19.12.2019 - 17:39 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

NOC: Neben Freude auch Anlass zu Trauer

Für Kurt Seggewiß war es die letzte Weihnachtssitzung des Stadtrates. Und der Oberbürgermeister stellte gleich klar, was für ihn 2019 das schönste Geschenk gewesen ist. Doch mit dem NOC ist auch eine traurige Nachricht verbunden.

Zufrieden mit dem Jahr 2019 zeigte sich Oberbürgermeister Kurt Seggewiß in seiner letzten Weihnachtsansprache im Stadtrat. Den Beschäftigten der Kliniken Nordoberpfalz AG sagte er, dass die kommunale Familie eine Insolvenz niemals zulassen werde. Kämmerin Cornelia Taubmann berichtete von erfreulichen Überschüssen im städtischen Haushalt.
von Volker Klitzing Kontakt Profil

Seggewiß musste den Stadträten mitteilen, dass Franz Humplmair, neben Thomas Schumacher Vorstand der Fondara AG, am 24. November verstorben ist, zwei Monate nach der Eröffnung des Nordoberpfalz-Centers. Diese mitzuerleben hätte sich der 71-Jährige so gern gewünscht, doch die Krankheit ließ es nicht mehr zu.

Die NOC-Eröffnung am 26. September bezeichnete der Oberbürgermeister als das "Highlight" des Jahres. Die Bevölkerung habe richtig mitgefiebert. Und alle Kritiker seien eines Besseren belehrt worden. Es habe kein Verkehrschaos gegeben. Die Besucherströme reichten bis in die Altstadt und in die Max-Reger-Straße. "Die Verquickung ist gelungen", betonte Seggewiß. Handel und Gastronomie würden dies spüren. Stadtbau-Geschäftsführer Günter Kamm habe berichtet, dass seine Parkanlagen 20 bis 25 Prozent stärker ausgelastet seien. Der OB hat selbst erlebt, dass an der Einfahrt zur Allee-Tiefgarage beim Hinweis auf die freien Plätze die Null stand. "Das hatte ich vorher noch nie."

Zum NOC äußerten sich in ihren Jahresabschluss-Reden auch die Fraktionsvorsitzenden der Bürgerliste und der SPD. Dabei teilte Christian Deglmann wie immer in Reimform mit, dass er Seggewiß für das Einkaufszentrum Respekt zolle. Und Roland Richter bezeichnete die Eröffnung des NOC als Sternstunde. Besonders gerührt habe ihn, dass viele Bürgermeister der umliegenden Gemeinden gratuliert hätten. Dies könne man als regionales vorbildliches Verhalten bezeichnen.

Zurück zu Seggewiß. Dieser hatte für das zu Ende gehende Jahr auch das Sozialbürgerhaus und den Wittgarrten-Durchstich als besonders positiv herausgehoben. Er erinnerte aber auch daran, dass Weiden nach wie vor Konsolidierungskommune sei und Stabilisierungshilfe erhalte. Da trifft es sich gut, dass der Haushalt 2019 sehr erfreulich abschließen wird und sich dementsprechend die Rücklagen erhöhen werden. Ausdrücklich betonte der Oberbürgermeister, dass die Stadt zur Kliniken AG stehe. Wörtlich fügte er hinzu: "Die kommunale Familie wird eine Insolvenz niemals zulassen." Die Mitarbeiter müssten sich keine Sorgen machen. Das Unternehmen werde eine gute Zukunft haben.

SPD-Fraktionschef Richter stellte fest, dass die Parteien in Weiden bei den Listenaufstellungen für die Kommunalwahlen im Gegensatz zu anderen Städten keine großen Probleme gehabt hätten. "Es ist eine Lust da, in Weiden politisch aktiv zu sein." Positiv bewertete er die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung, den soliden Haushalt und die Arbeitslosigkeit, die auf einem Tiefstand sei. Mit Freude sieht Richter die "Fridays-for Future"-Bewegung. "Die tut uns Alten gut." Es sei erfreulich, dass sich die Jugend wieder bemerkbar mache. Zum Klima im Stadtrat stellte der SPD-Fraktionschef fest, dass der Umgang trotz aller Konkurrenz in Ordnung sei. Respekt und Anerkennung seien fast jederzeit gegeben. In diesem Zusammenhang sprach Richter Seggewiß direkt an: "Du wirst nicht jede Weihnachtssitzung vermissen. Aber Du wirst Deinen Stadtrat vermissen." Er bescheinigte ihm, ein guter Oberbürgermeister zu sei.

Das scheint der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste anders zu sehen. Zur neuen FOS/BOS könne er ihm noch gratulieren, aber ansonsten zeichne sich die Ära Seggewiß dadurch aus, dass er viele Projekte vor sich hergeschoben habe. Das gehe bis zum Gewerbegebiet West IV, das sich inzwischen im Kreis drehe und bis zum Tierheim, bei dem nichts vorwärts gehe. Der Wittgarten-Durchstich, so habe er gehört, verlaufe teilweise auf Privatgrund. Eine Stellungnahme zu diesem Hinweis gab es in der Sitzung nicht.

Man habe vieles gemeinsam erreicht, würdigte CSU-Fraktionschef Markus Bäumler. Die Kultur des Zusammenhaltens müsse weiter gepflegt werden. Die Sanierung von Schulen und Straßen sowie schnelles Internet seien große Herausforderungen. Das Kulturangebot müsse man steigern. Zur Kommunalwahl wünscht Bäumler einen fairen Umgang, kein Haudrauf und keine Beleidigungen.

Für Grünen-Fraktionschef Karl Bärnklau ist der Kommunalwahlkampf längst im Rathaus angekommen. Er bedauerte, dass man in Weiden weit hinter den notwendigen Anforderungen an den Klimaschutz zurückbleibe. Problematisch sei auch die finanzielle Situation der Stadt. Investitionen seien überfällig. Bärnklau überreichte Seggewiß eine Holzgravur, die er auf dem Christkindlmarkt entdeckt habe: "In diesem Haus leben wir seit Jahren über unsere Verhältnisse, aber weit unter unserem Niveau."

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