27.08.2019 - 16:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Polizist auf der Anklagebank

War es ein Racheakt, um der Exfreundin des Polizisten eins auszuwischen? Ja, sagt zumindest einer der beiden Angeklagten. Der zweite, der Polizist selbst, bestreitet den Tatvorwurf und schweigt.

Symbolbild
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Die Tat selbst war ziemlich fies. Wenn sie sich denn so zugetragen hat, wie der 23-jährige Schüler und frühere Kumpel des Polizisten (29) behauptet. Seine Aussage klingt - ähnlich wie die Anklage der Staatsanwaltschaft - nach Räuberpistole. Zu klischeehaft, um wahr zu sein - oder vielleicht gerade deshalb wahr?

Die Vorwürfe gegen den Polizisten - er tat zuletzt bei der Autobahnpolizei Weiden Dienst - laut Staatsanwältin Franziska Hofmann: Der 29-Jährige habe nach der Trennung von seiner Freundin gemeinsam mit dem Freund geplant, sich zu rächen und ihr Drogen unterzuschieben. Am 14. Oktober 2018 habe der Polizist seinem Freund 100 Euro übergeben, damit der Rauschgift besorgt. Der sei nach Plauen gefahren und habe über einen Vermittler Marihuana gekauft. Zurück in Weiden sollen der Schüler und eine Bekannte 3,6 und 2,6 Gramm davon in zwei Päckchen verpackt haben. Gegen Mitternacht seien sie dann gemeinsam mit dem Polizisten nach Etzenricht gefahren, um die Drogen am Auto der Exfreundin anzubringen. Ausgestattet mit Handschuhen und Kapuzen, wie man es aus "Aktenzeichen XY" kennt.

Tags darauf ruft der 29-Jährige zwei Kollegen von der Verkehrspolizei an und steckt ihnen, dass seine Exfreundin wieder einmal beim Rauschgiftkauf in Tschechien gewesen sei. Jetzt sei sie in Weiden zurück und sie sollten sie doch kontrollieren. Das tun die beiden Beamten auch und entdecken tatsächlich das Rauschgift.

Die Anklage wirft nun dem 29-Jährigen unerlaubten Erwerb von Betäubungsmitteln und die Verfolgung Unschuldiger vor. Der Schüler ist wegen unerlaubten Erwerbs von Drogen in Tatmehrheit mit falscher Verdächtigung und unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt, weil die Beamten bei ihm ein Butterlfy-Messer und zwei Schlagringe fanden.

Der 23-Jährige will offensichtlich reinen Tisch machen und belastet sich selbst dabei schwer. Er bestätigt die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in weiten Teilen. Auch, dass er das Marihuana in Plauen besorgt und später an den Autokennzeichen der Exfreundin des Polizisten angebracht habe. Heute sagt er vor Gericht: "Es war ein Riesenfehler, das Ganze zu machen." Immer wieder weisen die Verteidiger des 29-Jährigen, die Rechtsanwälte Florian Zenger und Alexander Betz aus München, auf Widersprüche in den Vernehmungen des 23-Jährigen hin. Der betont immer wieder, dass er in den ersten beiden Vernehmungen gelogen habe, um den Polizisten zu decken. Doch in der dritten Vernehmung habe er die Wahrheit gesagt.

Richter Hubert Windisch führt den Vorsitz am Schöffengericht. Er will dem angeklagten Polizisten offenbar eine Brücke bauen und erklärt schließlich: Nach Auffassung des Gerichts liege eine sehr dichte Beweissituation vor. Bei einem Geständnis stünde eine Freiheitsstrafe von etwa eineinhalb Jahren im Raum. Unter besonderen Umständen sei eventuell die Strafaussetzung zur Bewährung möglich. Der 29-Jährige jedoch lässt nach längerer Beratung mit seinen Verteidigern ausrichten: Er bestreite die Tat weiterhin und möchte, dass alles aufgeklärt wird.

Also rücken die ersten Zeugen an. Darunter auch eine LKA-Beamtin von der Internen Ermittlung und ein Kollege von der Autobahnpolizei Weiden, der an der Kontrolle der Exfreundin beteiligt war. Deren Aussagen werfen ebenfalls Schatten auf die Unschuldsbeteuerungen des angeklagten Polizisten. Die LKA-Beamtin kannte den Polizisten bereits durch eine frühere Ermittlung. Damals hatte die Noch-Freundin ihren Partner angezeigt, weil er ihr Umfeld im Polizeicomputer überprüft habe. Die Ermittlungen wurden letztlich eingestellt. Keinen Zweifel hegte die LKA-Beamtin aber an dem Geständnis des Schülers. "Er hat gesagt, das Motiv des 29-Jährigen wäre Rache gewesen bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes seiner Exfreundin."

"Das Gift hängt hinter den Kennzeichen", habe der 29-Jährige mitgeteilt als er seine Kollegen per Handy zur Kontrolle seiner Ex aufforderte. Er habe noch gedacht, das gibt's doch nicht, das wäre zu einfach, berichtet der Kollege (37) von der Verkehrspolizei. Die Exfreundin habe zwar erst hysterisch reagiert, dann aber gleich ihren Exfreund verdächtigt und alle Tests mitgemacht. "Auch der Kontakttest mit Rauschgift verlief negativ." Selbst "der beste Rauschgiftspürhund Deutschlands" habe nur an den Kennzeichen Drogenspuren angezeigt. "Sie war ganz kooperativ", habe jede Menge Sprachnachrichten ihres Ex vorgespielt. Deshalb hätten er und sein Streifenkollege noch in der Nacht den Dienststellenleiter informiert und den Fall schließlich an die Kripo abgegeben.

Schwer belastet wird der 29-Jährige außerdem durch die frühere Freundin des mitangeklagten Schülers. Die berichtete ihrer Mutter, der Schüler und der Polizist hätten dessen Exfreundin Drogen untergeschoben. Die Mutter informierte die Polizei. Der Prozess wird am 16. September um 8 Uhr mit einer weiteren Zeugenvernehmung fortgesetzt.

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