09.02.2021 - 16:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Obdachlose in Weiden: Niemand muss frieren

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Hoch "Gisela" lässt Bayern bibbern. Vor allem die Nächte sollen klirrend kalt werden. Für Obdachlose stellt dieses Wetter eine ganz besondere Herausforderungen dar - besonders in Weiden.

In der Obdachlosenunterkunft in der Schustermooslohe und weiteren Notfallwohnungen in Weiden sind aktuell 40 Menschen untergebracht.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Nach dem Schnee kommt die Kälte. Auch tagsüber besteht demnächst keine Aussicht auf Plusgrade. Doch so richtig kalt sollen laut Wetterexperten Andy Neumaier vor allem die Nächte werden. Die Temperaturen sinken in Weiden auf bis zu minus 16 Grad, im Landkreis Neustadt kann es stellenweise sogar noch kälter werden. Das könnte ein Problem vor allem für Menschen in der Notunterkunft in der Schustermooslohe werden.

Baracken in Schustermooslohe: Gefahr für Leib und Leben?

Berichtete doch bereits 2019 der Sozialdezernent der Stadt über katastrophalen Verhältnisse in den Baracken, die aus den Jahren 1935 beziehungsweise 1963 bis 1965 stammen: Wegen der schlechten Isolation der Baracken seien diese mit den Holzöfen kaum beheizbar. In den Wintermonaten würde deshalb Gefahr für Leib und Leben für Bewohner mit gesundheitlichen Einschränkungen bestehen. Später beschloss das Gremium, eine neue Obdachlosenunterkunft zu bauen.

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Weiden in der Oberpfalz

Für die meisten Menschen ist das Heizen in diesen Tagen indes kein Problem. Sie drehen die Heizung höher oder schüren den Kachelofen an. Doch nicht alle haben ein warmes Zuhause. Manche können Strom oder Gas nicht mehr bezahlen und sitzen in kalten Wohnungen, andere sind auf Obdachlosenunterkünfte angewiesen. Ursula Barrois aus Weiden, seit 40 Jahren in der Obdachlosenhilfe tätig, kann ein Lied davon singen.

Auch nicht-beheizte Wohnungen sind kalt

Sorgen macht sich die Vorsitzende der Initiative e.V. aber weniger um die Bewohner in der Schustermooslohe, sondern um alle jene, die irgendwo alleine sind: "Es gibt Menschen, die nicht mehr die Energie aufbringen, sich Hilfe zu holen und nicht in der Lage sind, sich um sich selbst zu kümmern." Ursula Barrois denkt vor allem an diejenigen, denen beispielsweise Strom, Gas und Wasser abgestellt worden ist. Auch in nicht-beheizten Wohnungen könne es kalt werden. "Wenn wir von solchen Fällen erfahren, kümmern wir uns darum und schauen, was wir tun können."

40 Menschen derzeit in Notunterkünften

Und wie steht es aktuell um die Obdachlosen in der Stadt? In Weiden lebt laut Barrois Informationen aktuell niemand auf der Straße. Etwa 40 Menschen seien in Notfallwohnungen oder eben in der Notunterkunft Schustermooslohe untergebracht. Zu den Baracken in der Schustermooslohe sagt Barrois, ideal sei die Situation immer noch nicht, doch die Bewohner müssten nicht frieren: "Das ist gut organisiert", erklärt die Vorsitzende. "Wir haben Holz von der Stadt bekommen, und von Spenden haben wir noch Anzündholz und Holzbriketts gekauft." Unterstützung gibt es auch von den städtischen Arbeitern. Während in den Großstädten Hilfsorganisationen und Kommunen vor unüberwindbaren Problemen stehen, käme man in Weiden noch gut zurecht. "Wir tun gemeinsam alles, dass genügend Raum zur Verfügung steht", bekräftigt Barrois.

Schneller auf der Straße als gedacht

Auf der Straße zu stehen, gehe schneller als man denkt. "Nach dramatischen Trennungen hat ein Teil plötzlich keine Wohnung mehr", so die ehrenamtliche Helferin. Auch trotz Corona versucht die Initiative zu helfen. "Wir sind dankbar, wenn uns Leute von Hilfsbedürftigen erzählen." Die Unterstützung sei in den vergangenen Monaten nicht weniger geworden. "Eher mehr."

Obdachlose sprechen über ihr Leben

  • Die Initiative gibt es seit 1979
  • 1980 hat sich aus dem Zusammenschluss engagierter Helfer ein Verein gegründet
  • Ursula Barrois steht seit Beginn als Vorsitzende an der Spitze
  • Dem Verein gehören 40 Mitglieder an
  • 2017 hat der Verband Paritätische in Bayern Ursula Barrois mit dem Luise-Kiesselbach-Preis ausgezeichnet
  • Die Initiative hilft nicht erst, wenn es zu spät ist, sondern arbeitet auch präventiv

 

 

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