Weiden in der Oberpfalz
12.03.2020 - 18:13 Uhr

Respekt für diesen Weidener Wahlkampf

Selten verfolgten OB-Kandidaten in Weiden so unterschiedliche Strategien wie Jens Meyer und Benjamin Zeitler. Und selten verlief ein Wahlkampf trotzdem so fair und friedlich. Ein Kommentar.

Fünf OB-Kandidaten, eine Meinung. Das ist nicht bei jedem Thema der Fall. Trotzdem begegneten sich im Wahlkampf alle mit Respekt. Bei der Podiumsdiskussion von Oberpfalz-Medien von links: Benjamin Zeitler (CSU), Sonja Schuhmacher (Grüne), Jens Meyer (SPD), Christoph Skutella (FDP) und Ali Zant (Linke). Bild: Gabi Schönberger
Fünf OB-Kandidaten, eine Meinung. Das ist nicht bei jedem Thema der Fall. Trotzdem begegneten sich im Wahlkampf alle mit Respekt. Bei der Podiumsdiskussion von Oberpfalz-Medien von links: Benjamin Zeitler (CSU), Sonja Schuhmacher (Grüne), Jens Meyer (SPD), Christoph Skutella (FDP) und Ali Zant (Linke).

Das bemerkenswerte Ende eines bemerkenswerten Wahlkampfes: Wegen Corona sagen SPD und CSU ihre Abschlussveranstaltungen in einer gemeinsamen Erklärung ab. Aber auch schon die Ja/Nein-Fragen bei unserer Podiumsdiskussion sorgten für Bilder mit Symbolcharakter: Bei fünf von sieben Fragen hielten alle Weidener OB-Kandidaten die gleiche Antwortkarte in die Höhe, bei den übrigen zweien die meisten. Alle fünf Bewerber begegneten sich mit Respekt, teilweise lobten sie sich gegenseitig, keiner fuhr auch nur für einen Moment die Ellenbogen aus. Kurz: Es war so fair und friedlich wie im gesamten Weidener Wahlkampf.

Dabei waren Strategien, Timing und Intensität vor allem bei den Konkurrenten von SPD und CSU denkbar unterschiedlich. Für Bürgermeister Jens Meyer schien die OB-Wahl lange Zeit eine g'mahde Wies'n zu sein. Dann kam Benjamin Zeitler – spät, aber gewaltig. Der CSU-Mann startete von 0 auf 200 durch, putzte fleißig Tausende von Kliniken, zeigte sich omnipräsent und lotste Minister um Minister nach Weiden. Meyer agierte weiter so gelassen wie ein Titelverteidiger, Zeitler wie ein ehrgeiziger Herausforderer. Alles andere als eine Stichwahl zwischen den beiden wäre eine Überraschung.

Gute Zugpferde für ihre Stadtratslisten sind die drei weiteren OB-Kandidaten. Bei der Podiumsdiskussion punktete Christoph Skutella (FDP) mit der Souveränität eines Landtagsabgeordneten. An den Ergebnissen von Sonja Schuhmacher (Grüne) und Ali Zant (Linke), beides erklärte West-IV-Gegner, wird sich insbesondere ablesen lassen, wie die Bürger inzwischen zum geplanten Gewerbegebiet stehen. Schuhmacher könnte zusätzlich vom grünen Aufwind in Bund und Land profitieren. Ohne diesen muss naturgemäß die Bürgerliste auskommen. Ob es sich rächt, dass sie keinen eigenen OB-Bewerber ins Rennen geschickt hat? Und noch eine Frage: Was will eigentlich die AfD, die sich bei gerade mal einer größeren Wahlveranstaltung präsentiert hat? Sie findet in Weiden nicht statt. Und landet trotzdem im Stadtrat? Hoffentlich geht es nach der Wahl fair und friedlich weiter.

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