09.01.2019 - 18:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Reanimation von Vorsätzen

Das neue Jahr ist nicht mehr taufrisch, mancher gute Vorsatz schon im Januar-Alltag versickert. Höchste Zeit für eine Wiederbelebung! Dekan Johannes Lukas, Pfarrer der Weidener Gemeinde St. Konrad, gibt praxistaugliche Tipps.

Mehr Zeit mit der Familie verbringen, steht bei vielen Menschen an der Spitze der Wunschliste.
von Redaktion ONETZProfil

ONETZ: OWZ: Was sagt denn Jesus dazu, wie wir, zum Beispiel, mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen können?

Lukas: (lacht) So konkret wird er nicht! Das „Wie“ ist im Evangelium nicht ausgeführt, nur das „Dass“.

ONETZ: Also anders: Egal welcher Vorsatz ist die Entscheidung dafür, eine als wünschenswert erkannte Handlung stetig zu wiederholen. In der Konsequenz ist das ein Ritual, und das wiederum Kernkompetenz der Kirche ...

Lukas: … das stimmt genau, mehr Zeit für etwas Bestimmtes ist zu Ende gedacht in der Tat ein Ritual! Und da haben wir Erfahrung. Konkrete Tipps kann ich zum Beispiel aus der Beichte ableiten: Man sollte sich nichts Abstraktes vornehmen, das einen überfordert und zudem nicht überprüfbar ist. Stattdessen konkrete Handlungen, die schaffbar sind und bei denen man ganz leicht Erfolg und Misserfolg erkennen kann. Das schafft die Grundlage für Veränderung.

ONETZ: Brechen wir's auf unser Beispiel herunter ...

Lukas: Gut, sagen wir, Sie wollen am Jahresende 2019 nicht mehr denken: "Hätte ich doch mehr Zeit mit den Kindern und der Oma verbracht." Dahin kommen Sie, wenn Sie sich nicht im Kleinklein des Alltags dahin treiben lassen, sondern bewusst planen: Jeden Samstagnachmittag für die Kinder freizuhalten. Oder einmal in der Woche der Oma, die weiter weg wohnt, einen Brief zu schreiben. Zum Beispiel.

ONETZ: Sollte man solche Vorhaben ankündigen, oder einfach im Stillen umsetzen?

Lukas: Wenn meine Planung andere involviert, muss ich mich natürlich absprechen. Nicht unbedingt mit den Dreijährigen, aber ältere Kinder und Erwachsene haben am Samstag auch eigene Pläne. Wichtig ist die Kommunikation, und auch geweckte Erwartungen nicht zu enttäuschen. Übrigens geht es nicht immer um großartige Aktivitäten, im Gegenteil: Gemeinsam regelmäßig im Garten zu arbeiten oder zu kochen kann schon zu der Nähe führen, die man sich wünscht. Wer einen solchen "Termin" als Druck empfindet, kann auch erst mal Anderes im Stillen tun.

ONETZ: Klingt geheimnisvoll. Was meinen Sie denn?

Lukas: Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus der Notfallseelsorge: Wenn ich gerufen werde, ist das Dümmste, was ich sagen könnte: 'Ich hatte etwas anderes vor und habe eigentlich keine Zeit'. Dann denken sich alle zu Recht: 'Dann kannst' auch gleich wieder gehen.' Wichtig ist nicht nur, was ich mache, sondern auch, wie ich es mache. Die Haltung, mit der ich durch den Alltag gehe. Aufmerksamkeit und Bewusstsein für die Bedürfnisse anderer - und diese Wertschätzung auch zum Ausdruck zu bringen. Es heißt ja, wir Oberpfälzer wären ein rauer Menschenschlag...

ONETZ: Ned g'schimpft ...

Lukas: (lacht) … is' g'lobt gnua, genau. Aber das kann man ändern. Bewusst gezeigte Wertschätzung hat einen sehr großen Einfluss. Ein weiteres Beispiel: Man kann sich entscheiden, ob man sich an der roten Ampel übers eigene Zuspätkommen ärgern will. Oder ob man in der Zeit lieber darüber nachdenkt, in welcher Stimmung mein nächstes Gegenüber sein wird: Was möchte ich, wenn ich dann da bin, in dieser Begegnung geben, was will ich mitnehmen? Erzähle ich erst mal, wie schlimm der Stau war, oder lasse ich das weg? Sage ich bewusst „Servus“ oder "Grüß Gott" und zeige dadurch, dass ich mich freue, da zu sein? Vorbereitet zu sein, eingestimmt und offen, das ist der Unterschied, der eine echte Begegnung ermöglicht.

ONETZ: Also immer wieder Neubeginn pflegen, im Alltäglichen?

Lukas: Genau.

ONETZ: Als Seelsorger sind Sie quasi im Dauereinsatz für andere. Haben Sie sich persönlich für 2019 etwas vorgenommen?

Lukas: Ein Geistlicher sollte idealerweise von Tagesbeginn bis zur Nacht immer wieder beten – was im Alltag manchmal schwierig ist. Und ich werde auch künftig keinen Termin unterbrechen, um für eine Viertelstunde zum Beten zu verschwinden. Aber ich habe vor, meinen persönlichen „Termin mit Gott“, das Stundengebet, regelmäßiger einzuhalten.

ONETZ: Moment, ich habe gelernt, wie gelingt Ihnen das konkret?

Lukas (schmunzelt): Auch Mutter Kirche wird modern, es gibt eine App vom katholischen Pressebund, die an das Stundengebet erinnert und seinen Ablauf – bekanntlich strukturiert wie eine Messfeier – genau vorgibt. Dazu eine Anekdote: Im Urlaub war ich in Maria Lach in der Eiffel und habe in der Klosterkirche mit dem Handy in der Hand gebetet. Da mag der eine oder andere Tourist gedacht haben, 'warum spielt der Idiot da am Handy 'rum...'.

ONETZ: Sollten wir weniger werten, und mehr beobachten?

Lukas: Jeder wertet. dem kann man sich nicht entziehen. Aber man kann sich auch dafür entscheiden, Freiräume zuzugestehen, Unterschiede anzunehmen, präsent zu bleiben. Eine wertschätzende Haltung, wie ich sie geschildert habe, bedeutet nicht, ständig „Friede, Freude, Eierkuchen“ zu leben, sondern bewusst konstruktiv zu sein. Dazu gern noch ein Beispiel: Man kann schon sagen: 'Oma, die Geschichte hast Du letztes Mal anders erzählt.' Aber man muss währendessen nicht genervt am Handy herum spielen.

Pfarrer Johannes Lukas schöpft aus seinem beruflichen Erfahrungsreichtum einen Vergleich: "Mit einem Neujahrsvorsatz ist es wie bei der Beichte: Überlegen Sie sich konkrete Handlungen, die schaffbar sind und bei denen Sie ganz leicht Erfolg und Misserfolg erkennen können. Das schafft die Grundlage für Veränderung."
Hoher Besuch in der Weidener Gemeinde im Dezember 2016: Pfarrer Johannes Lukas (im Mantel) und Pfarrvikar Mejo Jose hießen Bischof Rudolf Voderholzer in der Weidener Gemeinde St. Konrad willkommen.
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