29.01.2019 - 17:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Rechtsdezernent bei letzter Stadtratssitzung: "Das war's noch nicht!"

Berufsmäßiger Stadtrat Hermann Hubmann hält es mit Bayern-Star Uli Hoeneß: "Das war's noch nicht!", sagt er am Ende seiner Rede an den Weidener Stadtrat. Eine Rede, in der der langjährige Rechtsdezernent der Stadt kurz tief blicken lässt.

Mit Standing Ovations verabschiedet der Stadtrat am Montag Hermann Hubmann nach seiner letzten Rede in einer Stadtratssitzung. Der berufsmäßige Stadtrat tritt im März nach fast 26 Jahren als Rechtsdezernent in den Ruhestand.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

In Tränen muss keiner ausbrechen, meint berufsmäßiger Stadtrat Hermann Hubmannbei seiner Abschiedsrede am Montagabend im Stadtrat. Schließlich bliebe er der Stadtverwaltung noch bis März erhalten. "Allerdings ist das seine letzte Stadtratssitzung", erinnert Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Und bei der Gelegenheit gewährt Hubmann, der seit fast 26 Jahren als Rechtsdezernent wirkt, tiefe Einblicke. Sie rühren die Stadträte am Ende zwar nicht zu Tränen, aber zu Standing Ovations.

Nie zurück nach Weiden und niemals Beamter. Mit diesen Vorsätzen zog Hubmann einst nach dem Abitur am Augustinus-Gymnasium in die Welt aus. Später sei er von der Stadt eingestellt worden, nachdem er im Personalrat vergessen und gar nicht angehört wurde. "Heute bin ich sehr zufrieden mit dem, was ich als Beamter in Weiden und für Weiden erreichen konnte." Aber es gab auch Momente, an denen Hubmann wohl zu knabbern hatte: So erwähnt er, bei der ersten Wahl zum berufsmäßigen Stadtrat 2007 sei er für ihn "völlig überraschend" mit nur einer Stimme Mehrheit ernannt worden. "Aber ich habe mich damit abgefunden."

Irritiert habe ihn zudem bei der zweiten Wahl dieser Art die Frage eines Stadtrats, warum man ihn ernennen müsse, wenn es die gleiche Leistung auch für weniger Geld gäbe. Vor diesem Hintergrund scheint es bemerkenswert, dass Hubmann gleich im Anschluss betont, sein Verhalten sei "ansonsten immer geprägt gewesen von Verständnis für den Stadtrat". Zugleich fragt Hubmann hintersinnig ins Gremium: "Ob der Stadtrat so viel Verständnis für mich hatte?"

Dabei betont der Rechtsdezernent: "Ich nehme für mich in Anspruch, dem Stadtrat nie bewusst die Unwahrheit gesagt zu haben." Vielleicht habe er nicht alles gewusst. "Vielleicht habe ich auch nicht immer gesagt, was ich wusste." Das Gremium schmunzelt, dann lacht es, weil Hubmann erklärt, manchmal habe er sich auch nicht gemeldet, weil er sonst dem Oberbürgermeister hätte widersprechen müssen. "Diesem und auch dem Vorgänger Hans Schröpf." Besonders stolz sei er auf einen Zwischenruf von Sepp Melch, ehemaliger SPD-Stadtrat: "Fragt den Hubmann, der lügt nicht."

Dafür diskutiert Hubmann gern. Und lange, breite Diskussionen habe es im Stadtrat schon immer gegeben, weiß der Rechtsdezernent. "Als junger 68er schätze ich sie. Deshalb bin ich auch kein Freund von Beschlussvorschlägen auf Ende der Debatte - gegebenenfalls noch bevor die Debatte begonnen hat." An seinem letzten Sitzungstag musste er einen solchen Antrag beim Tagesordnungspunkt Tierheim miterleben. Aber er fiel durch.

Den Stadträten schreibt Hubmann aber auch etwas hinter die Ohren: "Das laufende Geschäft macht die Verwaltung, den Rest der Stadtrat", betont er und wünscht dem Gremium in diesem Sinn auch in Zukunft lebhafte Debatten. Zwar ohne ihn am Dezernentenpult. Aber vielleicht mit ihm im Publikum. Denn er halte es mit Uli Hoeneß: "Das war's noch nicht", sagt Hubmann. Und: "Ich freue mich aufs Berufsleben nach dem Berufsleben."

Dafür erntet der 66-Jährige stehenden Beifall von den Stadträten, wie er ihn in fast 26 Dezernentenjahren nur selten erlebt haben dürfte. Zehn Minuten später geht's weiter im Takt: "Die offizielle Verabschiedung folgt ja erst noch", sagt der Oberbürgermeister erklärend. Die nichtöffentliche Sitzung beginnt. Für Hubmann sicher kein Problem. "Das war's noch nicht", hat er ja eben selbst noch betont.

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