Weiden in der Oberpfalz
24.10.2018 - 18:38 Uhr

OB-Kandidat Meyer stellt sich vor

Die SPD tritt aufs Gaspedal, will die furchtbare Landtagswahl schnell hinter sich lassen. Spätestens die Kommunalwahlen in gut 14 Monaten sollen wieder für Erfolg sorgen. Garant dafür ist nach Meinung der Genossen Bürgermeister Jens Meyer.

Während Bayern München am Dienstagabend 2:0 bei Athen gewann, tagte die erweiterte etwa 30-köpfige Vorstandschaft der Weidener SPD im Stadtkrug. Bei ausgezeichneter, sogar euphorischer Stimmung, wie zu hören war. Am Mittwoch präsentierten Chefin Sabine Zeidler, Stellvertreter Herbert Schmid, OB Kurt Seggewiß und Fraktionschef Roland Richter die Ergebnisse. Danach soll der 48-jährige Kriminalhauptkommissar Jens Meyer Nachfolger von OB Seggewiß werden, der im März 2020 nach zwölfeinhalb Jahren im Amt auf eine Wiederwahl verzichtet.

Meyer, verheiratet, zwei Kinder, verfügt über eine große politische Erfahrung. Er gehört dem Stadtrat seit 2002 an, war zunächst Fraktions-Vize, dann Fraktionsvorsitzender. Seit Mai 2008 ist er Bürgermeister und erster Stellvertreter von Seggewiß. Meyer leitet unter anderem den einflussreichen Bau- und Planungsausschuss. OB Seggewiß, der Meyer als seinen Nachfolger vorschlug, würdigte das gesellschaftliche Engagement Meyers unter anderem im kirchlichen Bereich. Er sei zuverlässig, bescheiden, beliebt, mit guter Rhetorik ausgestattet und in der Stadtverwaltung angesehen. Zeidler und Richter sagten, man gebe das Erbe von Hans Bauer und Kurt Seggewiß in die nächsten Hände.

Meyer stellte klar, dass seiner Frau Kathrin und den Kindern seine erste und große Liebe gehöre. Die zweite Liebe aber gehöre der Stadt Weiden und seinen besonderen und engagierten Menschen. "Ja, ich will euer Oberbürgermeister werden", rief er aus. Meyer teilte mit, dass er sich schon 2006 mit der Frage der Kandidatur beschäftigt habe. Damals habe er noch nein gesagt. Inzwischen sei er gereift, und er habe sich als Bürgermeister gut in die Materie einarbeiten können. Die elf Jahre mit OB Seggewiß seien sehr erfolgreich gewesen. Er verwies auf die halbierte Arbeitslosigkeit, die neuen Arbeitsplätze, Kinderbetreuung, Schulsozialarbeit, die neue FOS/BOS samt Bildungscampus, West IV, die Schließung der Hertie-Lücke durch Investor Fondara.

Meyer verwies auch schon auf einige Schwerpunkte seiner Arbeit. Als Familienvater wolle er in Bildung investieren. Eine Schließung von Grundschulen lehnt er kategorisch ab. "Wir brauchen wohnungsnahe Schulen." Bei den Realschulen hoffe er auf einen Neubau, gerade auch angesichts der Erfahrungen, die Neustadt und Tirschenreuth mit Generalsanierungen gemacht hätten. Besonderes Augenmerk will der Kandidat auch auf Wohnungen und Sporteinrichtungen legen.

Relativ weit sind die Genossen auch schon mit den Kandidaten für die Stadtratswahlen. In den nächsten Wochen soll die Liste stehen. Im Team wolle man dann in den nächsten Monaten ein Programm für die Jahre bis 2026 und darüber hinaus zimmern. Vor einem noch bunteren Stadtrat mit weiteren Gruppierungen hat Meyer keine Angst. "Ich bin nicht ideologisch verbohrt, sondern pragmatisch eingestellt."

Kommentar:

Meyer weit in Führung

Offiziell ist er zunächst mal nur der Kandidat für die Kandidatur. Doch obwohl er Ende Januar erst noch von den Delegierten des SPD-Stadtverbandes als Oberbürgermeister-Kandidat bestätigt werden muss, steht fest, dass Jens Meyer den Aufwärmplatz verlassen und sich bereits auf die Laufbahn begeben hat.
Bei seiner Stadtratskandidatur 2002 war der Kriminalhauptkommissar ein politischer Quereinsteiger, der die Haustüren der Weidener belagerte, um sich bekannt zu machen, und der sich dabei auch von einem Hundebiss nicht abschrecken ließ.Wie sich herausstellen sollte, für die SPD ein Glücksfall. Inzwischen verfügt Meyer über enorme kommunalpolitische Erfahrung, ist seit über zehn Jahren Bürgermeister und erster Vertreter von OB Seggewiß. Mit diesen Pfunden kann er wuchern. Er ist einerseits ein Mann der Kompromisse, andererseits aber hat er bewiesen, dass auch er inzwischen Biss hat.
Unterdessen ist von möglichen Mitbewerbern aus anderen Parteien noch nichts bekannt. Da wird getuschelt, ob und wer an den Start gehen soll. Namen werden genannt und wieder verworfen. Wer am Ende auch immer das Rennen aufnehmen will, muss wissen, dass er kein Favorit ist. Man gewinnt den Eindruck, dass Mitbewerber noch ratlos am Start stehen, während Jens Meyer schon bald auf die Zielgerade einbiegt.

Volker Klitzing

 
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