18.01.2019 - 18:59 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Post-Tochter zahlt viel weniger

Knapp drei Stunden lief die Betriebsversammlung. Viel länger als geplant. Viele der 170 Mitarbeiter des Servicecenters der "Philatelie" sind beruhigt. Doch vor allem die Befristeten trifft es schwer.

Nach der Betriebsversammlung der Abteilung Kundendienst sind einige Mitarbeiter sehr besorgt.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Fast alle waren da, etwa 160 Leute, auch die, die eigentlich frei hatten, berichtet Anton Hirtreiter. Der Verdi-Postexperte konnte nur einen Teil von ihnen beruhigen. Ab 1. Februar sind sie per Arbeitnehmerüberlassung an die "Customer Service Center GmbH" (CSC), einer Tochter der Post, ausgeliehen. Für die Festangestellten ändere sich für die nächsten 10 Jahre wenig, sie bleiben im Tarifvertrag, keiner kann versetzt werden oder in eine schlechtere Entgeltgruppe kommen.

Schlimm trifft es diejenigen, die einen befristeten Vertrag haben, etwa 20 Leute. Viele von ihnen arbeiteten nach Informationen des Verdi-Postexperten Anton Hirtreiter schon 4 Jahre oder länger beim Betrieb, immer mit kurzen Verträgen von ein paar Monaten. Entweder würden sie nach der Befristung arbeitslos oder die CSC GmbH übernehme sie, jedoch zu weit schlechteren Konditionen. Hier bekämen sie ein Stundengehalt von 9,36 Euro und 25 statt 30 Tage Jahresurlaub. Eine deutlichere Verschlechterung: In ihrem alten Vertrag bei der Post erhalten sie laut Tariftabelle zwischen 12,68 und 13,87 Euro. "Als der Arbeitgebervertreter das gesagt hat, ging erst einmal ein Raunen durch den Saal", berichtet der in Weiden freigestellte Betriebsrat Franz Wiesent. 4 Euro weniger pro Stunde. Ein Jahresgehalt von 20.800 Euro bei Vollzeit. "Da ist der Herr Hirtreiter an die Decke gegangen."

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Weiden in der Oberpfalz

Man bezweifelte, ob Leute in Weiden zu diesem Lohn arbeiteten, erzählte Verdi-Vertreter Hirtreiter. Der Arbeitgebervertreter betonte, dass dann die Arbeit an andere Dienstleister auslagert werde. Diese befänden sich, befüchtet der Gewerkschaftler, in europäischen Oststaaten wie Rumanien. In einer dortigen Niederlassung lernten nach seinen Informationen deutsche Post-Mitarbeiter derzeit Arbeitskräfte an.

Wie Betriebsrat Wiesent, betont, übernähmen die Mitarbeiter des Servicecenters nicht nur Aufgaben eines Telefon-Call-Centers, sondern bearbeiteten schriftliche Aufträge, Mail, Fax und kümmerten sich um das Internet mit sozialen Medien.

Bei Verdi läuft gerade eine groß angelegte Kampagne bundesweit gegen die CSC GmbH mit etwa 2000 Mitarbeitern. Die Gewerkschaft fordert Tarifbindung für das Posttochterunternehmen. Weigere sich die Post, werde es zu Warnstreiks kommen informiert Hirtreiter. Dies betreffe jedoch Weiden nicht, da alle Mitarbeiter noch bei der Post angestellt seien. Die nächste Niederlassung der CSC sei in Fürth mit etwa 200 Beschäftigten.

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