24.01.2020 - 11:04 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Paul Wutz verstorben

Als Stadtpfarrer von Neunkirchen (Weiden) formte Paul Wutz in den Jahen 1960 bis 1996 den neuen Stadtteil: Er stellte im großen Stil Kirchengrund als Bauland zur Verfügung. In der Nacht zum Donnerstag verstarb der Kirchenmann.

In der Nacht zum Donnerstag verstarb Stadtpfarrer i. R. Paul Wutz im Seniorenheim in Neustadt/WN.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Paul Wutz kannte die Höhen und Tiefen des Lebens. Er war noch Weltkriegssoldat, kam 1946 aus britischer Gefangenschaft zurück. Schon mit sechs Jahren hatte der Bauernbub seine Mutter verloren. Auch darum war er später als Stadtpfarrer in Neunkirchen seinen Schäfchen stets besonders nah. 36 Jahre hinweg lenkte er von 1960 bis zu seiner Resignation im Jahr 1996 die Geschicke der Pfarrei, die er wie kein zweiter prägte. Hochbetagt verstarb Paul Wutz in der Nacht zum Donnerstag im Seniorenheim in Neustadt/WN.

Am 12. August 1926 in Gänsschnabl (bei Rötz) geboren, wuchs er mit zehn weiteren Geschwistern auf dem elterlichen Bauernhof auf. Wie seine sieben Brüder musste er vom Arbeitsdienst, gerade 18 Jahre alt geworden, an die Front. Nach dem Abitur studierte er Theologie in Regensburg und wurde an seinem Namenstag im Jahr 1954 zum Priester geweiht.

Nach einem Jahr als Kooperator in St. Christoph/Neukirchen und fünf Jahren als Präfekt am Knabenseminar Obermüster übernahm er zum 1. November 1960 die Pfarrei Neunkirchen, die damals gerade mal 656 Gläubige zählte. Dabei wohnten nur 76 Katholiken in Neunkirchen selbst. Wutz bemühte sich um eine aktive Siedlungspolitik, die er (wie sein evangelischer Amtsbruder) ermöglichte, indem Kirchengrund im Erbbaurecht vergeben wurde. Ab 1963 konnten 121 Familien ihre Häuser auf Flächen der katholischen Pfarrpfründe errichten. Später wurden weitere Bauflächen in der damals noch zum Landkreis Neustadt/WN gehörenden selbstständigen Gemeinde verkauft. Für diese Lebensleistung erhielt er auch das Bundesverdienstkreuz. Heute zählt der Ortsteil Neunkirchen rund 1800 Bürger.

Durch seine offene soziale Einstellung wurde eine dynamische Entwicklung im Ortsteil möglich. Gerade von den vielen in Neunkirchen bauenden Lehrerfamilien unterschätzt, gelang es Wutz mit Lebensnähe und Überzeugungskraft, oft auch mit einer Portion Humor und Bauernschläue, die neuen Bürger gut in die Pfarrei zu integrieren. Ihm ist es auch zu danken, dass das lange strikte "Nebeneinander" von katholischen und evangelischen Neunkirchenern aufgeweicht wurde. Nie machte er einen Hehl daraus, dass er mit der Eingemeindung Neunkirchens nach Weiden (im Jahr 1972) so gar nicht einverstanden war.

1980 baute Wutz das neue Pfarrheim. 1992 entstand unter seiner Regie der neue Kindergarten. 1996 ging Wutz, selbst passionierter Jäger und aktiver Jagdhornbläser, mit 70 Jahren in den Ruhestand. Er blieb als "Pfarrer in Rufbereitschaft" in der Region gefragt. Über viele Jahre wirkte er auch als Krankenhaus- und Gefängnisseelsorger. Beerdigung am Donnerstag, 30. 1., in Neunkirchen: 14.30 Uhr Requiem, anschließend Beisetzung.

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