08.04.2020 - 17:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Im Rausch: Mann droht Familie mit Messerattacke

Für zwei Jahre und sechs Monate muss ein Mann aus dem Kreis Wunsiedel ins Gefängnis. Er hatte im September 2019 seine Frau und die gemeinsamen Kinder verletzt und mit einem Messer bedroht. Diese hatte ihm einen Seitensprung gestanden.

Das Landgericht Weiden hat einen Mann aus dem Kreis Wunsiedel zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt weil er seine Familie im Rausch verletzte und mit einem Messer attackierte.
von Stefan NeidlProfil

Richter Gerhard Heindl hat den heute 30-Jährigen aus dem Kreis Wunsiedel wegen Körperverletzung, dem Missbrauch von Schutzbefohlenen und einer Trunkenheitsfahrt schuldig gesprochen. Das Urteil in dem Prozess vor dem Landgericht Weiden sieht für den Angeklagten zwei Jahre und sechs Monate Haft vor. Nach der Entlassung erwartet K. zudem ein Fahrverbot für drei Monate.

Die Anklage, die Oberstaatsanwalt Bernhard Voit vorlas, hatte es in sich: Am Nachmittag des 21. September 2019 soll die Frau ihrem Mann einen Seitensprung aus dem Jahr 2017 in der gemeinsamen Wohnung gestanden haben. Der stark alkoholisierte Gatte habe daraufhin die Nerven verloren. Er soll laut Voit seine Frau geohrfeigt, an den Haaren durch die Wohnungen gezogen, sie am Hals gegen eine Wand gedrückt und gewürgt haben.

Der Anklage zufolge bedrohte er seine Frau und die beiden sechs und sieben Jahre alten Kinder mit einem Messer. Dabei habe er seine Gattin gefragt, ob er die Kinder abstechen solle. Dann soll er angedroht haben, sich das Messer selbst in die Brust zu stechen. Anschließend rammte er es so hart in einen Tisch, dass es darin stecken blieb.

Wie Voit weiter schildert, habe der wütende Mann seine Frau gezwungen, ihren Liebhaber mit ihrem Handy eine Sprachnachricht zu schicken, um ein Treffen an der Kulmainer Dreifaltigkeitskirche zu vereinbaren. Seiner Frau soll er mehrfach gegenüber geäußert haben: „Den bring ich um.“

Der 30-Jährige zwang dann laut Anklage seine Frau, die Kinder und den Familienhund ins Auto. In der Rücktasche des Beifahrersitzes verstaute er eine 40 Zentimeter lange Machete. Damit habe er den Liebhaber seiner Frau „abschlachten“ wollen, erklärte er später der Polizei. Wegen der starken Alkoholisierung musste die Frau fahren, obwohl sie selbst auch schon getrunken hatte.

Flucht in den Wald

Zu dem Treffen mit dem Geliebten der Frau kam es zum Glück nie. Weil der Angeklagte unterwegs eine Raucherpause machen wollte, verließ er das Auto an einem Parkplatz. Zuvor soll er seine Frau noch gefragt haben, ob er ihr jetzt den Schädel einschlagen solle. Diese Gelegenheit nutzte sie zur Flucht in den nahen Wald. Von dort alarmierte sie gegen 16.15 Uhr mit ihrem Handy die Polizei.

Noch bevor die Beamten eintrafen, soll der Betrunkene seinen Sohn und den Hund gegen eine Baum geschleudert haben. Dem Jungen zog er Schuhe und Hose aus, um ihn den Hintern zu versohlen. Polizisten der Dienststellen Kemnath, Eschenbach und Neustadt konnten den Angeklagten schließlich widerstandslos festnehmen.

Krawall in Haftzelle

In der Zelle soll der Mann zwei Stunden Krawall gemacht und mit einem Trinkbecher und der Toilette seine Zelle unter Wasser gesetzt haben. Eine Blutalkoholentnahme ergab einen Wert von 1,43 Promille, bei der Frau waren es 0,4 Promille.

Der Anwalt des Angeklagten, Tobias Konze, erklärte, sein Mandant würde die Taten gestehen. An Einzelheiten könne dieser sich jedoch nicht mehr erinnern, weil er so erregt und zugleich betrunken gewesen sei. In der Beziehung zu seiner Frau habe es schon länger gekriselt. Streit gab es auch weil er seine Frau ein weiteres Mal beim Fremdgehen erwischt habe.

Auf Nachfrage von Richter Heindl gestand der Angeklagte, unter Alkoholeinfluss emotional zu reagieren. Drei bis vier Mal in der Woche würden er und seine Frau große Mengen konsumieren. Wegen des Alkoholkonsums der Frau seien die Kinder mittlerweile unter Aufsicht des Jugendamtes. Das Gericht fasste neben dem Geständnis die Alkoholisierung und eine Anpassungsstörung, die seine Steuerungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt hatte, mildernd auf.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.