08.02.2021 - 10:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Pater Gerhard Lagleder schildert Corona-Situation in Mandeni/Südafrika

Die südafrikanische Variante des Coronavirus gilt als besonders ansteckend. Zwar ist das von Pater Gerhard Lagleder geleitete Malteser-Hilfszentrum bei Durban bisher einigermaßen glimpflich davon gekommen. Doch es gibt einen Todesfall.

In den Kliniken der "Brotherhood of Blessed Gérard" gab es unter den Patienten glücklicherweise keine Corona-Infektionen. Die Hygienevorschriften werden nach Angaben von Pater Gerhard Lagleder streng eingehalten
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Zu der sozial-karitativen Einrichtung des Malteser-Ordens nördlich von Durban gehören neben einem Kinderheim unter anderem noch ein Hospiz und eine Klinik für unterernährte Kleinkinder und Säuglinge. Patienten also, für die eine Infektionskrankheit eine ernsthafte Bedrohung darstellen würde. Doch die Klinikpatienten blieben bisher verschont. "Leider ist aber eine unserer Krankenschwestern an Corona gestorben", bedauert Pater Gerhard Lagleder im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Weitere 15 Mitarbeiter waren infiziert, alle durch Kontakte Zuhause. Bei zweien war der Krankheitsverlauf etwas schlimmer. Inzwischen sind alle 15 aber genesen und wieder im Dienst.

Ein Infektionsfall im Kinderheim

Einen Infektionsfall gab es auch im Kinderheim, berichtet der Pater, der 1976 sein Abitur am Weidener Augustinus-Gymnasium abgelegt hat. Der Fall betraf allerdings kein Kind, das sich bereits in der Einrichtung befunden hatte. "Wir haben im Januar ein Mädchen neu aufgenommen, das bei der Aufnahme getestet wurde. Als sich herausstellte, dass das Untersuchungsergebnis positiv war, wurde sie sofort isoliert." Schon wenig später sei der Test bei dem Kind negativ ausgefallen. Pater Gerhard vermutet deshalb, dass die Krankheit bei dem Mädchen bereits im Abklingen war, als es in die Einrichtung kam. Angesteckt wurde niemand. Immerhin 52 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn Monaten bis 18 Jahren leben in dem Heim.

Mit 40 Plätzen ist das Hospiz in Mandeni – so der Name der Stadt rund 100 Kilometer nördlich von Durban – das größte stationäre Hospiz in Südafrika und größer als jede bundesdeutsche Einrichtung dieser Art. Die meisten Patienten dort leiden an Aids oder Krebserkrankungen, sind also immungeschwächt und somit anfällig für Infektionen. Doch Pater Gerhard und seinen Mitstreitern ist es bisher gelungen, das gefährliche Virus von ihnen fernzuhalten.

"Wir haben umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen getroffen." Hände waschen und Desinfektion sind ebenso selbstverständlich wie Masken und Schutzkleidung. An Masken und Desinfektionsmitteln herrscht nach Angaben des gebürtigen Regensburgers übrigens kein Mangel. "Nur ganz am Anfang der Pandemie gab es leichte Engpässe. Aber dann haben wir viele Sachspenden erhalten." Insgesamt werden von der Malteser-Hilfsorganisation allerdings knapp 700 Aids-Patienten langfristig ambulant betreut. Ob darunter Menschen mit einer Corona-Infektion sind, entzieht sich der Kenntnis der Helfer. "Die Menschen, die im Busch leben, verstehen Vorgaben wie Masken tragen oder Abstand halten nicht. Viele glauben noch, dass Krankheiten von bösen Geistern kommen."

Allein in den vergangenen zehn Monaten sind drei Wölfe im Landkreis Neustadt/WN angefahren worden

Hütten bei Grafenwöhr

Immerhin: Am 1. Februar sei die erste Million Impfdosen gegen den Coronavirus im Land eingetroffen, erzählt Pater Gerhard. Auf der Prioritätenliste steht das medizinische Personal ganz oben, gefolgt von den alten Menschen, ähnlich wie in Deutschland. Bei knapp 60 Millionen Einwohnern werde es allerdings eine ganze Weile dauern, bis alle versorgt werden könnten. "Wir haben unseren Bedarf angemeldet und sind gespannt, wann wir an die Reihe kommen."

Jetzt unter 100 000 Erkrankte

Doch obwohl viele Krankenhäuser des Landes inzwischen mit Corona-Infizierten überlastet sind: Der Benediktiner-Missionar hat auch eine gute Nachricht. "Die Situation hat sich inzwischen stark gebessert." Mit 239 799 aktiv Erkrankten habe die zweite Welle am 11. Januar 2021 die Spitze erreicht. "Seit dieser Woche liegt diese Zahl unter 100 000." Ein deutlicher Rückgang, vermutlich dank verschärfter Vorschriften zum Beispiel bei der Ausgangssperre, mutmaßt der Pater.

Er selbst halte sich ebenfalls "brav" an die Vorgaben, auch wenn "das ewige Verstecken vor Corona" an den Nerven zehre. Er halte sich nur im Büro, in der Kirche und in seiner Wohnung auf. Andere Wege sind tabu.

Hintergrund:

Die "Bruderschaft des seligen Gerhard"

  • Die "Brotherhood of Blessed Gérard" – auf deutsch: die "Bruderschaft des seligen Gerhard" – ist das Hilfswerk des Malteser-Ordens in Südafrika.
  • Benannt ist die Bruderschaft nach dem seligen Gerhard, der 1099 den Malteser-Orden gründete.
  • Die Bruderschaft betreibt in Mandeni (Provinz: kwaZulu/Natal) eine sozial-karitative Einrichtung. Dazu gehören ein Hospiz mit 40 Plätzen, eine Klinik für unterernährte Säuglinge und Kleinkinder sowie ein Kinderheim mit 52 Plätzen. Die Einrichtung betreut außerdem knapp 700 Aids-Kranke ambulant.
  • Zu den vielfältigen Angeboten zählen außerdem ein Nothilfe-Fonds, Erste-Hilfe- und Notdienst, Hungerhilfe sowie ein Stipendien- und ein Krankenhilfsfonds.
  • Ins Leben gerufen wurde die "Brotherhood of Blessed Gérard" 1992 von Pater Gerhard Lagleder. Der gebürtige Regensburger besuchte das Bischöfliche Knabenseminar in Weiden, absolvierte 1976 am Augustinus-Gymnasium das Abitur und gründete auch die Malteser in Weiden.
  • Pater Gerhard lebt seit 1987 in Südafrika und ist vielen Menschen in der Nordoberpfalz durch seine Vortragsreisen bekannt.
  • Wer die Einrichtung unterstützen will, kann dies über das Spendenkonto der "Bruderschaft des seligen Gerhard". IBAN: DE37 7215 2070 0000 0120 21.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.