(phs) Der milde Spätsommer zog nicht nur Trauernde auf die Friedhöfe. In Großstädten sehen manche darin offenbar nur idyllische Parkanlagen und nutzen sie für alles Mögliche: Grillen, Slacklining, Fußball mit Gräbern als Torpfosten, Sex. Vor allem aber sind Friedhöfe beispielsweise in München beliebte Jogging- und Fahrradstrecken.
Von einer "Plage", wie es ein Münchener Friedhofwärter nennt, möchte in Weiden niemand sprechen, trotzdem verhalten sich auch hier nicht alle satzungskonform. "Radler und Fußgänger nutzen das gern als Abkürzung", sagt Peter König, der am Stadtfriedhof arbeitet. Das Abkürzen ist prinzipiell nicht verboten, aber Radfahren ist dort eben nicht vorgesehen. "Und wenn du dann was sagst, beschweren die sich gleich." Gleiches gilt für Gassigeher. Die Friedhofsatzung der Stadt erlaubt lediglich Blindenhunde.
Neulich hatten König und Kollegen Ärger mit einem Rollerfahrer. Der schob sein Gefährt zwischen den Gräbern durch, weil er einen Farbkübel zur benachbarten Firma Prichta transportieren wollte. Obwohl er auf den Verstoß hingewiesen wurde, war der Mann kurze Zeit später schon Wiederholungstäter.
Münchener Verhältnisse mit verschwitzten Jogginggruppen oder klingelnden Radlern, die sich ihren Weg durch Trauergesellschaften an Aussegnungshallen bahnen, kennt König nicht. Allerdings musste freitags schon mal jemand zum benachbarten Wasserwerk laufen, wo die SpVgg kickte und der Lautsprecher das Stadion beschallte, während nebenan eine Familie sich still von einem Verstorbenen verabschiedete.
Auch schon passiert: Eine Entsorgungsfirma leert zu Beerdigungszeiten vor dem Haupteingang Container, und ihr Lkw blockiert die Zufahrt für gehbehinderte Angehörige oder Leichenwagen.
Ein Kollege Königs vom Waldfriedhof will lieber nicht genannt werden. Doch auch er hat "fast täglich" seine liebe Not mit Radfahrern. "Manche sind wirklich unbelehrbar, vor allem mit E-Bikes haben die manchmal einen Affenzahn drauf." Das Phänomen: Es seien vor allem ältere Damen, die meinten, dass die Vorschriften nicht für sie gelten.
Die Bußgeldstelle habe in dieser Angelegenheit aber noch keinen Brief verschickt, teilt Stadt-Pressesprecher Norbert Schmieglitz mit. Grundsätzlich scheint ohnehin zu gelten: Je kleiner die Kommune, desto gesitteter geht es zwischen den Gräberfeldern zu. In Vohenstrauß, Altenstadt/WN, Windischeschenbach oder Grafenwöhr gibt es auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien keine Probleme.













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