Die Alleinherrschaft der CSU in Bayern ist Geschichte. Das bekommt auch Stephan Oetzinger zu spüren. Mit 39,8 Prozent schneidet er um knapp 8 Prozent schlechter als Petra Dettenhöfer 2013 ab. Trotzdem liegt sein Ergebnis über dem Landesschnitt der CSU. "Ich bin erleichtert und zufrieden", wird der neue Landtagsabgeordnete Oetzinger wenig später bei der Wahlparty der CSU im "Postkeller" sagen. Im Rathaus selbst zeigt sich Lothar Höher weniger zufrieden mit den CSU-Prozenten. Der Grund für den Einbruch? Die Bundespolitik. "Mit dem Flüchtlingsminister und dem Dieselminister haben wir unsere Helden in Berlin."
Annette Karl wirkt sogar entsetzt. "So schlimm habe ich's mir nicht vorgestellt", sagt die Landtagsabgeordnete der SPD zum einstelligen Ergebnis der Genossen in Bayern. Auch OB Kurt Seggewiß hat zu schlucken: "Das ist eine herbe Enttäuschung für die bayerischen Sozialdemokraten." Karl persönlich muss herbe Verluste hinnehmen: Ihr Stimmanteil liegt bei 14,86 Prozent. Damit hat er sich zu 2013 fast halbiert. Fürs Maximilianeum wird's für die Spitzenkandidatin wohl trotzdem reichen.
Auf dem Flachbildschirm läuft das Dritte, Uli Grötsch analysiert eine "schwere Niederlage". Mit versteinerter Miene betritt Gisela Birner den Saal. Seggewiß umarmt sie lange. "Man muss auch Niederlagen aushalten können", sagt er. Niederlage? Die Geschäftsführerin des SPD-Unterbezirks spricht von einem "Debakel", das sie fassungslos mache. "Desaster", "Schmach" - so nennt der ehemalige Landtagsabgeordnete Werner Schieder die Pleite. Die SPD habe in der großen Koalition ihr Profil verloren.
Endlich: Jubel brandet auf - im Fernsehen. Bayerns Grünen-Chefin Katharina Schulze spricht zu ihren Anhängern. Zweitstärkste Partei in Bayern - "das ist natürlich super", sagt Grünen-Fraktionschef Karl Bärnklau. "Das haben die Grünen ihrer klaren Haltung in der Flüchtlings- und Asylpolitik zu verdanken. Sie haben die Leute auf ihre Seite gezogen, die den menschenverachtenden Duktus verabscheut haben", analysiert Annette Karl.
Der Gewinner des Abends steht etwas abseits der anderen an einem Stehtisch: Roland Magerl. Der AfD-Spitzenmann schafft es aus dem Stand auf 13,08 Prozent, liegt obendrein rund 3 Prozent über dem Bayernschnitt seiner Partei und hat gute Chancen, in den Landtag einzuziehen. Im Fall der Fälle wolle er "konstruktiv arbeiten", sagt er in eines der vielen Mikrofone. Ein TV-Team des Politmagazins "Kontrovers" begleitet ihn schon den ganzen Wahltag. Über ein "Traumergebnis" der Freien Wähler jubelt der Weidener FW-Chef Bernhard Schlicht. "Wir haben die Probleme der Bürger aufgenommen", erklärt er. "Uns geht es nicht um Raumfahrprogramme, sondern um den Breitbandanschluss vor Ort." Und nun der Sprung in die Regierungsverantwortung? FW-Gründungsmitglied Rainer Sindersberger wäre darüber "gar nicht so glücklich". Er fürchtet, die FW könnten ihr Profil verlieren.
Glücklich oder nicht, das ist bei Christoph Skutella erst noch die Frage. Der FDP-Kandidat hat noch Chancen, in den Landtag einziehen. Fest steht's erst am Montag. Nervös? "Wir werden sehen", sagt Skutella gelassen. Es ist eben nicht der Abend der großen Gefühle.





















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