30.03.2021 - 08:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nicht-Oberpfälzer will Oberpfälzer Theater noch bekannter machen

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Adrian Wenck arbeitet seit Jahren für die unterschiedlichsten Bühnen. Seit 2018 ist er jetzt beim Landestheater Oberpfalz (LTO). „In der Oberpfalz ist alles so greifbar“, urteilt er über seine Wahlheimat.

Adrian Wenck unterwegs in der Weidener Altstadt.
von Evi WagnerProfil

„Hamburg ist eine wunderschöne Stadt, keine Frage“, sagt Adrian Wenck. „Die Elbe, der Hafen. Aber was uns am Ende extrem genervt hat, war zum Beispiel das Wetter. Man erlebt keine echten Jahreszeiten mehr, im Sommer ist es mal drei Wochen extrem heiß, der Rest des Jahres sieht man nur betongrauen Himmel. Außerdem hat es uns schon länger wieder rausgezogen aus der Großstadt.“

Als seine Freundin eine Stelle als Historikerin in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg bekam, entschied sich der ehemalige Wahlhamburger schnell dazu, auch in die Oberpfalz zu ziehen. Auch wenn er zunächst keine Vorstellung davon hatte, was ihn erwarten würde.

Unbekannte Oberpfalz

Schnell integriert: „Über die Oberpfalz wusste ich damals so gut wie gar nichts“, erzählt Adrian Wenck und lacht. „Ich hatte also auch keine Vorurteile. Trotzdem war ich dann positiv überrascht – auch von meinem neuen Job am LTO. Am typischen Stadttheater fühlt man sich wie im Elfenbeinturm, die Künstler bleiben eher unter sich. Hier ist dagegen alles so nahbar. Die Schauspieler mischen sich nach einer Aufführung unters Publikum. Man arbeitet eng zusammen, jeder kennt den anderen. Wir sind hier tatsächlich ein echtes Team.“

Bei seinem Start im September 2018 beim Landestheater Oberpfalz übernahm Adrian Wenck die Leitung des Projektes „ZwischenSpielRaum“, das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert wird. Dabei ging es darum, kulturelle Aktivitäten im ländlichen Raum zu unterstützen. „Geplant war, dass das LTO in den Jahren 2018, 2019 und 2020 mit drei Dörfern in drei Landkreisen der nördlichen Oberpfalz zusammenarbeiten wird, um in einem dörflichen Leerstand im Ortskern eine temporäre Bühne zu etablieren.“

So wurde zunächst das alte Raiffeisengebäude in Waldthurn im Landkreis Neustadt an der Waldnaab zum Theater auf Zeit, die Stücke „Die Wanze“ und „Kellnerin Anni“ kamen unter anderem hier auf die Bühne. „Corona hat uns dann leider auch bei diesem Projekt einen Strich durch die Rechnung gemacht“, bedauert Wenck. „Wir mussten das Projekt notgedrungen zum 31. Dezember 2020 beenden. Zurzeit bin ich daher ausschließlich für die Öffentlichkeitsarbeit des LTO zuständig. Das heißt: Alles, was rausgeht – egal ob Programm- oder Spielzeithefte, Plakate oder Pressemeldungen – erledige ich zusammen mit einer Kollegin. Wir arbeiten hart daran, das LTO bis in den letzten Winkel der Oberpfalz bekannt zu machen.“

Vorzüge der Provinz

Im Moment arbeitet der Theatermann – wie so viele andere auch – vorwiegend im Home-Office in seiner Wohnung in der Weidener Innenstadt. Dort lebt er mit seiner Freundin und seinem kleinen Sohn. „Gerade in diesen Zeiten sind wir schon froh, dass wir nicht eine Stunde mit der S-Bahn fahren müssen, um mit dem Kleinen ins Grüne zu kommen“, lobt er die Vorzüge des Kleinstadtlebens.

Wie die meisten Kulturschaffenden durchlebt er momentan keine einfache Zeit. „Es ist extrem zermürbend, weil man immer wieder Pläne macht, die dann sowieso wieder umgeworfen werden müssen. Du denkst und planst – und planst dann wieder aufs Neue. Wir wissen jetzt zwar, wie die Sommerfestspiele aussehen sollen. Aber letztlich sind wir immer abhängig von den politischen Entscheidungen: Dürfen wir spielen? Wie viele Zuschauer dürfen aufs Gelände?“

Wie für das gesamte Team des Landestheaters Oberpfalz heißt es auch für Adrian Wenck: durchhalten. Dafür ist in diesen unsicheren Zeiten für den Neubürger zumindest eines sicher: In der Oberpfalz möchte er auf jeden Fall bleiben!

Hier geht's zum LTO

Mitmachen erlaubt: Beim LTO stehen regelmäßig Kinder und Jugendliche auf der Bühne - wie hier beim Stück „Die kleine Hexe“ auf der Burg Leuchtenberg 2019.
Info:

Ganze Familie schnell integriert

Neubürger mit Kindern, aufgepasst: Auch Kinder und Jugendliche können beim Landestheater Oberpfalz regelmäßig erfahren, was es bedeutet, selbst Theater zu spielen – und sogar beim Jugendstück der Sommerfestspiele selbst auf der Bühne stehen. Und nicht nur auf der Bühne sind viele Kinder und Jugendliche zu finden, sondern auch im Publikum: Rund 45 Prozent aller Zuschauer des Landestheaters Oberpfalz sind derzeit unter 18 Jahre alt.

Um den kulturellen Nachwuchs in der Oberpfalz noch besser fördern zu können, wurde 2017 die Sparte „Junges LTO“ gegründet. Diese Sparte bündelt alle Aktivitäten des LTO bezüglich Kindern und Jugendlichen: ob als Zuschauer qualitativ hochwertiger Theatererlebnisse oder als Mitspieler in Kinderkursen, dem Märchenensemble der Sommerfestspiele oder dem Jungen Ensemble für Jugendtheaterprojekte, ob als Teilnehmer theaterpädagogischer Projekte in der Schule oder beim Auftritt am Schultheaterfestival, oder in Schauspielworkshops.

Und Eltern und "Solo"-Erwachsene mit Theaterambitionen sind natürlich auch herzlich willkommen.

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