(shl) Die Idee der "essbaren Stadt" ist ein Modellprojekt, das die Stadtgärtnerei initiiert hat. Der Mitmach-Garten wurde im Juni in der Max-Reger-Anlage eröffnet, und die Rechnung geht auf. Seitdem haben durchaus einige Weidener ihren grünen Daumen entdeckt. "Es gibt zum Beispiel eine Mutter mit Kind, die regelmäßig die Gemüsebeete wässert. Andere genießen einfach nur die lauschige Ruhebank mittendrin und erfreuen sich an dem kostenlosen Angebot", zieht Thomas Huber von der Stadtgärtnerei ein erstes Resümee. Für die Bürger haben er und seine Kollegin, Zierpflanzengärtnerin Uschi Weidner, nur Lob parat. "Bisher hatten wir so gut wie keinen Fall von Vandalismus. Mit den Pflanzen wird sehr pfleglich umgegangen."
Bei so viel Aufmerksamkeit können Basilikum, Salat, Mangold und Gurken prima wachsen. Die Erntebilanz fällt trotz der Hitzeschlacht der vergangenen Wochen beachtlich aus. Und so wurden zum Beispiel bereits 25 Stück Kohlrabi, 5 Kilogramm Tomaten, 4 Kilogramm Paprika, 40 Zwiebeln, 10 Wirsing, 5 Blumenkohl, 12 Gurken, über 50 verschiedene Salate und 15 Zucchini geerntet, wie Huber im Gespräch mit Oberpfalz-Medien zusammenfasst. Auch Petersilie und andere Kräuter würden regelmäßig abgeschnitten.
Die Kunst des Erntens
Aktuell warten die Buschbohnen auf ihre Ernte. Sie haben in den letzten Wochen an beachtlicher Höhe gewonnen. Eine Leiter mitzubringen, wäre ratsam, so Weidner. Zucchini, Knollensellerie, Rote Beete und Hokkaido-Kürbis bräuchten noch etwas Zeit. "Bei manchem Gemüse wird zu schnell geerntet", rät die Gärtnerin zu Geduld. Gerade hat sie neuen Pflücksalat gesetzt. Hier erinnert sie daran, dass von außen nach innen geerntet werden soll, auch zum Beispiel beim Eichblattsalat. "Das Salatherz bleibt stehen, damit es nachwachsen kann." Radicchio und Endivien bittet sie noch nicht zu ernten. Das steht auch auf einer Schiefertafel, die seit Donnerstag neben den Tomatenstauden an der Stadtmauer hängt. "Hier finden die Bürger nützliche Infos zum Garten. Wer mag, darf auch eigene Tipps dazuschreiben."
Nicht nur Gemüse, Obst und Kräuter sprießen, sondern auch die Ideen. Thomas Huber und Uschi Weidner haben davon viele. "Eine Reihe Zuckermais wäre schön. Der könnte auch als Rankhilfe für die Bohnen dienen", sagt Weidner. "Oder wir legen einen Strohballen hin und züchten Champignons", lacht sie. Thomas Huber ist schon einen Schritt weiter und denkt an Erweiterung. Ein Stückchen weiter vorne an der Stadtmauer könnte man noch Beerensträucher anlegen. Auch drei weitere Hochbeete sind geplant. "In jedem Fall wird es im nächsten Jahr ein Insektenhotel geben." Und vielleicht findet sich auch noch ein Plätzchen für Bienenvölker.
Kohl im Winter
Geerntet wird bis in den Winter hinein. "Dann haben die Kohlsorten Konjunktur", weiß die Gärtnerin. "Wirsing braucht sowieso den ersten Frost. Und wir werden noch Zichoriensalate und Grünkohl setzen." Das begeistert auch Andrea Schild-Janker und ihre Tochter, die kurz im Garten vorbeischauen. Die Vorsitzende vom Stadtmarketing-Verein wohnt in der Nähe und ist total begeistert von der Mitmach-Idee. "Das ist total klasse. Vor allem für Kinder. Sie lernen nicht nur die Gemüsesorten und Küchenkräuter kennen, sondern auch den Umgang mit dem frischen Lebensmittel. Meine Kleine kann vom Basilikum gar nicht genug bekommen."
Das hören auch die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei gern. Ihr Projekt trägt im wahrsten Sinne des Wortes Früchte. "Wir hatten vergangene Woche Kollegen aus dem Ruhrpott zu Gast. Auch sie waren begeistert und wollen die Idee aufnehmen", sagt Huber.

















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