27.01.2020 - 16:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Polizisten in Weiden retten Autofahrer: "Es hat echt pressiert"

Nach einer Irrfahrt steht ein Auto mit laufendem Motor auf einem Feld bei Latsch. Für den 65-jährigen bewusstlosen Fahrer geht es um Leben und Tod, als die Polizei eintrifft. Die Ersthelfer machen einen Superjob: Sie retten sein Leben.

Ihrem beherzten Eingriff hat ein 65-jähriger Autofahrer sein Leben zu verdanken: Joseph Fellner (von links), Jessica Hötzel und Thomas Krauß von der Polizeiinspektion Weiden leisten schnelle Erste Hilfe. Auch PI-Sprecher Mario Schieder (rechts) lobt das vorbildliche Handeln.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Der Polizeieinsatz am vergangenen Mittwoch war wahrlich keine Routine. „Ein solches Ereignis kommt vielleicht alle fünf Jahre mal vor“, sagt Sprecher Polizeihauptmeister Mario Schieder von der Polizeiinspektion Weiden am Montag im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Die ganze Wache sei stolz auf die drei Kollegen Joseph Fellner, Thomas Krauß und Jessica Hötzel. „In solch einer Situation funktionierst du nur noch“, sagt Joseph Fellner. Der 25-jährige Polizeioberwachtmeister aus Mantel hat blitzschnell reagiert und dem verunglückten Mann gemeinsam mit den Kollegen offenbar das Leben gerettet.

Was war passiert? Ein Mitarbeiter des Towers am Flugplatz Latsch hatte ein Auto gesichtet, das querfeldein über Wiesen und Äcker fährt. Er informierte die Polizei. „Deshalb waren wir auch zuerst vor Ort, weil der Notruf nicht über die 112 einging“, sagt Polizeihauptmeister Thomas Krauß aus Weiherhammer. „Wir waren in der Nähe vom Bahnhof und vielleicht 3 bis 4 Minuten später da.

Seitenscheibe eingeschlagen

Was sie erwartet, wussten die Beamten nicht. Ist der Fahrer vielleicht betrunken oder verwirrt? „Das Fahrzeug stand mitten auf einem Feld, der Motor lief noch, die Türen waren verriegelt“, sagt der 35-jährige Krauß. Der Fahrer war offenbar bewusstlos. Mit dem Schlagstock hätten er und sein Kollege versucht, die Seitenscheibe hinterm Fahrersitz einzuschlagen. Dabei sei sogar die Spitze eines Schlagstocks abgebrochen. „Zum Glück hatten wir noch ein Brecheisen im Polizeiwagen.“ Fellner musste mehrmals zuschlagen, bis die Scheibe brach. Parallel setzte Krauß den Notruf ab.

„Ich habe sofort gesehen, dass es pressiert“, sagt Fellner. Über die zerbrochene Scheibe öffnet er die Tür, fühlt den Puls am Hals des Mannes, krabbelt ins Auto und öffnet die Beifahrertür. Mit dem „Rautek-Griff“ fasst der Polizist den Bewusstlosen von hinten unter die Arme und zieht ihn aus dem Auto. „Wir haben ihn auf den Boden gelegt und Joseph hat gleich mit der Herzdruckmassage begonnen“, erzählt Krauß. Er habe seinen Kollegen ablösen wollen, doch „der hat das knallhart durchgezogen“. Ein schweißtreibender Job. Nach knapp fünf Minuten traf der Notarzt ein – per Rettungshubschrauber vom wenige Hundert Meter entfernten Standort beim Tower. „Das hat gefühlt eine Ewigkeit gedauert“, sagt Krauß. „Du siehst den Hubschrauber und die Helfer einsteigen, und das in greifbarer Nähe. Das war schon merkwürdig.“

Sehr schnell reagiert

Der verunglückte Mann hat doppeltes Glück. Die Polizisten reagierten nicht nur äußerst schnell, wie ihnen der Notarzt später versicherte („Die ersten 10 Minuten sind entscheidend“), Joseph Fellner ist außerdem gelernter Krankenpfleger. Er hat nach Ausbildung und Fachabitur im Klinikum Weiden gearbeitet, bevor er im März 2018 in den Polizeidienst wechselte. „Die Ausbildung war sicher hilfreich“, gibt der Polizeioberwachtmeister sich bescheiden. „Das war top“, lobt ihn Kollege Krauß, der seit 2006 bei der Polizei arbeitet. An einen derart dramatischen Einsatz kann er sich nicht erinnern.

Noch keine Polizistin, aber auf dem Weg dorthin, ist die 23-jährige Jessica Hötzel, die am vergangenen Mittwoch ihren Kollegen zumindest moralisch beistand. Die junge Dienstanfängerin aus Waldsassen absolviert gerade ein fünfmonatiges Praktikum bei der PI Weiden und hat schon mehrere Einsätze (u.a. im Eisstadion, beim Söder-Besuch) und auch eine Obduktion miterlebt. „Dieser Einsatz war aber definitiv der aufregendste“, sagt Hötzel anerkennend. „Es war beeindruckend, wie schnell meine Kollegen reagiert haben. So richtig helfen konnte ich ja gar nicht, aber ich habe mich bereitgehalten.“ Am 1. März beginnt ihre dreijährige Ausbildung im gehobenen Polizeidienst. Gerne würde sie später wieder in Weiden arbeiten. „Das Team hier ist super.“ Auch Krauß und Fellner loben die junge Kollegin, die sich sehr taff verhalten habe. Das könne nicht jeder.

Redakteurin Stephanie Hladik hat die drei Polizisten in Weiden zum Gespräch getroffen.

Das Trio erwartet noch eine polizeiinterne Würdigung. „Die ganze Dienststelle ist stolz. Sie haben alles richtig gemacht“, lobt Sprecher Schieder. „Leider müssen wir den Kollegen Fellner wieder abgeben.“ Nächste Woche ende „seine Ausleihe“ von der Bereitschaftspolizei Sulzbach-Rosenberg, Außenstelle Nabburg.

Der gravierende Einsatz habe auch gezeigt, wie wichtig Erste-Hilfe-Maßnahmen seien. Polizeibeamte würden regelmäßig, mindestens ein Mal im Jahr, geschult, so Schieder. Im Nachgang wurden auch die Dienstwagen mit Beatmungsmasken nachgerüstet. Sie erleichtern eine Mund-zu-Mund-Beatmung. „Die Herzdruckmassage ist jedoch vordringlicher“, erklärt Schieder. Durch sie werde das vorhandene sauerstoffreiche Blut im Körper verteilt.

Dem 65-jährigen Fahrer soll es den Umständen entsprechend wieder bessergehen, bestätigt Schieder auf Nachfrage. Das freut auch die Lebensretter.

Kommentar:

Alles richtig gemacht

Wenn Polizisten zu einem Einsatz gerufen werden, dann können sie nicht immer wissen, was sie wirklich vorfinden werden. Ob beruhigende Worte oder das Verabreichen eines Heftpflasters für die Situation ausreichen. So wurde die Alarmierung vergangene Woche zu einem hochdramatischen Notfalleinsatz, in dessen Verlauf die Polizisten samt „Praktikantin“ als Ersthelfer aufs Äußerste gefordert waren. Die Rettung des Mannes aus dem versperrten Auto, die Reanimation, das Absetzen des Notrufs und vor allem die routinierte Herangehensweise verdienen größten Respekt. Für die Polizei war es ein „gravierender Einsatz, wie er vielleicht alle paar Jahre mal vorkommt“, heißt es. Umso wichtiger, dass die Beamten als Ersthelfer wissen, was in solch einem Fall zu tun ist. In der Regel ist ja der Rettungsdienst als Erster vor Ort. Hier verhielt es sich aufgrund der direkten Alarmierung anders. Doch auch bei den Polizisten saß jeder Handgriff. Nicht zuletzt dank regelmäßiger Erste-Hilfe-Schulungen. Die Ausbildung eines der Beamten zum Krankenpfleger war da noch ein weiterer Glücksfall. „Alles richtig gemacht“ loben Rettungsdienst, Notarzt und Kollegen.

Von Stephanie Hladik

Ungewöhnlicher Einsatz: Polizisten retten Autofahrer

Weiden in der Oberpfalz

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