07.02.2020 - 13:13 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Phantom der Oper in Weiden: Frau zwischen zwei Männern

Wieder einmal trieb das „Phantom der Oper“ in der fast voll besetzten Max-Reger-Halle sein Unwesen.

von Redaktion ONETZProfil

Die musikalische Neuinszenierung des Autorenteams Sasson (Musik) und Sautter (Choreographie und deutscher Text) entstand 2010 zum 100. Geburtstag des Romanautors und fesselt seither die Zuschauer auf über 450 Bühnen in ganz Europa. Dabei wirken 16 Mitglieder eines stimmgewaltigen Ensembles mit. Zum Leidwesen des Publikums musste allerdings Weltstar und Zuschauermagnet Deborah Sasson, die sich auf ihrer Abschiedstournee befindet und die Rolle der Christine spielt, wegen Erkrankung kurzfristig absagen. Sie wurde aber von Zweitbesetzung Nicole Ciroth würdig vertreten.

Der Inhalt des Musicals ist weitgehend bekannt. 1877. Das bisher kaum aufgefallene Chormädchen Christine muss an der Oper für die Star-Sopranistin La Carlotta einspringen und überrascht mit ihrem reinen Gesang. Ihre unglaublichen Fortschritte verdankt sie ihrem neuen Lehrmeister, dessen Stimme ihr Unterricht gibt. Zunächst glaubt sie, der Engel der Musik sei zu ihr gekommen. Doch tatsächlich ist der von Geburt an schwer entstellte Erik ihr geheimnisvoller Mentor. Er hat sich auf der Flucht vor der Verachtung der Menschen in den Kellern der Oper eingerichtet, fördert Christine zum gefeierten Opernstar und gesteht ihr seine Liebe. Doch Christine begegnet auch ihrer Jugendliebe wieder, dem reichen, attraktiven Grafen Raoul de Chagny, in den sie sich verliebt. So ist sie zwischen zwei faszinierenden Männern hin- und hergerissen.

Die Sassons/Sautter-Fassung kopiert keinesfalls die weltbekannte Webber-Version. Sie erzählt nicht nur die wichtigsten Ereignisse der Vorlage, sondern hält sich in immer wieder mal mehr oder weniger starken Parallelen näher an der Buchvorlage. Sowohl musikalisch als auch inszenatorisch beschreitet sie eigene Wege. In die von Sasson originär komponierte Musik wurden einige bekannte Opernarien eingebunden, so Puccinis „O mio babbino caro“, die „Faust-Arien“ von Gounot, Pergolesis „Se tu m’ami“ und „Libiamo“ aus Verdis „La Traviata“.

Imponierend für eine Tournee-Produktion war die Leistung des Orchesters unter Leitung von Sebastian Peter Zippel. Er leitete seine 16 Musiker – Streicher, Bläser, Schlagzeuger, Gitarristen, ein Keyboarder und ein Pianist – grandios durch die abwechslungsreich klingende Partitur. Ebenso konnten die aufwändigen Kostüme und das spektakuläre Bühnenbild punkten. Es lebte vom Zusammenspiel der von Michael Scott von der Metropolitan Opera in New York gebauten Bühnenelementen und den effektvollen, dreidimensionalen Licht- und Videoprojektionen des Multimediakünstlers Daniel Stryjecki. Die verschiedenen Ebenen des Opernhauses, der dramatische Sturz des Lüsters und das geheimnisvolle Stelldichein auf dem Friedhof wurden so äußerst plastisch dargestellt. Die schauspielerischen und tänzerischen Einlagen überzeugten ebenso wie die gesanglichen Darbietungen im Solo, Duett oder Chor.

Nicole Ciroth konnte sich mit prägnanter Sopranstimme voll mit ihrer Rollenfigur Christine identifizieren. Deutschlands Musicalstar Nummer 1, Uwe Kröger, verlieh als Erik sowohl mit seinem strahlenden Tenor jedem seiner Songs einen besonderen Ausdruck, als auch seinem Phantom viele menschliche Züge und glänzte vor allem in seinen verzweifelten Ausführungen. Jochen Sautter agierte als Raoul mit großer Bühnenpräsenz und imponierte gesanglich mit seinem warmen Bariton. Ann Jennings ließ als La Carlotta mit ihrem klaren Sopran aufhorchen, begeisterte schauspielerisch als Primadonna und hatte die Lacher auf ihrer Seite, als ihre Stimme wie ein Hirsch zu röhren begann. Auch die weiteren Darsteller erfüllten die Erwartungen, so Guido Weber mit lyrischem Bariton als geheimnisvoller Perser, die beiden Operndirektoren Moncharmin (Sebastian Ciminski-Knille) und Richard (Michael Fernbach), Kimberly Trees als Madame Sorelli sowie Marcin Drzaźdźyński (Polizist) und Markus Schiefer (Kommissar).

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