21.01.2021 - 14:42 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"In Pfrentsch herrscht ein anderes Klima als in Weiden"

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Die Landwirte in der Region müssen auf eine zuverlässige Wettervorhersage bauen können. Die Daten dazu liefern Stationen in den Staatsgütern Almesbach und Pfrentschweiher für ein bayernweites Messnetzwerk.

Betriebsleiter Andreas Kiener erklärt die Funktionen der Wetterstation im Staatsgut Almesbach.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Die Wetterstation im Staatsgut Almesbach gibt es bereits seit über 30 Jahren. Im Mai 2020 kam die Anlage im Staatsgut Pfrentschweiher, das zur Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt Almesbach gehört, hinzu. "Eine Erweiterung war nötig, da man aus dieser Ecke noch keine Wetterdaten hat, in Pfrentsch pflanzenbauliche Versuche durchgeführt werden und der Einfluss der Witterung aus der tschechischen Republik so gut dokumentiert werden kann. Stichwort: der böhmische Wind, also der kalte Ostwind. In Pfrentsch herrscht ein anderes Klima als in Weiden", sagt Betriebsleiter Andreas Kiener

Daten ab 1990 abrufbar

Die Stationen liefern das ganze Jahr über aktuelle Wetterdaten: Temperatur in zwei Metern und 20 Zentimetern Höhe, gefühlte Temperatur, Bodentemperatur in fünf Zentimetern Tiefe sowie Niederschlag. "Auch Schnee, es ist eine Heizung eingebaut, um den Schnee zu schmelzen." Hinzu kommen Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Globalstrahlung. Die Werte sind nicht minutenaktuell, sondern werden circa vier Stunden versetzt übermittelt. "Außerdem ist eine Wettervorhersage mit dabei, und man kann sämtliche Auswertungen selber machen", erklärt der Sprecher. Stunden-, Tage-, Monats- und Jahresauswertungen für alle Wetterdaten wie Temperatur, Niederschlag und so weiter sind ab 1990 abrufbar.

Das Staatsgut Almesbach ist seit Januar eines der sieben Versuchs- und Bildungszentren der Bayerischen Staatsgüter

Weiden in der Oberpfalz

Zur Zielgruppe gehören im Prinzip zwar alle Wetterbegeisterten und alle, die das Wetter interessiert. "Aber hauptsächlich natürlich Landwirte aus der Region. Die Wettervorhersage ist auf die Region angepasst", betont Kiener. Die Anlagen in Almesbach und Pfrentsch gehören zum Messnetz der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising. Aktuell speisen 143 bayerische Wetterstationen, davon 38 in der Oberpfalz, ihre Daten ein. Die Agrarmeteorologie untersucht den Einfluss von Wetter und Klima auf die Landwirtschaft. Bei der Planung von Feldarbeiten steht vor allem die Entwicklung der vergangenen und der kommenden Tage im Vordergrund. "Für uns Landwirte ist das Wetter sehr wichtig. Unsere Arbeit richtet sich nach dem Wetter. Unsere 'Werkstatt' ist im Freien, und je nach Wetter können wir Arbeiten erledigen oder auch nicht. Auf Bauernregeln kann man sich nicht hundertprozentig verlassen", weiß Kiener.

Einfluss der Pandemie aufs Klima?

Auch in Zeiten des Klimawandels sind die Erkenntnisse von großer Bedeutung. Aber ob die Corona-Pandemie einen Einfluss auf das Klima hat, "ist schwierig zu sagen", meint der Experte. "2020 war das drittwärmste Jahr, global gesehen, seit den Wetteraufzeichnungen. Trotz Corona. Nur soviel: 2019 lag die Jahresdurchschnittstemperatur in Almesbach bei 9,5 Grad, 2020 bei 9,3 Grad. Also war es bei uns eigentlich kälter. Das könnte man jetzt von der Pandemie herleiten. Das ist aber schwierig, das Wetter muss man über einen längeren Zeitraum betrachten."

Die Wetterdaten bilden jeweils lückenlos den Klimaverlauf eines Jahres ab, erläutert Walter Kerscher von der LfL. Die Fakten fließen in viele Prognosemodelle und Fachanwendungen für Landwirtschaft, Wein-, Obst- und Gemüsebau ein oder dienen als wichtige Zusatzinformation für Ackerbau (Getreidekrankheiten, Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel oder Rapskrebs), Weinbau (falscher und echter Mehltau), Obstbau (Apfelschorf, Feuerbrand oder Frostwarnung), Gemüsebau (Spargel-Folienmanagement, falscher Mehltau bei Zwiebeln oder Bewässerungsservice), Imkerei (Blühphasenmonitoring, Varroawetter) oder Hausgarten (Frostwarnung, Bewässerungsservice).

Mittlerweile gibt es sogar einen eigenen, extra sicheren Messanger-Dienst für Landwirte und private Nutzer, betont Kerscher. Dazu gehört unter anderem ein "Kübelpflanzenalarm", der daran erinnert, Pflanzen vor etwaigem Frost in Sicherheit zu bringen. Darüber hinaus stellt das LfL auch anderen Behörden die Messergebnisse zur Verfügung, so dem Deutschen Wetterdienst (DWD) etwa zur Berechnung der Waldbrandgefahr oder dem Landesamt für Umweltschutz (LfU) für die Hochwasserwarnung in Bayern.

Hier sind die Wetterdaten abrufbar

"Für uns Landwirte ist das Wetter sehr wichtig. Unsere 'Werkstatt' ist im Freien, und je nach Wetter können wir Arbeiten erledigen oder auch nicht."

Andreas Kiener, Betriebsleiter im Staatsgut Almesbach

Hintergrund:

Die Wetterstation im Staatsgut Almesbach

  • Seit 11. März 1989 in Betrieb
  • Zusätzliche Station seit 13. Mai 2020 in Pfrentsch
  • Teil eines bayernweiten Messnetzwerks mit über 140 Stationen
  • Daten laufen in der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising zusammen
  • Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) nutzt die Daten aus der nördlichen Oberpfalz

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