Weiden in der Oberpfalz
13.11.2018 - 14:23 Uhr

Problematische Beweislage

Es ist schwierig, dem 45-jährigen Angeklagten seine mutmaßlichen Taten nachzuweisen. Der Mann aus dem Kreis Tirschenreuth steht wegen 52-fachen Missbrauchs zweier Buben vor Gericht. Seine drei Rechtsbeistände gehen energisch zu Werke.

Noch sieht Rechtsanwalt Rouven Colbatz wenig Chancen für Staatsanwalt Hans- Jürgen Schnappauf, seinem Mandanten die diesem vorgeworfenen Taten nachweisen zu können. Schwierig gestaltet sich die Beweislage. Colbatz und seine Münchener Kollegen, Philip Müller und Florian Zenger, verteidigen energisch.

Ihrem Mandanten, einem 45-Jährigen aus dem nördlichsten Landkreis Tirschenreuth, wird vorgeworfen, die Buben seiner damaligen Verlobten insgesamt 52 Mal sexuell missbraucht zu haben, als diese zwölf und acht Jahre alt waren. Vier Mal sollen es schwere sexuelle Missbräuche gewesen sein. Die mittlerweile vom Angeklagten getrennte Mutter, der inzwischen 23 und 15 Jahre alten Jungen hatte ihren „Ex“ vor rund einem Jahr angezeigt, nachdem sich diese ihr anvertraut hatten. Als Zeuge vor der 3. Jugendkammer des Landgerichts sagte der Ältere aus, der „Ersatzvater“ habe ihn in der Badewanne unsittlich berührt. Der Jüngere sagte, er habe seit seinem achten Lebensjahr manuelle und orale Angriffe auf sein Geschlechtsteil erdulden müssen.

Beinahe wäre es am Dienstag, dem zweiten Verhandlungstag, zu einer Eskalation im Gerichtssaal gekommen. Rechtsanwalt Müller hatte einen Weidener Kriminalpolizisten indirekt beschuldigt, das Gericht bei seiner Aussage am ersten Verhandlungstag getäuscht und belogen zu haben. Dies verbaten sich Richter Reinhold Ströhle und Staatsanwalt Schnappauf energisch. Der Beamte, dessen Einvernahme die Verteidiger unbedingt nicht zulassen wollten, berichtete dann auf Beschluss des Gerichts von der ersten Beschuldigtenvernehmung des Angeklagten. Dabei habe der Ledige zugegeben, ein halbes Jahr lang mit einem der Jungen gebadet zu haben. Bei einer Hausdurchsuchung beim Beschuldigten habe man kinderpornografische Dateien auf sichergestellten Laptops gefunden. Ein 15-jähriger Freund des jüngeren mutmaßlich Geschädigten berichtete, dass sich dieser bei seinem früheren Ersatzvater entschuldigt habe und gesagt habe, „dass es ihm leid“ tue „und dass alles von seinem älteren Bruder“ komme.

Die Verhandlung wird am heutigen Mittwoch um 9 Uhr fortgesetzt.

 
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