Weiden in der Oberpfalz
01.08.2018 - 11:43 Uhr

Ohne Konzept klingt's fad

Das 16. Jazz-Seminar unter Leitung von Thomas Stock

Die Jazz-Seminaristen spielen nach, was ihnen Thomas Stock beigebracht hat. Kunz
Die Jazz-Seminaristen spielen nach, was ihnen Thomas Stock beigebracht hat.

(uz) "Wenn ich ein Schlagzeug-Solo spiele und nicht weiß. was ich will, dann wird das Ganze schwammig. Ich brauche zumindest ein Gerüst, eine Idee, eine Phrase." Der Leiter des Weidener Jazz Seminars, Thomas Stock, referiert im Vorspielraum der Franz Grothe-Schule vor 25 Jazz-Seminaristen, die aus ganz Deutschland für eine Woche in die Max-Reger-Stadt gereist sind, instrumental-übergreifend über die richtige Rhythmik. "Wir Drummer müssen das lernen und ihr müsst es an euren Instrumenten lernen."

Im Wechsel

"Das Schöne daran ist, wenn ich improvisieren will und feste Phrasen habe, dann habe ich Wiederholungen drin." Und auf die will sich der Zuhörer beim Jazz-Konzert einlassen. "Wenn ein Drum-Solo konzeptlos und undurchdacht ist, dann klingt's auch so." Stock setzt sich hinter seine "Schießbude" und demonstriert was er meint: "Ich mach's jetzt mal." Und trommelt er wild drauf los.

Für einen Laien durchaus passabel. Aber seine Seminaristen wissen durchaus, worauf Stock hinaus will. Da ist einfach kein Faden drin. Plötzlich schaltet er um, seine Trommelwirbel bekommen Konturen. Es wiederholt sich. Man hört gerne zu, will mehr. So trommeln eben Weltklasse-Drummer. Viertakter waren dabei, die Drei mal Vier. "Es waren eigentlich nur drei unterschiedliche Kurzthemen", erklärt Stock. Trotzdem: Im Wechsel gespielt, ein brauchbares Frage- und Antwortspiel.

Fünf Tage Unterricht

Solche Dinge lernen die 50 Teilnehmer beim nunmehr 16. Jazz-Seminar. Den zweiten Rhythmik-Kurs leitet Bassist Markus Fritsch. Fünf Tage lang gibt es Band- und Einzelunterricht im Hauptfach, Harmonielehre und Rhythmik. Unterricht manchmal wie im Klassenzimmer. Aber nur manchmal. Trompeter Norbert Ziegler und Pianist Michael Flügel anderen Gruppen, wie das mit der Harmonie so ist. Auch Gerhard Kraus. "Relax. The Guitar Player is here" steht auf seinem schwarzem T-Shirt. Er ist der Gitarren-Dozent und eigentlich in New York zu Hause.

Saxophonist Juri Smirnov und Sängerin Veronika Zunhammer, haben zu diesem Zeitpunkt Pause. Für sie beginnt der Intensiv-Unterricht erst nach dieser allgemeinen Tageseinführung. Alles schwitzt. "Wir haben, glaube ich, wirklich die heißeste Woche erwischt", sagt Stock. "Wir haben aber auch kühlere Zeiten gehabt."

Die Teilnehmer werden nicht gezwungen, am theoretischen Unterricht teilzunehmen. "Manche nehmen es mit dem Rhythmus nicht ganz so genau", lacht Stock, weil einer zu spät eintrudelt. "Andere wiederum üben derweil in den Nebenzimmern an ihren Instrumenten. Ist okay so. Jeder legt seinen Schwerpunkte selber."

Die Angebote stünden. Sie anzunehmen oder nicht, stehe jedem frei. Sieben große Räume in der Musikschule sind den Combos vorbehalten. Aber es gibt noch zehn kleinere Zimmer mit Klavier zum Üben. "Für Leute, die in den Pausen nachbereiten oder Improvisationen mit Hilfe eines Metronoms üben wollen, die sie später bei den Jazz-Sessions einsetzen."


Kunst der Improvisation

Für den Nachmittag ist eine Combo-Probe geplant. Und die Dozenten gönnen sich eine kurze Anspielprobe für ihr Konzert in der Schalterhalle der Sparkasse Oberpfalz Nord am Abend. "Heute haben die Teilnehmer einen relaxteren Tag, dafür wir einen ein bisschen stressigeren."

Auch Michael Flügel kennt sich in der Harmonielehre aus. Man müsse wissen, wie Harmonie in den einzelnen Genres funktioniert, sagt er. Denn anders als in der Klassik, wo interpretiert wird, werde im Jazz improvisiert. Wie sich Klassik und Jazz allerdings ergänzen können, das demonstriert Flügel am Abend beim Sparkassen-Konzert mit einem eigens von ihm arrangierten "Unser Leben währet" von Heinrich Schütz aus dem 17. Jahrhundert.

Im Erdgeschoss unterrichtet Gerhard Kraus "The Guitar Man" Harmonielehre. Kunz
Im Erdgeschoss unterrichtet Gerhard Kraus "The Guitar Man" Harmonielehre.
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.