17.06.2019 - 19:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Oberpfalzbahn wird zur Geisterbahn

Kurz nach der Geisterstunde kommt die Oberpfalzbahn in der Nacht zum Sonntag in Nabburg an. Und fährt nicht weiter. Das Gleis ist blockiert. Einige Minuten später gehen die Lichter aus. Für Passagiere wird der Zug zur Geisterbahn.

Ausgebremst wird ein solcher Triebwagen der Oberpfalzbahn.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Unter den Passagieren, die in dieser Nacht noch nach Weiden wollen, befindet sich auch ein NT-Redakteur mit seiner Ehefrau. Er nimmt den Vorfall gelassen, amüsiert sich eigentlich eher über dieses ungewöhnliche Vorkommnis. Mit einiger Verspätung ist das Ehepaar schließlich wohlbehalten in der Max-Reger-Stadt gelandet. Allerdings nicht mit dem Zug. Und das kam so:

In Regensburg hat das Paar den letzten Zug für diesen Tag bestiegen, der eigentlich um 0.42 Uhr in Weiden ankommen sollte. "Der Zug war gut besetzt", erzählt der Kollege. In Regensburg war Dult, in Nabburg war Diendorfer Kirwa. In Nabburg traf der Zug planmäßig um 0.19 Uhr ein. Der Motor ging aus. Es hieß, die Strecke sei durch ein liegengebliebenes Schienenfahrzeug blockiert. Das müsse erst abgeschleppt werden. Wenige Minuten später kündigte die Zugbegleiterin an, dass nun das Licht ausgemacht werde. Kurz danach sagte ein Mann durch, das Ganze könne bis zu 3 Stunden dauern. Genau ließe sich das nicht sagen.

"Einige US-Bürger zeigten als erste Absatztendenzen", erzählt unser Kollege. "Einige Passagiere haben sich abholen lassen. Dann kamen auch einige Taxis." Laut Zugbegleiter würden die Kosten dafür nicht übernommen, weil der Zug ja irgendwann weiterfahre. Nach etwa einer Stunde wurde es auch unserem Kollegen zu bunt. Er und seine Frau bestellten sich ebenfalls ein Taxi, das sie sich mit einem anderen Pärchen teilten. 52 Euro kostete der Spaß. "Letztlich sind nur zwei Leute im Zug sitzen geblieben. Alle anderen sind weg."

Und wie ging's weiter? Laut Jörg Puchmüller, Pressesprecher der Oberpfalzbahn, ist der Triebwagen um 2.09 Uhr von Nabburg nach Weiden weitergefahren. Also nach fast zwei Stunden Wartezeit. "So lange war die Strecke gesperrt. Wir klären gerade mit der DB Netz, warum das Fahrzeug nicht auf das zweite Gleis umgeleitet wurde", so Puchmüller am Montagnachmittag gegenüber Oberpfalz-Medien. Ein Ersatzverkehr mit Bussen sei um diese Zeit nur schwer zu organisieren, wirbt er um Verständnis. Die Leitstelle der Bahn könnte in so einem Fall aber Taxen für die Passagiere schicken, sagt er, und fügt hinzu: "Wer sein Taxi selbst bezahlt hat, kann sich an unseren Kundenservice wenden. Da finden wir schon eine Lösung."

Warum den Fahrgästen das Licht ausgeknipst wurde, ist ihm selbst ein Rätsel. "Diese Frage müssen wir noch intern klären. Normalerweise gilt die Regel: Solange Fahrgäste im Zug sind, bleibt das Licht an."

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