder, die die Farbe mit ausgesucht hat. Den Planer davon zu überzeugen, sei gar nicht so einfach gewesen, da in Krankenhäusern meist weiß dominiert, lacht Kuchlbauer.

Kein Friedhofsblick

Ein Gerücht sei, dass "unsere Patienten alle auf den Friedhof schauen. Das tut hier nur das Personal", sagt Kuchlbauer. Die Patientenzimmer haben alle Abendsonne und liegen zur Gartenseite. Wo jetzt noch Baufahrzeuge stehen sollen im Frühjahr die Pflanzarbeiten beginnen. "Vor den bodentiefen Fenstern der Zimmer werden dann noch Terrassen angelegt, so dass wir die Patienten mitsamt dem Bett hinausschieben können", erklärt die Ärztin. Eine Pergola schützt vor zu viel Sonne.

Die Chefin und Pflege-Stationsleiterin Beate Spickenreuther freuen sich über ihren neuen, modernen Arbeitsplatz. Durch die Nähe zum Klinikum erhoffen sie sich auch manche Erleichterung im organisatorischen Alltag. Von der schnellen medizinischen Versorgung im akuten Notfall ganz abgesehen. Dennoch: "Auf dem Felix in Neustadt haben wir uns sehr wohlgefühlt."

Termine für die offizielle Einweihung und einen Tag der offenen Tür stehen noch nicht fest. "Das machen wir, wenn sich alles eingespielt hat", sagt die Chefin. Und bis dahin werden dann auch bestimmt alle Lichtschalter und elektrischen Türen funktionieren.

Die Palliativstation der Kliniken Nordoberpfalz AG hat mit dem Umzug nach Weiden auch eine neue Telefonanlage erhalten. Die neue Telefonnummer lautet: 0961/303-16370.

Die Palliativstation zieht von Neustadt nach Weiden um. Onetz sprach mit der ärztlichen Leiterin Dr. Stephanie Kuchlbauer.

Neustadt an der Waldnaab
Mittendrin: Hier dürfen sich Patienten, Besucher und Angehörige treffen. Für Gesprächsstoff dürfte nicht nur die Fotowand der Besuchs-Hunde und -Katzen sorgen.
Der Eingang der neuen Palliativstation am Klinikum Weiden führt noch über eine Baustelle.
Sternenhimmel, wechselnde Lichtstimmung und bei Bedarf auch mit Musik: in diesem Bad dürfen Patienten entspannen.
Rückzugsmöglichkeiten bietet der "Raum der Stille".
Zweckmäßig, aber hell und freundlich sind die neuen Zimmer. Sie liegen ebenerdig und haben alle einen Zugang zum Garten.
Kommentar:

Angekommen

Beim Lesen der Sterbeanzeigen in der Tageszeitung fällt es immer öfter ins Auge. Meist wird für die liebevolle Betreuung des Verstorbenen auf der Palliativstation gedankt oder um Spenden für die Einrichtung gebeten. Die Palliativmedizin ist in der Gesellschaft angekommen. Ein Begriff, mit dem vor Jahren noch wenige etwas anfangen konnten.
Palliativmedizin arbeitet durchaus lebensverlängernd, wie die Ärztliche Leiterin Dr. Stephanie Kuchlbauer nicht müde wird zu betonen. „Der Sterbestempel kommt weg, wenn man lange genug PR dafür macht“, bringt es die Ärztin auf den Punkt. Sie weiß um die dankbaren Worte und Blicke von Kranken, denen trotz unheilbarer Leiden noch eine schöne möglichst schmerzfreie Zeit mit ihren Familien geschenkt wird.
Die Erfolgsgeschichte nahm vor zehn Jahren in Neustadt ihren Anfang. Seitdem wurden über 3300 schwerstkranke Patienten versorgt. Am kliniknahen Standort in Weiden findet sie ab 7. Januar eine Fortsetzung – getragen auch von der Bevölkerung. „Wir erfahren viel Rückhalt“, freut sich Kuchlbauer. Das mache die Arbeit für das ganze Team einfacher. Dafür ist die Ärztin dankbar.

Stephanie Hladik

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.