24.10.2021 - 10:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Parkrempler in Weiden keine Seltenheit: Das ist zu tun, wenn's kracht

Einen Moment nicht aufgepasst, und schon ist es passiert: ein Parkrempler. Einen Zettel an die Windschutzscheibe zu klemmen, reicht aber nicht. Das ist trotzdem Unfallflucht. Der Weidener Polizist Johann Wurm erklärt, was zu tun ist.

Schnell ist es passiert: ein Parkrempler. Dann nur einen Zettel hinter die Windschutzscheibe zu kleben, reicht nicht. Ein Polizist aus Weiden erklärt, was zu tun ist.
von Caroline Keller Kontakt Profil

Ihr Auto hatte Katrin Heining gerade mal drei Monate, da ist es schon passiert: ein Parkrempler. Ein zunächst Unbekannter ist an ihr parkendes Auto gefahren. "Passiert ist das ganze im Januar in der Mooslohstraße in Weiden. Ich war gerade bei meinem Freund und mein Auto war ordnungsgemäß am Fahrbahnrand geparkt", schreibt die 28-Jährige in einer E-Mail an Oberpfalz-Medien.

Parkrempler wie im Fall von Katrin Heining sind in Weiden keine Seltenheit, berichtet Polizeihauptkommissar Johann Wurm von der Polizeiinspektion Weiden: "Im letzten Jahr hatten wir in Weiden ungefähr 350 Unfallfluchten. Davon sind 200 nicht geklärt. Die Schäden liegen oft bei 1000 Euro und höher."

Dunkelziffer hoch

Auch am Auto von Katrin Heining entstand ein großer Schaden. "An meinem Auto wurde die komplette linke Seite beschädigt und meine Hinterachse nach vorne gedrückt. Das war am Ende ein Schaden von rund 15.000 Euro", schildert die junge Frau. Bei einer Unfallflucht, würden die Geschädigten die Kosten für die Reparaturen dann oft selbst tragen, erklärt Polizeihauptkommissar Wurm. Die Dunkelziffer der Unfallfluchten nach Parkremplern schätzt Wurm höher ein als die aktuellen Zahlen dazu: "Oft wird uns ein Parkrempler nicht gemeldet, weil die Leute es nicht bemerken."

Katrin Heining hat Glück. Eine Nachbarin hat den Unfall gesehen. Diese konnte sich zwar nicht das Kennzeichen, aber Modell und Farbe des Autos merken. Als die Polizei den Unfall damals aufnimmt, macht sich der Ehemann der Nachbarin auf den Weg zur Arbeit. "Er kam allerdings nach wenigen Minuten zu uns zurück, um den Polizisten mitzuteilen, dass mein Unfallgegner nur wenige Meter entfernt beim Getränke Burger steht", schreibt die 28-Jährige. Die Beamten vergleichen daraufhin die Spuren an den jeweiligen Autos. Und tatsächlich handelt es sich um den Verursacher. Sein Auto war so stark beschädigt, dass er damit nicht mehr weiter fahren konnte.

Konsequenzen bei Kfz-Versicherung

Parkrempler klingt harmlos, wer das aber nicht einräumt, begeht eine Unfallflucht. Eine Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat mit empfindlichen Geldstrafen und kann, je nach schwere, einen Entzug der Fahrerlaubnis zur Folge haben. Auch seitens der Kfz-Versicherung kann es zu Konsequenzen kommen. Pressereferent Jürgen Haux der Versicherungskammer Bayern erklärt, dass der Schaden des Geschädigten übernommen wird. Dann wird der Vertrag des Verursachers geprüft, ob er gegen seine Pflicht, seiner Kfz-Versicherung den Schaden des Geschädigten zu melden, verstoßen hat. "Falls ja, kann die Versicherung im Einzelfall ihre Leistung aus dem Schadenfall vom Versicherungsnehmer ganz oder teilweise zurückfordern", erklärt Haux.

Zeugenhinweise wichtig

Wenn der Verursacher nicht gefunden werden kann, bleibt der Geschädigte auf seinem Schaden sitzen, es sei denn, das eigene Fahrzeug ist über eine Vollkaskoversicherung versichert. Diese ist in Deutschland aber nicht Pflicht. Nur die Kraftfahrthaftpflichtversicherung muss jeder Fahrzeughalter abschließen. Häufig kann die Polizei die Unfallfluchten trotzdem aufklären, weil es Hinweise durch Zeugen gibt. "Die Leute sind dadurch keine Petzer. Es gehört eigentlich zur gesellschaftlichen Verantwortung Hinweise an die Polizei zu geben, wenn man etwas gesehen hat", erklärt Polizeihauptkommissar Wurm.

Das sieht auch Peter S. aus Grafenwöhr so. Er hat schon dreimal dazu beigetragen, dass Unfallfluchten aufgeklärt wurden. In einem Fall wurde eine Leitplanke bei einem Kreisverkehr in Grafenwöhr beschädigt. "Beim Vorbeifahren habe ich gesehen, wie die Polizisten an der Unfallstelle ein silbernes Fahrzeugteil hoch hielten", erzählt er am Telefon. Nicht weit von der Stelle entfernt entdeckt er ein beschädigtes, silbernes Fahrzeug. Die Polizei stellt bei ihren Ermittlungen nach dem Zeugenhinweis fest, dass es sich um das Fahrzeug des Unfallverursachers handelt. Peter S. bekommt für seine Mithilfe eine Auszeichnung. "Wenn man Zeuge eines Unfalls wird, sollte man keine Scheu haben und die Polizei anrufen", ist er sich sicher.

Ein Zettel allein reicht nicht

Doch was ist zu tun, wenn ich der Verursacher eines Parkremplers bin? Polizeihauptkommissar Wurm klärt auf: "Ein Zettel allein an der Scheibe reicht nicht. Wenn der Geschädigte am Unfallort ist, tauscht man mit ihm Personalien aus." Ist dies nicht möglich, wartet der Verursacher eine "angemessene Zeit". Laut Wurm ist das von der Situation abhängig: "Wenn man die Leitplanke auf der Landstraße erwischt, braucht man nicht warten, sondern ruft gleich die Polizei an." Auf dem Parkplatz eines Supermarktes hingegen sollte man etwa eine halbe Stunde warten. Dann ruft man am besten die Polizei. "Man muss dann auch keine Strafen von der Polizei fürchten", gibt Wurm Entwarnung. "Wichtig ist, dass man sich meldet und der Geschädigte seinen Schaden gezahlt bekommt."

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Service:

Was melde ich meiner Kfz-Versicherung?

  • Genaue Zeit und genauen Ort des Schadenereignisses
  • Kennzeichen des beschädigten Fahrzeugs
  • Name und Kontaktdaten des Geschädigten (sowie von möglichen Zeugen)
  • Schilderung des Unfallhergangs (Unfallskizze, noch besser sind Fotos des Unfalls)
  • Falls die Polizei den Unfall aufgenommen hat, muss auch das Aktenzeichen der polizeilichen Ermittlungsakte angegeben werden
  • Die Versicherungskammer Bayern empfiehlt gegenüber dem Geschädigten keine Schuldanerkenntnis abzugeben, da die abschließende rechtliche Beurteilung dem Versicherer obliegt

"Die Leute sind dadurch keine Petzer. Es gehört eigentlich zur gesellschaftlichen Verantwortung Hinweise an die Polizei zu geben, wenn man etwas gesehen hat."

Polizeihauptkommissar Johann Wurm

Polizeihauptkommissar Johann Wurm

 

 

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