06.11.2019 - 18:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ein Porträt aus Wörtern

Schülerinnen des Weidener Elly-Heuss-Gymnasiums haben die bisherige "Lateinwand" mit einem Porträt von Elly Heuss ersetzt. Noch schützen sie das neue Wandbild vor neugierigen Blicken. Bis zu diesem Donnerstag.

Noch wollen die Schülerinnen Ilona Feldmann und Sarah Böckl (von links) von der Klasse Q12 des Elly-Heuss-Gymnasiums das neue Wandgemälde nicht enthüllen.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Eine weiße Plane und eine schwarze Papierschicht verdecken die bisherige "Lateinwand" im ersten Geschoss des Elly-Heuss-Gymnasiums. Das steigert die Spannung all derer, die sich fragen mögen, in welchem Antilitz sich die neue Wand wohl präsentieren mag. Neun Schülerinnen des Projektseminars Schulgestaltung haben seit Februar mit Kunstlehrerin Ramona Gilch daran gearbeitet, "etwas Neues zu schaffen" und damit "die Wurzeln unserer Schule zum Ausdruck zu bringen", schwärmt Zwölftklässlerin Sarah Böckl, die an dem Projekt beteiligt war. Mit leuchtenden Augen ergänzt sie: "Wir haben uns für das Porträt von Elly Heuss entschieden." Besonders daran ist auch: Das Porträt besteht aus Worten.

Die Idee dazu hatten die Schüler aus dem Avicii-Videoclip "The days". Darin sprüht der Künstler mit Hilfe von Schablonen Wörter an eine Wand, die am Ende sein Porträt abbilden. Anschließend wirft er Farben auf die Wand. Die Schülerinnen machten es ebenso, nur in anderer Reihenfolge. "Damit das Porträt am Ende nicht wieder verdeckt wird, musste die Farbe für den Hintergrund als erstes auf die Wand", erklärt Böckls Mitschülerin Ilona Feldmann und ergänzt: "Die Farbkleckse außen symbolisieren das Schullogo." Die Auswahl der insgesamt 36 Wörter entstand beim Brainstorming, sagt Böckl: "Es sollten Eigenschaften sein, die wir mit Elly Heuss verbinden sowie Dinge, die sie geleistet hat. Elly Heuss hat sich als Frau politisch stark engagiert, was damals nicht üblich war. Sie hat sich für andere Frauen eingesetzt, hat das Muttergenesungswerk gegründet und so vieles mehr. Sie ist schon ein Vorbild."

Graffiti-Künstler sprüht mit

Es sei nicht einfach gewesen, die Latein-Fachschaft davon zu überzeugen, dass sie die Wand freigeben, aber letztlich haben sie "schweren Herzens" zugestimmt, sagt Kunstlehrerin Gilch. Danach ging es an die Gestaltung. Im Internet suchten die Schülerinnen nach einer geeigneten Porträtaufnahme, die sie als Grundlage verwendeten. Als nächstes organisierten sie sich in drei Teams: Organisation, Hintergrund, Schrift.

Die Organisationsgruppe plante Termine und holte Graffiti-Künstler Michael Gmeiner an Bord, der den Schülerinnen dabei half, das Projekt umzusetzen. Um das Projekt zu finanzieren, verkauften die Schülerinnen selbstgemachten Kuchen und Eis. Sie gewannen eine Firma als Sponsor für Acrylfarbe und vergaben Wortpatenschaften an Mitschüler und Lehrer, um Sprühfarbe und Schutzausrüstung zu finanzieren.

Keine Kleinigkeit

Außerdem beantragten sie Unterstützung durch den Förderverein und den Elternbeirat. "Das war keine Kleinigkeit", sagt Kunstlehrerin Gilch. "Insgesamt kostete das Projekt rund 1000 Euro." Zudem habe es jede Menge Einsatzbereitschaft erfordert. "Es war eine anstrengende Zeit für die Schülerinnen, auch weil sie parallel dazu ihre Seminararbeiten schreiben mussten."

Feldmann war in der Gruppe, die sich dem Hintergrund widmete. Sie machten Testversuche an einer Wand im Freien, "um zu sehen, wie das dann am Ende aussieht". Dann ging es nach drinnen an die "Lateinwand". Um zu vermeiden, dass die Farbe überall hinspritzt, deckten sie die Wand mit Planen ab. Dann ging es los. Mit Kleisterpinseln, Schwämmen und Wasserbomben warfen, spritzten und zeichneten sie lila, hellblaue, rote und dunkelblaue Farbe auf die Wand. "Die Wasserbomben haben am meisten Spaß gemacht", schwärmt Feldmann. "Die Farbexplosionen waren sehr witzig."

Böckl war in der Schrift-Gruppe. "Als der Hintergrund fertig war, hat Michael Gmeiner die Umrisse gesprüht. Für die Wörter hatten wir wie im Avicii-Video Schablonen vorbereitet. Gmeiner zeichnete die Konturen mit einem Stift vor und wir haben sie mit Pinseln und Acrylfarbe ausgemalt und darübergesprüht. Es war toll zu sehen, wie das Bild mit den Wörtern nach und nach entstand."

An diesem Donnerstag enthüllen die Schülerinnen das Bild vor den Augen ihrer Mitschülerinnen, Lehrern, Bürgermeister Jens Meyer, dem Elternbeirat sowie dem Förderverein der Schule. "Gespannt sind wir schon, wie die Reaktionen ausfallen werden", sagt Feldmann.

Die Künstler versammeln sich unter den Augen von Elly Heuss. Von links: Michael Gmeiner, Ilona Feldmann Sarah Böckl Vanessa Schöffel Mara Kastner Sandra Biebl Seyma Tutal Anja Elstner - nicht im Bild Annika Ammann und Alina Krapf.
Bevor es an die "Lateinwand" geht, machen die Schülerinnen im Freien einige Versuche.
Ein Porträt von Elly-Heuss aus Wörter entsteht auf der ehemaligen "Lateinwand".
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