15.01.2020 - 20:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Passfotoautomaten: "Keine Hysterie"

Geht es nach dem Willen des Bundesinnenministeriums, können Fotos für Pässe künftig nur noch in den Rathäusern entstehen. Fotografen in der Oberpfalz reagieren auf diese Idee zurückhaltend.

Nach einem Vorschlag des Bundesinnenministeriums sollen künftig Passbilder nur noch in Rathäusern geschossen werden. In Weiden gibt es einen Automaten schon seit 2012.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

"Ich glaube nicht, dass die das machen können", sagt Manfred Bock, Inhaber des Fotofachgeschäfts Frey in Amberg, zum Gesetzentwurf. Er frage sich, wie etwa behinderte Menschen oder Kleinkinder in einem Automaten fotografiert werden sollen. "Das ist für mich nicht vorstellbar." Bock wolle aber auch "keine Hysterie" schüren, noch sei in dieser Sache nichts entschieden. Stimmen Bundestag und Bundesrat dem Entwurf innerhalb der kommenden Monate zu, könnte das Gesetz frühestens im Sommer 2022 in Kraft treten.

Auch Christine Hübner vom gleichnamigen Fotogeschäft in Weiden ist noch entspannt und wartet ab, ob die Idee tatsächlich umgesetzt wird. "Die biometrischen Passbilder sind aber nicht dazu da, dass wir unseren Spaß haben", sagt die Fotografin. Sollte die Gesetzesänderung für mehr Sicherheit bei den Fotos notwendig sein, sei diese nicht vermeidbar. Aber: "Für uns ist das der absolute Supergau", gibt Hübner zu bedenken. "Wir machen unser Hauptgeschäft mit biometrischen Passbildern." Mit dieser Dienstleistung würde nicht nur ein Teil des Einkommens, sondern auch eine gute Werbung für weitere Bilder wegfallen.

Fotoautomat im Weidener Rathaus seit 2012

Bereits seit Mai 2012 bietet das Rathaus Weiden die Möglichkeit, biometrische Fotos vor Ort anfertigen zu lassen - "im Sinne einer bürgerfreundlichen und kundenorientierten Verwaltung", wie es Pressesprecher Norbert Schmieglitz formuliert. Der Automat macht immer vier Fotos, Kostenpunkt: 10 Euro. Die Lichtbilder werden für etliche Dienstleistungen der Stadtverwaltung benötigt, erläutert Schmieglitz und zählt auf: für einen Personalausweis oder Reisepass, für den Antrag zu einem elektronischen Aufenthaltstitel, eines Führerscheins oder einen Jagd- oder Fischereischeins. Wie viele Menschen den Automaten für Fotos nutzen, darf die Stadt wegen ihres Vertrags mit dem Betreiber des Geräts nicht verraten. "Er wird aber gut angenommen", heißt es von Seiten der Stadt.

Die Stadt Amberg hat bisher auf diesen Service verzichtet - "mit Blick auf die örtlichen Dienstleister und Einzelhändler sowie aus Platzgründen", erläutert Martin Schafbauer, Leiter des Einwohneramts. "Die Bürger wissen es zu schätzen, in der Wahl des Fotographen frei zu sein; durch die Vielfalt der Anbieter sind uns sogar besonders serviceorientierte Lösungen für bettlägerige Menschen, Säuglinge oder für JVA-Häftlinge möglich", ergänzt er.

Aber auch Amberg will gerne noch mehr Service bieten - etwa mit Hausbesuchen für bewegungseingeschränkte Menschen: Wenn sie etwa einen neuen Pass benötigen, kommt ein Mitarbeiter des Einwohneramts mit einem Fotografen in ihre Wohnung. Damit mache das Amt derzeit gute Erfahrungen.

Städtischer Fotograf oder Kooperation mit Dienstleistern denkbar

Abgesehen vom personellen Mehraufwand - die Fotos sollen in Anwesenheit eines Behördenmitarbeiters angefertigt werden - müssen die Ämter technisch aufgerüstet werden, so der Weidener Pressesprecher. In Amberg habe das Einwohneramt laut Schafbauer bereits Selbstbedienlösungen getestet. Dabei wurden Fotos nicht mehr ausgedruckt, sondern in einer gesicherten Datenbank gespeichert, auf die der Bearbeiter des Pass- oder Führerscheinantrags Zugriff hat.

Durch das neue Gesetz müssten nicht zwingend Fotoautomaten in den Behörden aufgestellt werden, so Schafbauer. Er hält eine Lösung mit einem städtischen Fotografen oder die Kooperation mit zertifizierten Dienstleistern für denkbar. Platz dafür gebe es im neuen Amberger Bürgerzentrum.

Der Gesetzentwurf:

Anlass für die Neuregelung ist die Manipulation von Fotos, etwa das sogenannte Morphing. „Bei diesem technischen Verfahren werden Bilder mehrerer Personen – in der Regel zwei – so miteinander vereinigt, dass Sie mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennen können, ob es die eine oder andere Person ist“, erklärte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Wenn ein Passbild so manipuliert sei, könnten beide Personen den Ausweis für einen Grenzübertritt benutzen, heißt es im Gesetzentwurf. Es sei nötig, Pässe und Personalausweise fälschungssicher zu machen, damit deutsche Bürger auch in Zukunft visafrei in die meisten Staaten reisen könnten, so das Ministerium.

Jede Passstelle soll dem Entwurf zufolge zwei Foto-Automaten bekommen. Das Passbild ist „in Gegenwart eines Mitarbeiters“ aufzunehmen und „elektronisch zu erfassen“. Ein Passbild werde voraussichtlich zwischen vier und sechs Euro kosten, sagte der Sprecher. Die Gebühr für einen Pass oder einen Personalausweis soll zudem innerhalb der ersten fünf Jahre um rund drei Euro steigen, heißt es in dem Entwurf des „Gesetzes zur Stärkung der Sicherheit im Pass- und Ausweiswesen“. 177 Millionen Euro soll die Anschaffung und Wartung der Foto-Automaten in den ersten fünf Jahren kosten, wie es in dem Entwurf heißt. Für die Instandhaltung der Foto-Terminals fielen nach Ablauf der ersten fünf Jahre rund 12 Millionen Euro jährlich an.

Außerdem soll die Gültigkeit von Kinderreisepässen, die weder Chip noch biometrische Daten in sich tragen, dem Papier zufolge auf ein Jahr verkürzt werden. Kinderreisepässe mit biometrischen Daten werden demnach weiterhin beantragbar sein; sie seien sechs Jahre lang gültig. Damit setze das Ministerium eine EU-Verordnung um. (dpa)

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