15.10.2018 - 17:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Pater Anselm Grün: Von der Würde bis zur Liebe

Pater Anselm Grün und "Bavaria Brass" gestalten ein einzigartiges Potpourri an Musikstücken und Erzählbeiträgen zu den zwölf Tugenden. Die Josefskirche bietet dazu einen passenden wie ungewöhnlichen Rahmen.

Tugendwächter Pater Anselm Grün zu Gast in der Josefskirche.
von Helmut KunzProfil

Seine ruhige Art kam an. Am Sonntagabend sprach Pater Anselm Grün beim Förderkreis für Kirchenmusik in St. Josef über die zwölf Tugenden. Der Theologe und studierte Philosoph aus der Abtei Münsterschwarzach hat sich während seines theologischen Wirkens viel mit der Psychologie Carl Gustav Jungs und asiatischen Meditationstechniken beschäftigt und vermittelte den Besuchern Impulse, wie Tugenden ihr Leben bereichern können.

Dazu spielten Trompeter Benjamin Sebald und Organist Walter Thurn von "Bavaria Brass" auf der Empore die Heldenmusik von Philipp Telemann. Der Komponist hatte sich bereits 1728 in seiner Zeit als Musikdirektor der Stadt Hamburg mit dieser Thematik beschäftigt und Märsche zu zwölf erstrebenswerten Eigenschaften eines Menschen geschrieben.

Der Abend begann mit einem festlichen Trompetensolo, das die barocke Musikalität Telemanns unterstrich. Dann erklärte Pater Anselm die erste Tugend, die Würde, als unantastbar, wie vom Grundgesetz vorgeben. „Würde kommt von Wert. Der Mensch ist wertvoll, weil Gott ihn selber geschaffen hat.“ Mächtig und mit viel Spielfreude dargestellt von Orgel und Trompete.

Es folgten weitere Tugenden: Anmut, Tapferkeit, Ruhe, Rüstung. Das Duo Sebald und Thurn folgte mit zeitgenössischen Arrangements aus der schöpferischen Werkstätte Telemanns. Die anspruchsvolle Inszenierung war darauf angelegt, die Gedanken des Paters zu vertiefen. Liebe sei mehr als ein Gefühl, unterstrich der Geistliche. „Sie ist eine Tugend, die nötig ist, damit unser Leben taugt.“ Entsprechend liebe- und wirkungsvoll wurde dieser Wortbeitrag von den Instrumenten begleitet.

Von Beginn an wurde deutlich, welch spezifisches Anliegen es den beiden Künstlern war, den spirituellen Ausführungen des Redners musikalische Gestalt zu geben. Pater Anselm beschrieb weitere Tugenden: Wachsamkeit, Ausgelassenheit, Sanftmut. Und jede einzelne wurde gewürdigt. Großmut etwa, die in der Bibel zunächst als Haltung Gottes den Menschen gegenüber verstanden worden sei. Eine Haltung, die auch der Mensch nachahmen sollte.

Musikalische Gedankenlinien folgten. Pater Anselm Grün ging es auch darum, die Hoffnung zu erläutern, die im theologischen Sprachgebrauch eine göttliche Tugend sei. Ebenso die Freude, als Ausdruck eines erfüllten Lebens. „Wenn ich intensiv lebe, mit allen Sinnen lebe, dann reagiert meine Seele mit Freude.“ Orgel und Trompete feierten diese finale Botschaft bombastisch.

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