30.10.2019 - 10:32 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Pöbeleien und Verletzungen vor Getränkemarkt

Zuerst kam es zu Pöbeleien, dann zu Remplern, und am Schluss hatte einer der Beteiligten einen Schnitt in Halsgegend, der, wenn er einen halben Zentimeter tiefer gewesen wäre, auch tödlich hätte enden können. Nun kam die Sache vor Gericht.

Symbolbild.
von Autor RNSProfil

Am Getränkemarkt neben einem Lebensmittel-Discounter in der Innenstadt waren genau vor zwei Jahren gegen 14 Uhr ein gutes Dutzend Personen beisammen gestanden. Alle hatten erheblich dem Alkohol zugesprochen. Ein damals 36-Jähriger tat sich mit Stänkereien und Beleidigungen hervor. Zwei andere Männer ließen sich das nicht bieten. Der Ledige kassierte eine „Schelln“ und wurde geschubst. Als die beiden Weidener sich entfernten („Damit nicht noch mehr passiert“) verfolgte der aggressive Vohenstraußer sie mit einer abgebrochenen Bierflasche in der Hand, verborgen hinter dem Rücken. Eine 45-jährige Hausfrau konnte noch warnen: „Pass auf, er hat eine Bierflasche in der Hand“. Da soll sich jedoch der 36-Jährige schon auf den 38-jährigen Weidener gestürzt haben. Dieser soll dann den Angreifer in den Schwitzkasten genommen und zu Boden gebracht haben, wobei ihm die tiefe Schnittwunde beigebracht worden sein soll. So die Anklage am Dienstag vor dem Amtsgericht durch Staatsanwältin Anja Benner-Tischler und die Aussage des Geschädigten.

Anders schilderte der Angeklagte den Vorfall. Er sei grundlos drei Mal „niedergeprügelt“ worden, habe eigentlich fliehen wollen und habe, als man ihn das vierte Mal niederschlagen wollte, die Flasche zu fassen bekommen. In einer Abwehrbewegung habe er seinen Kontrahenten verletzt. Die Rufe „Ich bring dich um“, die er laut Zeugenaussagen währenddessen losgelassen haben soll, seien nicht ernst gemeint gewesen. Die beiden anderen seien ihm körperlich überlegen, seien „keine Unschuldslämmer“ und er selbst habe schwere Verletzungen davon getragen. Allerdings hatte das Klinikum bei ihm keine Hämatome und nur leichte Prellungen am Knie und Ellbogen feststellen können. Die Decke in der Polizeizelle, die er später mutwillig zerrissen hatte, habe er als Schlinge für seinen verletzten Arm benötigt, sagte der gelernte Mechaniker, bei dem damals 1,88 Promille Alkohol und zusätzlich Marihuana im Blut festgestellt worden waren.

Schwierig gestaltete sich die Beweisaufnahme, weil viele der damals Anwesenden unter „Amnesie“ leiden, wie es Rechtsanwalt Christoph Scharf ausdrückte. Ein 60-jähriger Rentner, der neben dem Angeklagten gestanden haben soll, als dieser von hinten geschlagen worden sein soll, hatte keinerlei Erinnerung mehr an das zwei Jahre zurückliegende Geschehen. Ein junger Schreiner, der schon den ganzen Tag beim Getränkemarkt gestanden hatte und laut Polizei zwischen 1,86 und 2,41 Promille hatte, wusste ebenfalls „gar nichts mehr“. Im Sommer 2019 sollen der Geschädigte und ein Kumpan den Angeklagten im Stadtbad bedroht haben: „Wenn mein Bruder rauskommt, bist du sowieso tot“. Dies berichtete ein glaubhaft wirkender 50-Jähriger. Um dies zu bestätigt zu wissen, wollen Rechtsanwalt Scharf, Staatsanwältin Benner-Tischler und Richter Hubert Windisch noch weitere Zeugen hören. Windisch vertagte die Verhandlung auf Mittwoch, 13. November, 10.45 Uhr.

Lesen Sie hier, wie das Verfahren weitergeht

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