28.10.2018 - 16:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Realschule feiert 100 Jahre Hans Scholl

Hans Scholl wird 100 und die Jungenrealschule Weiden organisiert einen Festtag. Dabei geht es jedoch nicht nur um Scholls Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Hans Schuierer (von links), Karl Graf Stauffenberg, Thomas Muggenthaler, Michael Meier und Veit Wagner schauen Julian Aicher genau zu, wie er die Torte zum 100. Geburtstag seines Onkels Hans Scholl anschneidet.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Blindes Vertrauen üben, Improtheater, Mut-Zettel: Am Freitag drehte sich an der Weidener Hans-Scholl-Realschule alles um ihren Namensgeber Hans Scholl und die Werte, für die der Widerstandskämpfer stand - Mut, Freiheit, Liebe, Gewissen, Völkerverständigung, Demokratie. Zum 100. Geburtstag organisiert Geschichtslehrer Johannes Paar einen "Festtag für Hans Scholl", wie es Schulleiter Michael Meier formuliert.

Hans Scholl ist "ein Verwandter, den ich nie persönlich kennengelernt habe", gesteht Julian Aicher. Sein Onkel Hans Scholl wurde am 22. September 1918 in Ingersheim bei Crailsheim geboren, war Gründer der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" und wurde am 22. April 1943 von den Nazis in München-Stadelheim enthauptet. Als Widerstandskämpfer "folgte er einer Überzeugung in voller Konsequenz", könne aber Vorbild sein. Vermutlich deshalb sind viele Schulen nach den Geschwistern Hans und Sophie Scholl benannt.

Die Sechstklässler führen sich gegenseitig durch einen Hindernisparcours. In einem anderen Klassenzimmer lässt sich ein Junge rückwärts in die Arme von sechs Kameraden fallen und sanft auf die Matte legen. Mit den Übungen wollen die Lehrer das Vertrauen der Jungen ineinander stärken. Währenddessen diskutieren die Siebtklässler mit den Lehrerinnen Eva Taschner und Michaela Erben, wie sie handeln, wenn jemand Hilfe braucht: Handy zücken und filmen oder Notruf wählen? Cornelia Tischler stellt mit den fünften Klassen Mut-Zettel her. "Habe Mut" hat Robin in Regenbogenfahren auf seine Karte geschrieben. Derweil sprechen die Ehrengäste, Julian Aicher aus Leutkirch und Karl Graf Stauffenberg aus Höchheim, Enkel des Widerstandskämpfers Claus Schenk Graf von Stauffenberg, mit den älteren Schülern über Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Rechtsextremismus.

Draußen auf dem Pausenhof legen die Klassensprecher weiße Rosen und Flugblätter zur auf den Boden gemalten Friedenstaube. "Hans Scholl steht für Gewissen", "Hans Scholl steht für Völkerverständigung", "Hans Scholl steht für Freiheit", rufen sie dabei. Am Boden leuchtet die Friedenstaube, die 2010/2011 von Walter Böhm und Frank Jesse geschaffen worden war und im Oktober restauriert worden ist.

Ein Video zur Veranstaltung

Als sich die Schüler in die Ferien verabschiedet haben, lauschen die Lehrer der Hans- und Sophie-Scholl-Realschulen sowie Kommunalpolitiker einer Diskussion mit Aicher (ÖDP), Karl Graf Stauffenberg (FDP), dem ehemaligen Schwandorfer Landrat Hans Schuierer (SPD) und Weidens Stadtrat Veit Wagner (Grüne). Die Runde moderiert Thomas Muggenthaler vom BR. "Es ist leider wieder wichtig, dass man sich damit beschäftigt", sagt Aicher über den Nationalsozialismus. Auch Wagner beschreibt aktuelle "Schreckensmomente, wo einem die Luft stecken bleibt." Schuierer stimmt zu: "Wenn ich das Geschehen heute so sehe, wird mir angst und bang." Deshalb besuche er als Zeitzeuge Schulen - sein Vater war Häftling im KZ Flossenbürg.

Freiheit und Rechtsstaatlichkeit würden viele als zu selbstverständlich hinnehmen, findet von Stauffenberg. Die Deutschen hätten die Gräuel der NS-Zeit inzwischen vergessen. Schuierer erinnert sich, dass die NS-Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ein Tabuthema in den Schulen war. Genauso sei es mit der WAA-Zeit gewesen. Auch durch Filme wird Geschichte wieder Gesprächsthema.

Der 87-jährige ehemalige Landrat übt Kritik an seiner Generation. Sie hätte es versäumt, ihren Kindern und Enkeln beizubringen, was Demokratie bedeutet. Doch sie könne noch entgegenwirken - "auch wir stehen immer noch in der Verantwortung". Applaus.

Das Gemälde mit der Friedenstaube auf dem Schulhof der Hans-Scholl-Realschule wurde erneuert. Dort legen die Klassensprecher weiße Rosen und Flugblätter nieder.

Hans Scholl, Mitglied der Widerstandsgruppe "Weiße Rose". Die Mitglieder der Widerstandsgruppe an der Münchner Universität wurden nach einer Flugblattaktion gegen die Herrschaft des NS-Regimes verhaftet und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.

Vor allem Lehrer der beiden Weidener Realschule sitzen im Publikum und lauschen der Diskussionsrunde mit den Ehrengästen.

Einfach mal fallen lassen, die Freunde fangen einen auf: Sechstklässler der Hans-Scholl-Realschule üben am Projekttag zu ihrem Namensgeber, Vertrauen ineinander zu haben.

Ein Bericht zu Hans Scholl und dessen Neffen Julian Aicher

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