19.10.2019 - 08:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Passant zeigt Busfahrer an und landet selbst auf Anklagebank

Ein 37-Jähriger geht wegen der angeblich rasanten Fahrweise eines Weidener Busfahrers zur Polizei. Im Laufe der Ermittlungen widerlegt ein Video aus der Bordkamera seine Aussage - und er wird ein Fall fürs Amtsgericht.

Und rum ums Eck. An den Ecken Weigel-/Bahnhofstraße geht's eng zu. "Mein Mandant hat die Situation wirklich als gefährlich empfunden", sagt der Verteidiger.

Einen ungewöhnlichen Fall hat am Donnerstag Amtsrichter Hubert Windisch zu verhandeln. Ein 37-Jähriger aus dem Bayerischen Wald hatte einen Weidener Busfahrer angezeigt. Dieser sei mit seinem Bus bei Rot über die Ampel um die Ecke Bahnhof- in die Weigelstraße gebrettert. Der Busfahrer habe dabei gehupt und sei in einem Abstand von 20 Zentimeter an ihm vorbei um die Kurve gefahren. Er und ein weiterer Passant hätten sich nur durch einen beherzten Sprung oder Schritt zurück in Sicherheit bringen können.

Der 37-Jährige erstattete damals, am 10. September 2018, sofort Anzeige auf der Weidener Polizeiwache. "Ich hatte wirklich edle Absichten. Will man warten, bis es Tote gibt?" Der Busfahrer hatte daraufhin mächtig Ärger am Hals. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Allerdings befinden sich an Bord der Stadtbusse Kameras. Die Videos widerlegen laut Polizei die Version des Passanten: Der Bus hupt nicht; der Abstand zum Angeklagten beträgt einen halben Meter; und ein zweiter Passant springt auch nicht weg.

Vor Gericht steht damit nicht der Busfahrer. Sondern der Anzeigeerstatter. Er hat einen Strafbefehl wegen falscher Verdächtigung nicht akzeptieren wollen. Umso mehr gibt der Anzeigeerstatter Gas in der Kommunikation mit und über die Polizei. Selbst vor Gericht hält er mit seiner Meinung über Ordnungshüter nicht hinter dem Berg. Als junger Mann habe er Staatsanwälte und Polizisten bewundert, "ich dachte, die sind ehrenhaft". Diese Meinung habe er "komplett geändert". Das Video hält er für eine Verwechslung, obwohl er selbst das Kennzeichen genannt hatte: "Das muss vom nachfolgenden Bus sein."

Den zuständigen Beamten der PI Weiden soll er am Telefon beleidigt haben: Dieser mache seine Arbeit "schlampig" und sei in seinem Beruf falsch aufgehoben. Der Bayerwaldler schrieb zudem Briefe an die Polizeiinspektion Weiden, die in der Wortwahl so krude waren, dass die Kriminalpolizei den 37-Jährigen befragte. "Die wollten wissen, ob ich der Reichsbürgerszene angehöre", ist er empört. Das Telefonat mit dem Polizeibeamten habe er mitgeschnitten (was ihm zusätzlich eine Anzeigen wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes einbrachte). Den Mitschnitt habe er nicht mehr. Dieser sei nach dem Kripo-Besuch plötzlich vom Handy verschwunden gewesen. Ohnehin: Das Handy sei nur geliehen gewesen, von der Aufnahme-App habe er nichts gewusst.

Die Zuhörer am Donnerstag - Siebtklässler aus Grafenwöhr - runzeln zunehmend die Stirn. Nicht nur sie wundern sich über Verschwörungstheorien, die weit in die Vergangenheit reichen. Die Schüler werden vom Angeklagten prompt in seine Verteidigung eingebaut: "Ich habe mit meiner Anzeige nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt", sagte der 37-Jährige. "Wir haben hier eine ganze Schulklasse. Wenn die zusammengefahren wird, dann hätte ich ein schlechtes Gewissen."

Nach einem Rechtsgespräch hört der Mann aus dem Bayerwald letztlich doch auf seinen Anwalt Alexander Greithaner: Er akzeptiert die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 900 Euro.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.