08.05.2019 - 17:51 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Rettungsanker" für Schwangere in Not

Die Fragen rund um eine Schwangerschaft – gewollt oder nicht gewollt – können vielfältig sein. Das erfahren die Beraterinnen bei Donum Vitae Weiden täglich aufs Neue. Ihre Unterstützung suchten im vergangenen Jahr 950 Frauen – und Männer.

Leiterin Elisabeth Schieder, Andrea Lang, die Bevollmächtigte für den Landkreis Neustadt und die Stadt Weiden, und Sandra Kellermann, Bevollmächtigte für den Landkreis Tirschenreuth (von links) stellen die Jahresbilanz 2018 der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen Donum Vitae vor.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Über 1300 Beratungsstunden kamen dabei zusammen, wie Elisabeth Schieder, Leiterin der staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen im Jahrespressegespräch aufzeigte. Mit dabei die Bevollmächtigen Andrea Lang (für Weiden/Neustadt) und Sandra Kellermann (Tirschenreuth). Der Zeitaufwand sei gut investiert, manche Dankeskarte einer junger Familie der Lohn und eine Bestätigung für die ehrenamtliche Arbeit, sagte Lang. Sie freue sich, dass das unabhängige Beratungsangebot von Donum Vitae genutzt wird.

Dabei seien minderjährige Schwangere eher in der Minderheit. Die Hauptklientel seien Frauen zwischen 26 und 35 Jahren, und älter, sagte Schieder. Tendenz steigend. 82 Prozent der Frauen hätten die deutsche Staatsangehörigkeit, 10 Prozent kämen aus Nicht-EU-Ländern. Sprachbarrieren erschwerten manche Beratung. Nicht immer stünden geeignete Dolmetscher bereit, was auch eine Kostenfrage sei.

Ärgerlich findet Schieder, dass Flüchtlinge ohne geklärte Identität kein Eltern- und Familiengeld beziehen können, da das Kind zwar eine Geburtsbescheinigung, aber keine Geburtsurkunde erhalte. Dies müsste dringend vom Zentrum Bayern Familie und Soziales geändert werden, war sich die Runde einig.

Wie umfangreich sich die Betätigungsfelder von Donum Vitae in den 18 Jahren seit Bestehen geworden ist, erläuterte Leiterin Elisabeth Schieder:

Allgemeine Schwangerenberatung

In 464 Kontakten wurden 341 Frauen während der Schwangerschaft beraten. Hier kamen auch oft die Partner mit. Dabei stellte sich heraus, dass es für werdende Eltern immer schwieriger werde, den „Antragsdschungel“ zu überblicken. „Seit letztem Jahr gibt es das Familiengeld, das bereits mit dem Elterngeld beantragt werde kann“, sagte Schieder. Doch viel wüssten das nicht. Auch seien Väter oft der Meinung, dass sie nur zwei Monate Elternzeit in Anspruch nehmen dürften. Dabei könnte die Aufteilung der insgesamt 14 Monate frei gewählt werden. Oftmals würden durch das Fernbleiben Nachteile im Beruf befürchtet. Problematisch sei nach wie vor die Unsicherheit bezüglich der Anrechnung von Familiengeld auf das Arbeitslosengeld II. Hier sei das Gesetz zwar überarbeitet worden, aber noch nicht vollzogen.

Schwangerschaftskonfliktberatung

In Gesprächen um einen möglichen Schwangerschaftsabbruch wolle man den Hilfesuchenden ein „Anker“ sein. Die Gespräche, sagte Schieder, seien immer ergebnisoffen. Ziel sei es, das ungeborene Leben zu schützen und Rat zu geben, damit die Schwangeren eine eigene, angemessene Entscheidung treffen können. 130 solcher Gespräche gab es im vergangenen Jahr.

Nachgehende Beratung

Manche Schwierigkeiten beginnen erst mit der Geburt des Kindes, weiß die Leiterin. „Finanzprobleme, Kinderbetreuung oder postpartale Depression, auch hier greifen wir beratend ein – bis zum 3. Geburtstag des Kindes.“ 287 Kontakte zeigt hier die Bilanz. Nachgefragt würden auch Gespräche nach Abbruch einer Schwangerschaft oder nach einer Fehlgeburt. Oft suchten die Frauen die Schuld bei sich, was die Trauerarbeit zusätzlich erschwere.

Pränatale Diagnostik

„Die meisten Paare kommen nach Erhalt der Diagnose, dass das gemeinsame Kind eine Behinderung haben könnte, zu uns. Unser Ziel ist es dann Ängste zu nehmen und Perspektiven aufzuzeigen.“ Oft finde die Überweisung durch die Hebammen statt. Hier würde man sich wünschen, dass Ärzte die psychosoziale Beratung mehr ins Blickfeld rücken und die Klienten direkt an die Beratungsstelle verweisen.

Männer in der Beratung

Auch für Männer bringt eine Geburt Veränderungen mit sich. 217 Männer wurden im Jahr 2018 mitberaten, 23 Männer davon alleine. Dabei ging es vor allem um finanzielle Fragen, die die Familienväter beschäftigten.

Beratungsgespräche führte das Team von Donum Vitae auch zu Themen wie Kinderwunschbehandlung oder der vertraulichen Geburt, die seit 2014 möglich ist. Probleme sehen die Beraterinnen nach wie vor in der Unterversorgung mit Hebammen („Schwangere müssen sich frühzeitig kümmern“). Auch fehle bezahlbarer Wohnraum für größere Familien. Hier begrüße man die Initiative der Stadt Weiden den sozialen Wohnungsbau auf dem Turnerbundgelände zu forcieren.

Ein wichtiger Aspekt seien auch die Prävention und Sexualpädagogik an Schulen. Hier nahmen 950 Jugendliche und Erwachsene an verschiedenen Veranstaltungen teil. Mit rund 80 000 Euro unterstützte die Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind schwangere Frauen in Not.

Die Beratungsstelle Donum Vitae wird zu 95 Prozent bezuschusst. Die restlichen 5 Prozent müssen selbst aufgebracht werden bzw. werden aus Spendengeldern generiert: Spendenkonto Sparkasse Oberpfalz Nord, IBAN DE11 7535 0000 0620 1055 36.

Weitere Infos unter: www.weiden.donum-vitae-bayern.de.

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