09.08.2020 - 13:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rassismus hat nie aufgehört

Beeindruckender Abend mit Musiker und Buchautor David Mayonga bei der „Sommersünde“ in Weiden.

David Mayonga war am Samstagabend Gast im Innenhof der Weidener Regionalbibliothek. Sein Thema: Rassismus
von Holger Stiegler (STG)Profil

„Ein Neger darf nicht neben mir sitzen!“: Der Buchtitel von David Mayonga offenbart bereits deutlich, worum es bei seinem Auftritt am Samstag im Innenhof der Regionalbibliothek geht – nämlich um (selbst erlebten) Rassismus und wie man ihm begegnen kann. Eingeladen zur „Lesung zwischen Beats und Buch“ hat das Team vom Kulturverein „sündikat“.

In München geboren, in der oberbayerischen Provinz aufgewachsen und mitunter auch einen breiten bayerischen Dialekt auf den Lippen – David Mayonga erfüllt erst einmal alle Klischeevorstellungen, die man dem typischen Bayern zuschreibt. „Aber ich schaue nicht so aus, wie man sich einen Bayern vorstellt“, so der Bayer mit Blick auf seine Hautfarbe.

Mayonga ist Radiomoderator, erfolgreicher Musiker (bekannt als Roger Rekless oder Komma 8), Pädagoge. Ein 38-Jähriger, der im Leben steht. Und der erst einmal den Eindruck macht, dass er sich mit dem Thema Rassismus nicht beschäftigen muss. Aber Mayonga macht deutlich, dass ihn rassistische Anfeindungen bis heute begleiten. „Und Rassismus ist nicht allein das Problem der Opfer, sondern der ganzen Gesellschaft“, betont der Künstler. Mit vielen Beispielen illustriert er an diesem Abend, dass es eben immer noch um das Thema Rassismus gehe und sich dieser zum Teil auch in der „Normalität“ festgesetzt habe. „Wenn mich jemand beim ersten Aufeinandertreffen fragt, wo ich herkomme, dann sage ich: aus Markt Schwaben“, erzählt Mayonga – wissend, dass der Gegenüber eigentlich auf eine andere Antwort wartet. Irgendwann im Laufe des Gesprächs komme es dann zur Nachfrage: „Nein, nein, ich möchte wissen, wo Du wirklich herkommst!“ Erst wenn vom kongolesischen Vater erzählt werde, sei der Fragende offensichtlich zufrieden. „Ist jeweils ein weißer Thorsten oder ein Stefan gefragt worden, wo er wirklich herkommt“, wirft Mayonga in den Raum.

Sensibilisieren will Mayonga an diesem Abend – dafür, was eine bestimmte Wortwahl beim Gegenüber auslöst. So räumt er auch mit dem Mythos auf, dass an dem „N-Wort“ des Buchtitels doch nichts Schlimmes zu finden sei oder das doch früher auch benutzt wurde. „Der Begriff hat den Menschen früher auch schon weh getan, nur kamen die Betroffenen nicht zu Wort“, so Mayonga. Rassismus habe eine mehrere Jahrhunderte lange Geschichte und etwas Strukturelles. Der Autor führt aus, dass dem eine Art „Lehre“ zugrunde liege, für die der Begriff der Rasse eingeführt worden sei, um die Überlegenheit einer bestimmten „Rasse“ zu dokumentieren. Dabei scheut er sich auch nicht, die Zuhörer auf eine Reise in die Geschichte des Rassismus und zu Denkern wie Carl von Linné, François Bernier und auch Immanuel Kant mitzunehmen.

Das Buch ist ein Ventil Mayongas, um mit den eigenen rassistischen Erfahrungen umzugehen, mit denen er im Kindergarten konfrontiert wurde. Ein anderer Junge habe zu ihm gesagt „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen.“ Er sei total baff gewesen, weil er gar nicht wusste, dass er das sein sollte. „Das war der prägnante Moment, in dem man reagiert, dass man außerhalb des Kästchens der Normalität lebt“, so Mayonga. Sei er zuvor ein bayerisches Kind gewesen, wurde er ab diesem Zeitpunkt immer wieder mit der Hautfarbe konfrontiert. Ein weiteres „Ventil“ Mayongas ist die Musik, angesiedelt zwischen Rap, HipHop und Freestyle: Mehrmals macht der Künstler auch dies an diesem Abend deutlich – und bekommt nach über zwei Stunden kräftigen Applaus für einen kurzweiligen und auch lehrreichen Abend.

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